so zartfühlende Männer würden sich dieser Beschränkung ihres Schutzes unter andern Umständen unbedenklich gefügt haben , wären nicht Beide von der Unmöglichkeit überzeugt gewesen , Membrocke könne je eine andere , als schlechte Absicht mit Frauen haben , und hätten nicht Beide mit Zuversicht geglaubt , er habe durch die schlauesten Lügen dies klare , nur zu offene Gemüth bethört , ihm zu folgen . Sie vermutheten , daß die Schwierigkeiten , die sich der Familie Nottingham entgegen gestellt hatten , ihr Auskunft über ihre Verwandten zu verschaffen , benutzt worden wären , um ihrem Vertrauen eine andere Richtung zu geben , und aufs Neue stieg ihre Sorge , wohin sie wohl geführt sein möchte . Die Entdeckung ihrer Flucht hatte dabei die Mutter Richmonds und die alte Herzogin so erschüttert , daß die Beiden von Besorgniß erfüllt waren , so ohne alle Milderung dieses schmerzlichen Gefühles , ja , fast mit erhöhten Sorgen für die junge Lady , zurückkehren zu müssen . Doch schon fanden Beide die Umstände verändert . Die jüngere Herzogin lehnte alle Erklärungen durch die Kälte ab , mit der sie augenblicklich die Sache abzuschließen trachtete . Keine Spur war mehr übrig von der heftigen Unruhe , die bei der ersten Nachricht sie fast ihrer stolzen Haltung beraubt hatte . Wir sind uns das Zeugniß schuldig , die Pflichten der Menschenliebe und der Gastfreundschaft an dieser jungen Person vollkommen erfüllt zu haben , erwiederte sie dem lebhaften Vortrage ihres Sohnes , glauben uns aber jetzt für uns selbst und unsere Umgebungen ihrer vollkommen entledigt durch das Stillschweigen und unerhörte Dunkel , worein sie sich zu hüllen für gut befunden hat . Ich , die ich dieser jungen Person eine mütterliche Güte erzeigte , ich fühle , daß ich die Einzige bin , die sich von dieser Handlung gekränkt ansehen kann . Ich gebe aber dies Gefühl und das damit verbundene Recht meines fernern Schutzes hiermit auf , da ich einsehe , daß ich überhaupt nur dies zartere Recht besaß , sie von der eigenen Lenkung ihres Schicksals abzuhalten . Ich danke Ihnen daher , Mylord Ormond , und Dir , mein Sohn , für die Bereitwilligkeit , die Wünsche meiner ersten Ueberraschung zu erfüllen ; ich erkläre die ganze Sache damit beendigt und werde , wenn es mir späterhin zulässig erscheint , aus eigenem Gutdünken darüber bestimmen , ob noch das Eine oder das Andere in dieser störenden Episode unseres würdigen Familienlebens zu thun sei , und im Fall ich dabei der Hülfe bedürfte , die Eure jeder andern vorziehn . Du wirst gewiß Deiner Großmutter selbst Deinen Bericht machen wollen . Meine Abreise nach Godwie-Castle ist auf morgen festgesetzt , und ich freue mich Deiner Begleitung , mein Sohn ! In Wahrheit , wir alle haben wichtigere Pflichten und Sorgen , als die Thorheiten einer Fremden zu beleuchten oder uns zu Herzen zu nehmen . - So entfernte sich die Lady , jede Gegenrede abschneidend , und so fanden die Lords auch die alte Herzogin , deren vorherrschende Güte zwar eine so stolze Härte nicht zuließ , aber doch von sich selbst fast jedes Interesse ablehnte und mit einem leisen Anhauch von Empfindlichkeit Alles an ihre Schwiegertochter verwies . Beide Lords trennten sich mit der Ueberzeugung , es sei während ihrer Abwesenheit zu unangenehmen Erörterungen zwischen den beiden Damen gekommen , wobei jedoch Richmond unbekannt blieb , wie er selbst durch die Aeußerungen seiner Theilnahme dieser mißtrauischen Frau eine bedeutende Veranlassung geworden , gegen Lady Melville kälter zu werden , und wie daraus eine Abweisung der Vorschläge ihrer Schwiegermutter entstand , welche diese engelgute Frau selbst nicht ohne einige Empfindlichkeit vernehmen konnte . Was jedoch die Gefühle anbetrifft , die Richmond in Anspruch nahmen , so fühlte er auf der Stelle den Vorwurf der Mutter , und wie frei er sich auch davon wußte , ihn verdient zu haben , gelobte er sich doch fest , daß kein anderes Interesse , als das seines ehrwürdigen Großvaters , dessen schwierige Lage er besser noch , als seine Mutter kannte , ihn vorherrschend beschäftigen solle , bis jene Angelegenheiten eine erwünschtere Wendung genommen haben würden . Dann , sprach er zu sich selbst , und eine tiefe Röthe drängte sich hervor , dann sei mir Gott gnädig ! - Wir finden bald nachher die herzogliche Familie in Godwie-Castle versammelt . Die alte Herzogin hatte Burtonhall verlassen , um sich zu ihrer Schwiegertochter zu begeben , welche bald nach dem letztgemeldeten Ereigniß nach Godwie-Castle zurückgekehrt war . Die Jahreszeit war zu weit vorgerückt , um andere Versammlungsörter zu bieten , als die , welche die gesellige Flamme von den behauenen Fichtenstämmen , in den weiten Räumen der hohen Kamine durch alle Gemächer heimliche Wärme verbreitend , darbot . Der Nordwind erreichte das Schloß durch die unbelaubten Wälder , die Sonne blieb verhüllt oder blickte nur matt durch dichte Nebelschleier , Licht und Wärme waren von außen her nicht mehr zu erwarten , und die einsamen Bewohner kehrten mechanisch in die alten Gewohnheiten der winterlichen Zeit zurück . Es war kaum anzunehmen , daß die Anordnung der Zeit und die Obwaltung des Hauses von denen ausgehe , die ihr Rang dazu berief , viel eher schien es , jene fügten sich in das , was von der Dienerschaft in jahrelanger Gewohnheit und schweigsamen Gehorsam nach dem einmal gekannten Willen ihrer Herrschaften auch jetzt wieder sorgsam ohne Frage eingerichtet war . Man verließ die eigenen Gemächer und verfügte sich in die Versammlungszimmer , wenn die aufwartenden Diener die Stunden dazu meldeten ; man trennte sich , wenn die Zeit zu diesem Beisammensein durch den Aufhub der Tafel oder des Frühstücks angezeigt war , und der Zwang , der über Allen waltete , schob die streng gehaltenen Stunden selten hinaus . Es war die Zeit einer bangen Erwartung , die Alle zur Unthätigkeit verdammte , während Sorge , beleidigter Stolz und die Bürde eines großen , erlittenen Unrechts im Geheim die Leidenschaften Aller steigerte , und weder ein Abschließen mit dem