Familie , Deinem Wirkungskreis - mit einem Wort : Deiner Pflicht entfremdet . Von wem dieser Einfluß ausgeht , weiß ich nicht und verlange ich nicht zu wissen ; ich sehe nur seine traurige Wirkung auf Dich , denn er versetzt Dich in einen innerlich verkehrten und verwirrten Zustand , der Dich elend macht und der nicht nach dem Willen Gottes ist . Wie soll das aber werden , lieber Orest , wenn Du auf einem Wege bleibst , der so entschieden der Bahn zuwiderläuft , welche Gott Dir zugewiesen hat . « » Ich tue nichts Böses , « sagte Orest finster ; » ich habe mir nichts vorzuwerfen , als daß ich mich auswärts besser unterhalte , als hier . Ich bin nicht für das Kartäuserleben geschaffen , nicht für den Ehemann , nicht für den Hausvater , nicht für die Einförmigkeit des ländlichen Aufenthaltes . « » Das hättest Du bedenken sollen , bevor Du dich in diese Lage begabst . Aber ich glaube , wenn Du Dich nur ein wenig gegen den bösen Einfluß stemmen wolltest , von dem Du dich beherrschen läßt , so würdest Du anfangen , weniger unglücklich Dich zu fühlen . Du würdest nach und nach zur Besinnung über Deine Lage kommen , sie würde Dir in einem freundlicheren Licht erscheinen , und was Dir jetzt schwer , ja unerträglich vorkommt , würde Dir leicht und immer leichter werden . Ach , lieber Orest , nur ein wenig guter Wille - und Gott hilft nach ! Nur der Versuch zum Widerstand - und Du überwindest die inneren oder äußeren Feinde ! Und deshalb flehe ich Dich an : gehe nicht nach Paris ! bleibe bei uns ! bleibe hier . « Sie hob die Hände bittend zu ihm auf und schwere Tränen rollten über ihre zarten bleichen Wangen . Als Felicitas die Mutter weinen sah , verzog auch sie , nach weicher Kinder Art , ihr Gesichtchen zum Weinen , schlang beide Arme um Orests Nacken und sagte : » Papa , hier bleiben . « » Jetzt ist Lili auf meiner Seite ! « rief Corona . Orest stellte finster das Kind auf den Boden und sprach : » Ich begreife nicht , weshalb Du mir diese Scene machst . Ich sage Dir ja , daß ich mir nichts vorzuwerfen habe ; ich amüsiere mich nur mit - Freunden . Es gibt nichts Unerträglicheres , als eifersüchtige Launen . « » Gott sieht in mein Herz , « antwortete Corona sanft . » Ich hoffe , er spricht mich frei von unedler Eifersucht und gibt mir das Zeugnis , daß ich keine andere Absicht habe , als Dich zufrieden - und mit Dir selbst , mit Deiner Lage und mit Gott versöhnt zu sehen . « » Und woher weißt Du denn , daß ich es nicht bin ? « » Weil Deine Pflichten Dir eine so unerträgliche Bürde sind , daß Du sie fliehst , lieber Orest , « sagte sie schüchtern . » Ach , sie können uns ja schwer werden und wir dürfen ja ihre Wucht empfinden ; aber wenn Gott sie tragen hilft , so harren wir aus . Versuch ' es , lieber Orest , ach , versuch ' es ! harre aus . Ich bitte nicht für mich ! um mein eitles und selbstsüchtiges Herz mehr und mehr zu verleugnen , fügt Gott es so , daß ich in Deinem Herzen nichts gelte : also bitte ich nicht meinetwegen ! aber ich bitte für Dich selbst und für Deine Kinder . « Sie sank ihm zu Füßen mit strömenden Tränen , aber ohne Leidenschaft , ohne Aufregung . Sie weinte mit seinem Schutzengel , um ihn , nicht um sich . Felicitas brach aber in lautes Weinen aus und schmiegte sich an die knieende Mutter . Orest rief in äußerster Ungeduld : » Auch das noch ! muß man da nicht aus dem Hause getrieben werden ! Weibertränen und Kindergeschrei - das ist einem Menschen zu viel zugemutet , davon werden die Nerven ganz erschüttert . « » O lieber Orest ! « bat Corona immer auf den Knieen , » sage das nicht , verleumde Dich nicht ! nicht Deine Nerven werden erschüttert , sondern Dein Herz . Vergib uns die Tränen ! Du kannst sie ja so leicht stillen . Sprich nur : ich bleibe ! - und wir weinen nicht mehr . « Sie ergriff seine Hand und küßte sie . Da trat er zurück und rief heftig : » Steh auf ! all ' solche Scenen sind mir verhaßt . Ich kann es nun einmal nicht jahraus jahrein hier aushalten ; ich muß im Winter und im Sommer kleine Reisen zu meiner Erholung machen . Du wirst doch nicht verlangen , daß ich hier umkommen soll . « » Ich verlange gar nichts , lieber Orest , ich bitte nur . « » Da ich Dir aber meine Gründe gesagt habe , so mein ' ich , Du solltest Deine Bitten einstellen . « » O vergib mir , daß ich dennoch bitte . Ach , Du sagst , Du müßtest eine Erholungsreise machen ; nun wohlan , reise ! aber reise nach Venedig , oder Wien , oder wohin Du willst - nur nicht nach Paris . « » Nun ist ' s genug ! « brach Orest im heftigsten Zorn aus ; » nun hab ' ich ' s satt ! nun kommt Dein Eigensinn zutage ! Ja , reise ! .... nach Kamtschatka reise ! nach Marokko reise ! .... nur nicht nach Paris . Und warum nicht nach Paris ? .... eben weil ich dahin will ! « » Ganz recht , lieber Orest , eben um Dir einen Anlaß zu geben , Deinen Willen zu verleugnen . « » Du bist sehr gütig , Dich zu meiner Gouvernante machen zu wollen ; allein ich rate Dir , dies Amt bei Lili anzutreten und ihr das Weinen