Gedanke an Alles , Alles , was sie ihm bisher gewesen , so lange und gewaltsam zurückgehalten , stürmte da mit ganzer vernichtender Kraft auf ihn ein . - » Hedwig - Hedwig ! « stöhnte er und barg das bleiche , starre Antlitz verzweifelnd in den Händen . Da vernahm er auf der Treppe leichte Schritte , - sie war es selbst , und kräftig zwang er den Schmerz hinein in sein altes Bett . - Die Züge nahmen wieder ihren starren Ernst an , nur die Augen lagen noch hohl und glanzlos in ihren Höhlen , und seine Wangen waren bleich und gefurcht . » Georg ! « rief die junge schöne Frau , als sie in die Thür trat und freudig erstaunt den fern geglaubten Gatten erkannte - » Georg - Gott sei gedankt , daß Du wieder bei mir bist . Ach , Georg , ich kann Dir gar nicht sagen , wie beengt mir das Herz war , als Du heute von mir gingst . « » Närrisches Kind , « sagte der Squire , und ein mattes Lächeln zuckte um seine Lippen , » mußt Dir nicht unnöthige Sorge um mich machen ; es giebt Leid genug in der Welt - wir sollten es nicht bei den Haaren herbeiziehen . « » Thu ' ich denn das ? « flüsterte Hedwig bittend - » sieh nur einmal , Georg , sieh nur , wie bleich und angegriffen Du aussiehst - habe ich da nicht Ursache , besorgt zu sein ? « Sie zog ihn mit leiser Hand vor den breiten Spiegel , der zwischen den beiden Fenstern befestigt war , und Dayton ' s Blick fiel auf das Glas ; rasch aber wandte er sich ab - sein eigenes Antlitz neben dem ihren - der Gegensatz war zu fürchterlich . Da wurden rasche Hufschläge auf der Straße gehört . - Mrs. Dayton wandte sich unwillkürlich dorthin , und Beide riefen im gleichen Moment , gleich überrascht aus : » Adele ! « Und wohl hatten sie Ursache , erstaunt sein , denn auf schnaubendem Rappen , das Köpfchen gegen den scharfen Luftzug niedergebogen , das Sonnenbonnet mit der Linken haltend , indeß sie mit der Rechten die Zügel des feurigen Thieres regierte , flog Adele in sausendem Galopp vorbei , und kaum war der Ruf ihren Lippen entflohen , so verschwand auch schon die wilde Reiterin um die nächste , dem obern Theil des Flußufers zuführende Ecke . » Nun seh ' Einer das tolle Mädchen an , « sagte endlich Mrs. Dayton , während der Squire im ersten Augenblick einen raschen , fast unwillkürlichen Schritt nach der Thür gethan hatte , als ob er sie zurückhalten wollte , jetzt aber wieder langsam zum Fenster trat - » kein Pferd ist ihr zu wild und unbändig , sie muß es besteigen ; was sie nur wieder vorhaben mag ? Sie wird es so lange treiben , bis sie einmal wirklich Schaden nimmt . « Der Richter stützte die Hand auf das Fensterbrett und blickte sinnend der Richtung nach , welche die Reiterin genommen . - Was wollte Adele dort ? Weshalb trieb sie ihr Pferd zu so wilder , entsetzlicher Eile an ? War etwas vorgefallen , was ihn selbst bedrohte ? » Dayton ! « rief seine Frau , die sich jetzt gegen ihn umwandte - » Du siehst todtenbleich aus , fehlt Dir etwas ? « » Mir ? « sagte der Squire und bog sich mit einem krankhaft gezwungenen Lächeln zu ihr nieder , » mir ? Was soll mir fehlen , Du wunderliches Kind ? Nur den Kopf hab ' ich voll von all ' dem Lärm und Treiben dieser guten Stadt . - Mir wird dieses wilde , ruhelose Leben nachgerade verhaßt . « » Ach , Georg ! « flüsterte die junge Frau und schmiegte sich leise an den Gatten an , » wie oft ist es - lange , lange Nächte hindurch , die Du fern von mir weilen mußtest - mein heißer , inniger Wunsch gewesen , daß Du dieses Leben wirklich verlassen möchtest . Sieh , Du bist hier geachtet und geehrt , bist der Erste in dieser Stadt , und ich kann begreifen , daß der Ehrgeiz einen Theil an dem Herzen des Mannes haben muß , wie es dem des Weibes fremd sein sollte ; aber Deine Gesundheit leidet , Deine Kräfte reiben sich auf ; Aerger und mühevolle Arbeiten und Pflichten rauben Dir jede Ruhe , halten Nächte lang den Schlaf von Deinen Augen . Ach , wenn Du Dich losreißen könntest von all ' diesem Schaffen und Treiben , wenn Dir das Herz Deines Weibes genügte , das nur durch Dich , nur in Dir seine ganze Seligkeit findet - « Sie barg das Haupt an seiner Brust , und viele Secunden lang hielt er sie fest , fest umschlungen ; aber ein anderes , wunderbares Gefühl überkam ihn . - Seine Züge verloren das Finstere und Starre - seine Blicke hafteten sinnend mit einem neuen belebenden Glanz auf dem liebend an ihn geschmiegten Haupt seines Weibes , seine Hand zitterte , die ihre schlanke Gestalt umschloß , unterstützte , und bunte , freudige Bilder waren es , die plötzlich an seiner innern Seele vorüberglitten . Dort in weiter Ferne , auf einsam gelegener , meerumtoster Insel , unter Palmen und Blüthenhainen erstand eine Hütte - milde Lüfte fächelten seine Wangen , an seiner Seite ruhte sein treues Weib , und der Ocean wälzte sich zwischen ihm und seinen Verbrechen ; die mächtige Fluth wusch und tilgte an der Vergangenheit - und die Gegenwart ? - Ein Eden erstand ihm in jedem neuen sonnigen Tag . Noch war es Zeit - noch war der letzte entscheidende Schritt nicht geschehen - noch hatte ihn das Verderben nicht ganz in die ehernen Arme geschlossen . Er bog sich nieder zu ihr - seine Lippen preßten sich fest und innig an ihre reine Stirn