gleichmütige Erdulden aussprach , erwiderte sie : » Ich habe mir vorgenommen , nicht danach hinzuhören , und so gelingt es mir auch . Man sagt , daß die Bewohner einer Mühle sich an deren Klappern gewöhnen können , daß sie sogar aus dem Schlummer erwachen , wenn die lärmenden Räder gehemmt werden , und die hiesigen Töne sind doch noch nicht so laut und schlimm , als Mühlengeräusch . « Trat sie aus ihren Zimmern , so verwandelte sich vor ihrer Erscheinung alles , was der Verwandlung fähig war . Die jungen Leute ließen von den Albernheiten ab , nahten ihr bescheiden und waren auf eine Zeitlang anständig und gesittet . Die Diener und Mägde , welche sich in dieser aufgelösten Wirtschaft ein gemeines lautes Wesen angenommen hatten , gingen , still , mit niedergeschlagnen Augen , ihre Wege , und widersprachen , wie sie sonst pflegten , den erteilten Befehlen nicht ; Flämmchen endlich trocknete Tränen , welche ein ihr ewig Versagtes beweinten . Zum zweiten Male in kurzer Zeit erblickte Hermann die Wirkungen der Weiblichkeit über eine rohe Welt . Wie Cornelie dort über die Hirten , so herrschte hier Johanna über die Barbaren , welche die Verfeinerung unsrer Zeiten wieder erzeugt hat . Auch sie wußte , wie Cornelie , nichts von ihrer Macht . Sie ordnete selbst kleine gemeinschaftliche Vergnügungen an , nahm an Spazierfahrten und Wasserpartien teil , und schien sich einfach und natürlich zu dieser Gesellschaft zu rechnen , von welcher sie ein unermeßlicher Abstand trennte . Das ist die heilige Gewalt der Frauen , welche sie zu Priesterinnen , Heerführerinnen und Königinnen kraftvoll aufstrebender Völker macht , und der sich zu keiner Zeit jemand ohne seinen Schaden entzieht . Vierzehntes Kapitel Flöten , Geigen und Bässe ertönten im Ballsaale , welchen Flämmchen so hell hatte beleuchten lassen , daß der Glanz den Augen fast empfindlich ward . Eine zahlreiche Gesellschaft war versammelt , deren Kommen die Vorhersagung des wilden Kindes bestätigte . Man war nur stark genug gewesen , früheren geschriebnen Einladungen zu widerstehn , sobald die mutwillige Festgeberin sich in Person zeigte , und einige schmeichelnde Worte verwendete , schwanden die Bedenken ; alle Väter und Mütter sagten sich und ihre Töchter zu , vielleicht zum Teil auch aus Neugier , die berühmte unglückliche Frau kennenzulernen , deren Anwesenheit auf dem Landhause schnell in der Nachbarschaft kund geworden war . Johanna hatte von Hermann ausdrücklich verlangt , daß er am Feste teilnehmen solle . Auch sie erschien , geschmückt und strahlend , und versagte sich den ruhigeren Tänzen nicht . Als Hermann sie in der Polonaise führte , flüsterte sie ihm zu : » Alles in diesem Landhause ist zu ertragen , nur die empfindsame Zudringlichkeit des Kurators nicht . Er hat mich mit seinen Anträgen , mir helfen und beistehn zu wollen , diese Tage her sehr gepeinigt , wenn er mir nur heute fernbleibt ! « Wirklich hatte Hermann bemerkt , daß der Kurator Johannen , sobald sie sich öffentlich zeigte , nicht aus den Augen ließ , und allen ihren Schritten folgte . Flämmchen schien bei ihm außer Gunst gekommen zu sein . Auch an diesem Abende zeigte sich die Beeifrung des Verehrers . Er nahm während einer Pause des Tanzes Hermann beiseite und sagte : » Welche Erscheinung ! Wie wert , daß man sich der Frau annehme ! O Freund , lassen Sie uns für die Herrliche sorgen , stehen wir nicht ab , bis wir sie vermögen , in ihre Verhältnisse zurückzukehren ! Ganz gewiß beruht Medons Schicksal auf einem Irrtume , bald wird er seine Freiheit wiedererlangen , welche Schmach dann für die Gattin , den Gatten zur Zeit der Not verlassen zu haben ! Nein , helfen Sie mir , eine gestörte Ehe herzustellen , leiten wir die verirrte Frau in die Arme des Mannes zurück ! « » Ich dächte , man überließe den Personen , gegen welche man Verehrung fühlt , selbst ihr Los zu bestimmen « , sagte Hermann mit Empfindlichkeit . Der Gedanke , Johannen und Medon wieder beisammen zu wissen , den der Kurator in ihm angeregt hatte , war ihm äußerst unangenehm . Dieser machte sich an Johannen , und es verdroß Hermann , daß sie ihm freundlicher , als er es wünschte , und wollte , zu begegnen schien . Er trank mehr Wein , als er sonst pflegte , und suchte seine Aufregung in raschen Walzern mit muntern , schönen Mädchen zu vergessen . Mitternacht war vorüber . Er setzte sich in ein Nebenzimmer und sah in die Nacht hinaus . Das ganze Gefühl seiner ersten Jugend , welches er immer gegen das Ende von Bällen gehabt , kam über ihn . Wie die Töne des Tanzes gegen die große stille Nacht draußen in buntem Gewimmel ankämpften , und doch ihren Tod schon in sich trugen , so erschien ihm das ganze Dasein im kurzen schönen Kriege gegen das Unendliche , Farben- und Formlose befangen . Johanna hatte sich zurückgezogen . Er machte sich Vorwürfe , auch nur in Gedanken ihr gezürnt zu haben . Morgen mußte der Bote vom Schlosse des Herzogs zurückkehren , wie nahe stand die traurige Trennung bevor ! Sehnsucht und tiefe unbezwingliche Liebe trieben ihn zur Türe ihres Zimmers . » Kann ich Sie noch sprechen , Johanna ? « flüsterte er . Sie öffnete und sagte : » Welch ein später Besuch ! Was führt Sie zu mir ? « » Schmerz , Wehmut , Johanna . Wir gehen morgen auseinander , und wann sehn wir uns wieder ? Tief verbergen Sie Ihre Leiden , und gönnen dem Freunde nicht den Trost , sie mit Ihnen teilen zu dürfen . « Sie reichte ihm die Hand und sagte : » Keiner soll mir helfen , wenn ich der Hülfe bedarf , als Sie . In aller Not und Trauer will ich ewig nach Ihnen schauen . Wir sind verbunden ; was kann uns scheiden ? Rollt die Liebe auf