sie hätte nicht länger warten wollen , ihm zu danken , es hätte sonst glauben können , es sei ihr nichts daran gelegen , und doch könne sie nicht sagen , wie schrecklich es sie gefreut , daß es so an sie gedacht , sie hätte einen ganzen Tag das Wasser in den Augen gehabt . » Weiß nichts , « sagte Vreneli , » was meinst ? « » Vexiere nicht , « sagte die Frau , » du oder der Bauer , wird ja auf eins heraus , kommen , haben uns ja Bescheid machen lassen , es sei hier eine Behausung leer . Wenn wir keine hätten oder noch nicht zugesagt , so sollten wir kommen ; sie sei gut , wohlfeil und das ganze Jahr Arbeit . Ich kann dir nicht sagen , wie das mich freute , daß du an mich dachtest und daß ich in Zukunft doch auch jemanden haben soll , dem ich klagen darf , was mich drückt , und Rat holen , wenn ich nicht mehr weiß wo ein und aus . « » Daran bin ich wahrhaftig unschuldig , « sagte Vreneli , » weiß kein Wort davon . « » Verschäm dich dessen nicht , « sagte die Frau , » sonst dauert es mich . Für einen Narren gehalten wird mich doch niemand haben , « setzte sie erschrocken hinzu , » das wäre doch schlecht , mein Gott ! « » Habe nicht Kummer , « sagte Vreneli , » und wäre es so , so läßt sich aus Spaß Ernst machen . Aber mir fällt ein , was es sein könnte . Ich erzählte einmal unserm Bauer von dir , wie du mich erbarmet , wie ich gedacht , wenn es zu machen wäre , so möchte ich dich in die Nähe ; dein Mann sei gut zur Arbeit , und eine vertraute Person käme mir in hundert Fällen so kommod . Jetzt ist ein Häuschen , welches der Bauer zu vermieten hat , leer ; was gilts , er hat dran gedacht , was ich ihm gesagt , und er ists , der dir Bescheid gemacht hat . « » Ists noch ein Junger ? « fragte die Frau . » Fragst wegen mir oder fragst wegen dir ? « frug Vreneli mit einer Miene , von welcher man nicht recht wußte , ob Zorn oder Spott in ihr stach . Die Frau erschrak und wußte nicht , was sie sagen sollte . » Sieh , « sagte Vreneli , » das macht mich am bösten , daß wenn ein Mensch tut , was recht ist , Andern zulieb zu leben sucht , so sucht man gleich was Schlechtes dahinter , und fast ohne daß man es weiß . Es ist ein alter Mann , ein Bölimann , ein Kindlifresser von außen , hat aber ein gutes Herz , und wenn er mal weiß , daß man treu ist und es gut mit ihm meint , so tut er einem zu Gefallen , was er kann und mag . Er ist darin ganz das Gegenteil vom frühern Bauer . Doch das kannst am besten selbst erfahren . Er ist da , dort drüben im Stock , gehe hin und machs mit ihm ab . « Vreneli zeigte der Frau den Weg zum Bauer , » unterdessen mache ich dein Kind trocken und lege es ins Bett . « Die Frau wollte nicht gerne gehen , meinte dies , meinte das , aber Mutter Vreneli konnte auch befehlen , besonders wenn wunde Flecken berührt worden waren . Es ging nicht lange , so kam die Frau wieder daher mit gröblich langen Schritten , platzte fast zur Türe herein und schrie : » Wenn ich geschwollen werde am ganzen Leibe , so bist du schuld ; mein Lebtag hab ich noch kein Ungeheuer gesehen als heute , es zittern mir alle Glieder . « Hagelhans war wahrscheinlich im Négligé gewesen , hatte langen Bart gehabt und die Stimme tief unten herauf genommen , als er den kurzen Bescheid gegeben , sie solle die Sache mit Vreneli machen , wie es sie mache , sei es ihm recht , daneben machen daß sie fortkomme , sie sei eine Stürme . Das habe ihr doch noch niemand gesagt , und das habe er in einem Ton gesagt , daß es gerade gemacht , als ob es donnere . Es sei ihr gewesen , als zittere der Boden unter ihren Füßen , sie hätte gemacht daß sie fortkomme , und ihr sei immer gewesen , als sei hinter ihr eine Hand , fasse sie am Hals und wolle ihn umdrehen . » Und was dünkte dich , « frug Vreneli boshaft , » ists ein Junger oder ein Alter ? « » Verzeih mir Gott meine Sünde , « sagte die Frau . » Ich bin eine arme Sünderin , aber die schlechteste doch nicht , aber wenn ich den sehe , wäre es mir immer , der Leibhaftige wäre da und wolle mich nehmen . « Vreneli hatte Mühe , die gute Frau zu beruhigen und sie zu bewegen , das Anerbieten anzunehmen . Wer weiß , wenn ihr die Behausung nicht so anständig gewesen , die Bedingungen nicht so eingeleuchtet hätten und Vreneli nicht so lieb , ob sie sich hätte bewegen lassen , so hatte der Alte ihr das Herz wackeln gemacht . Sie freute sich endlich doch der Sache , ging reich beschenkt weg . Aber sobald sie Vreneli nicht mehr sah , kam ihr die Angst wieder , sie lief , als ob der Leibhaftige ihr auf der Ferse sei . Vreneli war äußerst dankbar für des Vetters zuvorkommende Güte . Einer vertrauten Person bedurfte es . Eine solche Person bildet die Brücke , welche die Meisterfrau mit der ihr untergeordneten oder sie umgebenden Welt verbindet , so wie der König mit sämtlichem Gesindel in Zusammenhang steht durch seinen Justiz-und Polizeiminister . Nun kömmt es