bewegst Dich schon allein , - und dann winkst Du schon mit den Rosenlippen , und dann sprechen die Knospen , und dann bieten sie sich dem Sonnenlicht , und dann sind fünf bis sechs Rosen , die duften und strömen ihre Geheimnisse in die Luft , und dieser Duft umwallt mich und ich bin glücklich . - Wer hat sie mir wohl ins Zimmer gestellt ? - Heut morgen kamen die Studenten herauf , und gleich war aller Blick auf den Rosenstock am Fenster gerichtet , - denn es ist was seltnes um diese harte Winterzeit hier in Marburg , denn ich glaube wohl nicht , daß Treibhäuser hier sind . Der Ephraim war nicht da heute , wo sein Tag ist , - den er sonst nicht versäumt , und als ich abends auf den Turm wollt , da kam sein Enkel mir zu sagen , daß er unwohl ist , - ich sag , was fehlt ihm ? - Nur matt ist er , sagte der Enkel , sonst ist er ganz wohl , ich sag , sieh den schönen Rosenstock , er sagt , ich kenne ihn wohl , der Großvater hat ihn heute morgen durch mich geschickt , und weil es noch früh war , so hab ich ihn vor die Tür gesetzt , - ich frag : » Habt Ihr ihn denn selbst gepflegt ? « - » Ja , der Großvater hat ihn schon zum zweitenmal zur Blüte gebracht . « - Es ist schön , daß der Rosenstock mein ist , wär doch der Ephraim wieder gesund , denn Du hast mir ja geschrieben , ich soll mit ihm von Dir sprechen , das letztemal konnt ich nicht , weil ich zu bang war ; - vielleicht aber ist ' s , daß er meint , ich wär zum Lernen nicht aufgelegt , warum er sich ' s verbietet , zu kommen , ich hab ihn aber bitten lassen , zu kommen , wenn er besser ist , ich hab ihm auch alten Madeira geschickt , er wird schon besser werden ; es war sehr schön heut auf dem Turm , es ist Frühlingsluft , und die Abende sind heiter und rein , ich geh früher jetzt , schon immer , wenn die Sonne untergegangen ist , eh ich nach Haus geh , ist doch schon sternige Nacht , nun werd ich den Turm bald verlassen , die Lulu schreibt , am siebzehnten wird sie kommen , Du hast ' s gesagt , ich soll mit ihr gehen , und ich wollt ihr ' s auch nicht abschlagen , - es war schön hier und vielbedeutend , und was soll ich mich fragen , was in mir geworden ist ? Mein Geist ist voll geheimer Anregung , das ist genug , die Natur hab ich nicht beleidigt und meine innere Stimme auch nicht verleugnet . Was den Geist verleugnet , das versiegt eine Geistesquelle , - Buße ist ein Wiedersuchen , Wiederfinden dieser Quelle , denn echter Geist strömt Geist , - Großmut verzeiht alles , aber duldet nicht , was gegen den Geist ist . Großmut ist Stammwurzel des Geistes , durch die der Geist einen Leib annimmt , Handlung wird . Was nicht aus ihr hervorgeht , ist nicht Tugend . Großmut dehnt sich willenlos aus über alles , wo sie sich konzentriert , da ist sie Liebe . In der Liebe brennt Deine Seele in der Flamme der Großmut , sonst ist ' s keine Liebe . - Nur in der Großmut hat alles Wirklichkeit , weil in ihr allein der Geist lebt , - so also nur kann die Liebe selig machen . - Jede Liebe ist Trieb , sich selbst zu verklären . Wenn nicht dem Liebenden die Gottheit , die Weisheit das Haupt salbet und die königliche Binde umlegt , da ist ' s nicht die wahre Liebe . Ein Liebender ist Fürst , die Geister sind ihm untertan , wo er geht und steht , begleiten sie ihn , sie sind seine Boten und tragen seinen Geist auf den Geliebten über . - Das war meine gestrige Sternenlektion , seit die Rosen in meinem Zimmer blühen , sprechen sie als mit mir von Liebe . Heut morgen hab ich den Rosenstock wieder ans Fenster gestellt , eh die Studenten kamen , und hab hinter dem Vorhang gelauscht , ob sie wieder heraufgucken , sie haben sich bemüht , die Rosen zu zählen , einer zählte siebzehn , der andere fünfzehn , soviel sind grade zu sehen , die andern sind noch zu klein , - könnt ich jedem eine hinunterwerfen , sie an seine Mütze zu stecken . Heut war der Ephraim bei mir , er wußte , daß ich die andre Woche geh , wir sprachen von meinem Wiederkommen , denn ich bleib nur drei Wochen mit der Lulu aus . - Wir sprachen von Dir , er sagte soviel Gutes von Dir , er las auch meine letzten Blätter an Dich , er sagte , man müsse nicht fürchten , daß was man liebe , einem verloren gehn könne , weil er wohl erkannte , etwas in Deinem Brief mache mir bang um Dich ; er sagte , Du seist einzig in Deiner Art , Du habest eine große Bahn , und wer nicht andre Wege gehe als die schon gebahnten und angewiesnen , der sei nicht Dichter . Es sind nicht tausend Dichter , es ist nur einer , die andern klingen ihm nur nach ; - klingen mit . - Wenn eine Stimme erschallt , so weckt sie Stimmen . Dichter ist nur , der über allen steht . Der Dichtergeist geht durch viele , und dann konzentriert er sich in einem . - Oft wird er nicht erkannt und doch steht er höher als alle . - - Wer nicht andre Wege geht , als die schon gebahnten und angewiesenen , der ist nicht Dichter . Und wenn nicht auf