für das , was er auszusprechen hatte . Sie saß in des Vaters Stuhl , den Blick auf das lorbeerumkränzte Kreuz gerichtet , das sie wieder unter dem Rahmen befestigt hatte . » Wenn ich ein Bild von ihm hätte aus der Zeit , da wir Kinder waren , Dezimus ! « sagte sie mit dem weichsten Klang , in dem er sie jemals hatte reden hören . » Nun sehe ich über dem Gekreuzigten immer nur sein liebes Haupt so , wie ich es im Sarge gesehen habe , und Tag und Nacht höre ich eine Stimme klagen : Mein Kind , mein Kind , warum hast du mir das getan ? « Dezimus setzte sich an ihre Seite und ergriff ihre Hand . » Rose , « fragte er nach einer Pause , » hat der Vater um deine - deine Liebe gewußt ? « Sie neigte schweigend den Kopf . » Und im Glauben an die - Zukunft sie - anfänglich wenigstens - gebilligt ? « » Nein ! « antwortete sie mit fester Stimme . » Er hat , weil ich nicht fort von hier wollte , Sidonien und - ihm den Verkehr mit unserem Hause und noch entschiedener mir den mit dem ihren untersagt , ich aber , ich - - « » Ich weiß das , still davon ! « unterbrach sie Dezimus und saß dann , ebenso wie sie , eine lange Weile in Gedanken versunken . Ja , dieses Kind , das die Reue so tief , wie nur der Tod sie aufwühlt , hegte , das so ernsthaft Leid trug , das Kind des Mannes , dessen ganzes Leben auf Versöhnung gerichtet gewesen , es war es wert , dem Leben versöhnt zu werden mit dem höchsten Opfer , welches der Sohn dieses Mannes zu bringen imstande war . » Rose , « hob er von neuem an , » ein mal , ein einziges Mal laß mich einen Blick bis in den Grund deines Herzens tun , und was er mir enthüllt , soll dann zwischen uns unberührt bleiben für das Leben . « » Frage ! « sagte sie mit einem Augenaufschlag so groß und entschlossen , daß auch ein Zweifelmütigerer als Dezimus an der Wahrhaftigkeit ihres Willens nicht gezweifelt haben würde . » Nun denn , « fragte er , » du hast Max geliebt , aber hast du auch an seine Liebe geglaubt ? « » Ja , Dezimus , so fest wie er an die meine . « » Und an seine Treue ? « » Nein . Er hat sie mir niemals versprochen , und ich habe niemals gefordert , was ich wußte , das er nicht halten würde . « » Und hast ihn dennoch geliebt ? « » Dennoch ! « rief sie , und ein Strahl entzückter Erinnerung flog über ihr blasses Gesicht . » Ich liebte ihn schon damals , als ich zu stolz war , es dir und mir selber einzugestehen . Ich hatte ihn geliebt auf den ersten Blick , das heißt seit jenem Winterabend ; denn vor Jahren , da war ich noch ein Kind . Und als ich ihn wiedersah , liebte ich ihn wieder . Und sähe ich ihn von neuem , ich glaube , - nein , ich weiß es , ich liebte ihn von neuem . Dezimus , Dezimus ! « setzte sie mit einem Anflug schwermütiger Schelmerei hinzu , » es ist etwas an dem , was unsere litauische Lene von den Liebestränken der alten Heiden erzählt . Aber - es sind nicht die besten Menschen , die diesem Zauber verfallen , und darum wirst du , Dezimus , ihn nicht einmal begreifen . « Er wußte genug . Er hätte ihr wie vorhin zurufen mögen : Höre auf ! Sie aber fuhr unerschrocken in ihrer Beichte fort : » Ja , Dezimus , sähe ich ihn wieder , ich liebte ihn wieder . Allein ich will ihn nicht wiedersehen , niemals wiedersehen . Ich möchte vor ihm fliehen bis an das Ende der Welt ; ich möchte , daß es auch für uns Klöster gebe . Er hat mich zuviel gekostet . Zuerst dich , Dezimus , und deinen treuen Bruderglauben , und dann meinen Vater . Ach , wie viele Kinder haben denn solch einen Vater ? Und er ist betrogen von mir , vielleicht voll Jammer um mich in den Himmel gegangen ! Dezimus , es ist zu schön , einmal ganz glücklich gewesen zu sein ! Aber alles , was ich von Freuden genossen habe , gäbe ich darum , wenn ich um meinen Vater trauern könnte reinen Herzens wie du . « » Er war ein Friedenbringer auf Erden und hat nicht aufgehört , es zu sein , « sagte Dezimus innig bewegt . » Du wirst in Frieden um ihn trauern lernen , meine Schwester . « » Glaubst du ? « rief sie sichtbar belebt . » Ja vielleicht , wenn ich eine so rechtschaffene Frau würde , wie unsere Mutter es war , und so viel Gutes täte wie sie . Und darum , « setzte sie mit niedergeschlagenen Augen hinzu , » hat Peter mit dir gesprochen , Dezimus ? « » Ja . « » Und was hast du ihm geantwortet ? « » Nein ! « » Nein , Dezimus ? Ihm genügt , was ich ihm zu geben habe . « » Vielleicht ; aber es genügt mir nicht für dich . Auch in der Liebe macht Geben seliger denn Nehmen . Du würdest ihn niemals lieben lernen , und dein Herz hat noch nicht ausgelebt , Rose . « Er stand auf und machte ein paar Gänge durch das Zimmer . Sie blickte betreten bald zu ihm hinüber , bald in ihren Schoß . Vor ihr stehen bleibend fragte er darauf : » Würdest du jetzt noch wie einst gern und zufrieden neben mir leben können , Rose , die