. Höre ! Daß Timm ihm die Bestätigung seiner Ahnung brachte , ihm gleichsam schwarz auf weiß bewies , daß er nicht geträumt habe , jede ausschweifendste Phantasie durch ein schriftliches Document zu einem Factum machte , welches sich vor Gericht beweisen ließ - Oswald bis zum Wahnwitz überreiztes Gehirn sah in dem Allen nichts Außerordentliches . Da waren die Familienpapiere Marie Montberts . Ihr eigentlicher Name war der ihrer deutschen Mutter , Marie Herzog , die , nach Paris verschlagen , dort die Geliebte des Obristen Montbert geworden war . Und Herzog , das wußte Oswald , war der Familienname seiner Mutter . Hier war - durch Timms unermüdliche Thätigkeit und geheimnißvolle Connexionen herbeigeschafft - eine Abschrift aus dem Kirchenbuche über die am 1. December 1823 in der St. Marienkirche stattgehabte Trauung des Herrn d ' Estein , genannt Stein , und der Marie Elisabeth Herzog . Und dann hier die Abschrift eines Taufzeugnisses : Am 22. December 1823 wurde dem Herrn Amadeus Stein und seiner Ehefrau Marie , geborene Herzog , ein Sohn geboren , welcher in der heiligen Taufe , den 23. Januar 1824 , den Namen Oswald empfing . Hier waren die Briefe , die Baron Harald während seines verhängnißvollen Aufenthalts im Frühling 1823 in der Residenz an Marie geschrieben , hier die Briefe , die Marie an den Baron gerichtet ; hier ein Brief Herrn d ' Estein ' s an Marie aus dem Sommer desselben Jahres , worin er ihr schreibt , daß er endlich ihren Aufenthalt in Grenwitz erfahren ; sie bei ihrer Seelen Seligkeit beschwört , ihm zu folgen ; daß er Alles zur Flucht bereit habe . Du siehst , es stimmt Alles auf ' s Haar , sagte Timm , nachdem er mit vielem Scharfsinn alle Fäden der verwickelten Angelegenheit entwirrt und zu einem festen Gewebe vereinigt hatte ; die Identität der Personen kann durch Documente und durch Zeugen zugleich bewiesen werden , und das Zeugniß der Frau Rosalie Pape , die Deine Mutter verkuppelt hat und hernach bei Deiner Geburt und bei Deiner Taufe zugegen gewesen ist , schnellt alle möglichen Pfiffe und Kniffe der Gegenpartei in die Luft . Zwar wird das Weib ein Zeugniß , das es in der That einigermaßen compromittirt , nicht gern hergeben , aber für Geld kann man den Teufel tanzen sehen . Also deßhalb habe ich keine Sorge . Meine einzige Sorge ist , daß Du die Sache nicht mit der nöthigen Energie betreiben wirst . Ich will Dir nur gestehen : Ich fürchtete das bei den einigermaßen verrückten Ansichten , die Du über manche Dinge hast , so daß ich im Anfang ganz und gar zweifelte , ob es sich überhaupt der Mühe verlohne , Dir von meiner Enteckung Mittheilung zu machen , und ich in Folge dessen gegen die Baronin einige Winke fallen ließ , die aber nicht sehr gnädig aufgenommen wurden . Mit einem Worte , sagte Oswald , und er wurde noch blasser , als er es schon war , Du hast die Entdeckung an die Baronin verkaufen wollen und sie hat Dir nicht den Preis bezahlt , den Du fordertest . Sieh ! sieh ! sagte Albert mit aufrichtiger Bewunderung , Du entwickelst da einen Sinn für Geschäfte , den ich Dir gar nicht zugetraut hätte . Nun , nimm an , die Sache sei so , wie Du sagst . Das kann und wird Dich nicht hindern , von Deinem guten Rechte Gebrauch zu machen . Aber , Freundchen , periculum in mora ! Wenn Du nicht bloß der Neffe , sondern der Schwiegersohn Anna-Maria ' s werden willst , mußt Du Dich beeilen . Es ist so gekommen , wie ich Dir schon im Winter sagte , daß es kommen würde . Helene hat sich mit dem Fürsten Waldernberg versprochen ; die öffentliche Verlobung soll in diesen Tagen stattfinden und zwar hier . Anna-Maria ist gestern Abend angekommen und im Hotel Waldernberg bei der alten Fürstin Letbus , der Mutter seiner Durchlaucht , abgestiegen . Nun habe ich , um in dem feindlichen Lager die nöthige Verwirrung zu bereiten , die unsern Angriff unterstützen soll , bereits eine herrliche Mine gegraben , die noch heute platzen muß . Ich bin wie von meinem Leben überzeugt , daß Helene den Fürsten nicht liebt und daß sie noch im letzten Augenblick nein sagen würde , wenn sie wüßte , daß Du ihr Vetter bist und sie das Vermögen , welches sie durch ihre Vetterschaft verliert , aus den Händen des Gemahls zurückerhalten kann . Daß sich die Sache aber so verhält , wird sie nur einem Menschen auf Erden glauben , und dieser Mensch bist Du selbst . Oswald , bedenke , was auf dem Spiel steht . Ein einziger muthiger Schritt - und das Mädchen , das Du - leugne es nicht ! - zum Rasendwerden liebst , ist Dein ! Ein Vermögen , daß Deine kühnsten Wünsche übersteigt , ist Dein ! Du hast mit einem Schlage Alles , wonach Andre Jahre lang vergeblich rennen , wofür sie , wenn sie die Chance hätten , ohne sich lange zu besinnen , ihr Leben einsetzen würden ! Die Ueberraschung bewirkt Wunder . Fahre nach dem Hotel Waldernberg in der Williamsstraße ; laß Dich bei der jungen Baroneß melden ! sag ' ihr , wenn es sein muß , in Gegenwart der Mutter , nicht , daß Du sie heirathen willst , - denn das versteht sich hernach von selbst , - sondern , daß Du jetzt unter den und den Umständen die Entdeckung gemacht hast , und ich will meinen eigenen Kopf fressen , wenn Dir das Mädel nicht um den Hals fällt und ihren Fürsten zum Teufel schickt . Albert hatte sich darauf gefaßt gemacht , diesen abenteuerlichen Plan von dem zaghafteren Oswald zuerst auf das Entschiedenste verworfen und im besten Falle erst nach langer Debatte angenommen zu sehen . Wie freudig war er deshalb überrascht , als jener , der während der ganzen Verhandlung