den Zelten vorbei , nach dem Poetensteig . Da traf er gewiß Niemand . Aber - wenn nur die Aber nicht wären , als er an der Konditorei vorüberging , öffnete Herr Josty freundlich die Thür . Er glaubte der Gast wolle zurückkehren . Solchen Glauben darf ein Kavalier nicht täuschen . Einen Schritt war er schon vorbei , es kostete also nur einen zurück , und er stand wieder in dem traulichen , gemüthlichen Lokal . Es war ja auch da einsam geworden . Als Herr Josty die Thür verbindlich schloß , hatte er wieder ein Haupt seiner Lieben in seinen Mauern . Einundvierzigstes Kapitel . Von Möpsen und Wechseln . Aber der Rittmeister wollte ganz einsam sein . Im Vorzimmer saß noch der alte van Asten und schien zu rechnen oder sprach leise mit einer andern in Berlin wohlbekannten Person , dem Herrn Auktions-Kommissarius Manteufel , der sich über den Tisch zu ihm lehnte , um auf die Fragen des Kaufmanns Antwort zu geben . Dem Rittmeister waren heut alle Menschengesichter zuwider , was mehr Rechenmenschen , aus deren Gesichtern Zahlen springen . Zahlen erinnern an Schulden . Hrrr Manteuffel , der ihn eintreten gesehen , obgleich er der Thür den Rücken zuwandte , blinzte den alten Asten an . Der aber machte eine Bewegung mit der Hand , die unter Geschäftsleuten ausdrücken kann : den hab ich sicher , oder : um die Bagatelle kümmere ich mich nicht . Herr Josty hatte noch ein kleines dunkles Hinterstübchen . Vertrautere Freunde fanden hier einen Platz , um einen Sorgenbecher in der Stille zu leeren , den der Konditor seinen anderen Gästen nicht vorsetze ; er war kein Weinschenk . Es war in dem Raume wirklich klein und dunkel wie in einer Tonne , recht zur Selbstbeschauung geschaffen , denn durch die vergitterten Fensterspalten drang nur bei Mittag ein Dämmerschein , der sich von den hohen Hintergebäuden in den feuchten Winkel , der Hof hieß , hinabließ . Das eigentliche Licht kam von einer dünnen Sparlampe in einer Mauerblende , um den Tisch , die Bank , die Wandspinden spärlich anzuleuchten . Ein Ort , geschaffen , um das innere Licht leuchten zu lassen . » Einen Rothspohn , Herr Josty ! « rief der Rittmeister , als er sich zwischen Bank und Tisch geklemmt . » Pontac oder Medoc ? « Auch darüber noch nachdenken ! Was hatte nicht der Rittmeister zu denken ! » I nu Medoc , « sagte er nach einer Weile , den Kopf in der Hand und den Ellenbogen auf dem Tische . » Ist auch gesunder für ' s Blut , klärt mehr die Gedanken auf . Die Engländer nennen ihn darum Claret , « sagte Herr Josty , als er den langen Pfropfen aus der Flasche gezogen . Als der Wirth die kleine Thür leise hinter sich zugedrückt , störte nichts die drei - nenn ' ich sie Geschöpfe , Wesen , Mächte - die hier zurückgeblieben zu stillem Verkehr : den Rittmeister , die Lampe und den Medoc . Es war mehr als still , ich würde sagen bewegungslos , wenn nicht der Schatten an der Wand jedesmal unruhig geworden , sobald der Rittmeister das Glas aus der Flasche wieder vollschenkte . Ob er Gedanken schöpfte , ob er sie verschluckte ? Der Medoc musste das Blut nicht gereinigt haben , denn er ward nicht froh . Der Schatten an der Wand spiegelte drei Positionen , in denen er Minuten lang verharrte : den Kopf in der Hand , das Kinn in beiden Händen , und dann den Leib ganz zurückgelehnt , mit gesunkenen Armen , oder , wenn ein Entschluß zu kommen schien , sie plötzlich auf der Brust verschränkend . Aber die Flasche war schon zu drei Vierteln ausgeleert und der Entschluß noch nicht gekommen . Ein Entschluß kostet Jedem etwas , wer aber weiß , wie der beste gefasste zum übeln ausschlagen kann , und wer nur die Erfahrung des Rittmeisters gewusst , der würde ihn um seine Unentschlossenheit nicht getadelt haben . Hatte er sich nicht zu einem kühnen Schritt entschlossen , um endlich aus Liebeszweifel und Ueberdruß frei zu werden ? Es war kein geringes für Jemand , der von zwei unsichtbaren Schutzengeln hin und her gezogen wird , und in sich keinen Oberen findet . Wenn diese ihm zuraunten : sie hat dich eigentlich nie geliebt , sie hat nur gespielt mit dir ; nun auch dieses Spielens überdrüssig , lässt sie es nur zu ihrem Amüsement , dich zu foppen , vor Andern durch ihr Kammermädchen fortsetzen , so sprach eine innere Stimme : das erste hast du ja selbst immer geglaubt . Aber dann , wenn jene ihn auf die vielen Beweise von Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit hingewiesen ! Stand die Moosrose nicht noch immer zwischen den Balsaminen , trug sie nicht noch immer das Halstuch von der Farbe , die sie angelegt , als sie sein Lob vernommen ? Möglich war es ja , daß sie anfänglich nur ihn necken , ihre Empfindlichkeit für das an ihm kühlen wollen , was er sich selbst jetzt vorwarf ; möglich , daß auch Andere da mitgearbeitet hatten . Aber - das konnte sich geändert , sie so gut gesehen haben , als er es sah , daß er sich auch geändert , dies konnte ganz andere Empfindungen in ihr geweckt haben . Er hatte ja auch Augen , und was er gesehen , ließ er sich nicht abstreiten . Diese Verwandlung ihres Sinnes konnte nun Denen nicht mehr zu Sinn sein , die anfänglich mitgespielt . Sie waren es , die jetzt die Contreminen legten , die ihn wieder ihr entfremdeten , ihn von ihr trennen wollten . Daher diese Briefe in ganz verändertem Tone , diese Mahnungen , Drohungen sogar , abzulassen von Verfolgungen , die eine edle Frau tief kränken müssten . Der Rittmeister Stier von Dohleneck hatte das Schwert gezogen um den Knoten zu durchhauen , er wollte Licht haben -