und es mehr noch Ulrich ' s Edelmuth als dem Ansehen , in dem er stand , so wie seiner Stellung vor der Welt , in der man ihn gern schonen wollte , zu danken hatte , daß die Sache nicht bedrohlicher für ihn war , die es aber jeden Tag noch werden konnte ! Der Novize Konrad hatte sich selbst als Ulrich ' s Mitschuldiger bekannt , obgleich dieser Anfangs versucht hatte ihn als solchen zu verläugnen ; der stille Jüngling wollte um so weniger etwas von dieser Schonung wissen , als er nun in Ulrich einen Leidensgefährten in jeder Beziehung erkannte : einen Ausgestoßenen , gleich sich selbst . Er war zwar nicht zum Tode , aber doch zu enger Kerkerhaft im Kloster verurtheilt , die härter erschien als der Tod . Dazu kam das schreckliche Geschick seiner Mutter Katharina , die er nur noch einmal vor ihrem Tode sehen durfte , mit dem sie ihre Missethat schrecklich zu büßen hatte . Auf Räuber und Mörder erstreckte sich der Gnadenakt nicht mit , und so entgingen weder sie noch Jacobea der gesetzlichen Todesstrafe , nur daß man sie bei Katharina in minder grausamer Weise ausführte . Jetzt war auch Konrad der Strafe überhoben . Aber das war nicht Alles - Elisabeth ließ ihn zu sich entbieten , sie wollte den Sohn nicht verantwortlich machen für die That der Mutter , vielmehr die Schuld des Vaters an ihm sühnen . Von dem Propst und Stephan Tucher hatte sie strenge Verschwiegenheit verlangt über ihre Fahrt gen Augsburg und deren Resultat - ja sie , die man so stolz und hochfahrend schalt , verheimlichte in edler Bescheidenheit , daß es ihr Werk war , daß unzählige Unglückliche schrecklichen Strafen entgingen - womit es ihr ja leicht gewesen zu prunken , sich Ansehen und Dankbarkeit zu verschaffen . Wie gut hätte sie doch mit ihrem Einfluß bei König Max prahlen können und dem huldreichen Empfang , der ihr geworden , wie die andern Nürnbergerinnen demüthigen können und doppelt , wenn sie erkennen ließ , wie sie selbst , da sie in Gefahr war , nur allein auf ihre Unschuld und ihr Recht sich verließ , die königliche Hülfe verschmähend , da sie derselben doch so gewiß hätte sein mögen , wie jetzt , da sie für Andere sie forderte . Aber sie wollte sich keinen eitlen Triumph verschaffen , wo ihre Seele von dem schönsten in ihren heiligsten Tiefen erfüllt war . Ja , sie wollte auch nicht den bösen Leumund von einer Hallerin preisgegeben sehen , was sie mit dem reinsten Hochsinn des Herzens gethan , dem ein edles Wesen folgt , auch wenn es sich sagen muß , daß es sich damit dem Spott oder der Verläumdung aussetze . Am meisten aber wünschte sie aus weiblichem Zartgefühl , daß es Ulrich selbst verborgen bleibe , was sie für ihn gethan : ihr schönster Lohn war es , daß sie ihm Leben und Ehre wiedergegeben , ihr genügte dies Bewußtsein , sie wollte keinen Dank , und sie wollte auch kein Begegnen , das ihren und seinen Ruf auf ' s Neue gefährden könne . Aber freilich : bis jetzt war auch nur das eine Versprechen des Königs in Erfüllung gegangen , daß die Verurtheilten begnadigt und frei und die noch schwebenden Untersuchungen niedergeschlagen waren - aber daß Ulrich für ehrlich erklärt ward und in die Bauhütte wieder aufgenommen , das ging nicht so schnell , das bedurfte erst noch anderer Schritte und Vorbereitungen und konnte ihm nur als Hoffnung verkündet werden . Indeß hatte Elisabeth doch die königliche Schrift in Händen , welche für Ulrich zum Freibrief werden sollte , aber da sie das Dokument in die Hände des Propstes legte , geschah es nur unter der Bedingung : Ulrich weder zu sagen , durch wen er es erhalten , noch wem er diese glückliche Wendung seines traurigen Geschickes verdanke . Da der Propst mit zu den Ersten gehörte , welcher die glückliche Nachricht von der Niederschlagung dieser Untersuchung erhielt , so war es ihm auch leicht die Erlaubniß zu erhalten : Ulrich selbst die Freiheit zu verkündigen . Es drängte ihn um so mehr dazu , als er sich jetzt , nun die Gefahr vorüber , seiner Feigheit und seines Kleinmuthes schämte , womit er selbst Ulrich preisgegeben , und nur sich selbst aus der Schlinge zu ziehen gesucht hatte . Um sein eigenes Gewissen zu beruhigen , redete er auch sich selbst glücklich ein , daß er , da Elisabeth ihn zu Rath gezogen , ehe sie gen Augsburg reiste , doch einigen Antheil an dem glücklichen Resultat habe , das sie mit heimgebracht , und daß er sich wenigstens mit einigen solchen Andeutungen bei Ulrich entschuldigen dürfe . Ulrich war wie ein Träumender - das Leben war ihm wieder geschenkt , und mehr als das : die Ehre , und mehr als beides : die hohe Kunst , der er diente , der er voll heiliger Begeisterung sich ganz geweiht , ein Tempelbauer , der mit reinen Händen die reine Form zu bilden strebte , die das Schöne mit dem Erhabenen vereinend über der betenden Menschheit einen Himmel zu wölben suchte , der es ihr leicht machte , sich zu dem Ueberirdischen emporzuschwingen ; er hatte sich vergebens gelebt und gestrebt bis jetzt - er durfte weiter leben und streben zu dem erhabensten Ziele ! - aber dennoch - von Allem , was er erlebt und gelitten , war in seinen Ohren das Wort , das ihn verdammte , am lebendigsten geblieben : » Ich habe keinen Theil an Dir ! « Die Baubrüder hatten es alle gesprochen - auch Hieronymus ! - Von der Erinnerung daran noch einmal gefoltert , rief Ulrich : » So hatte Keiner Theil an mir - und Niemand nahm ihn - kein einziges Wesen unter Allen , für die ich selbst gern mein Leben eingesetzt hätte , hatte etwas Anderes als Schmach für den Ausgestoßenen ! « Da dachte der Propst