und die Befriedigung dieser Sehnsucht lag schon im Samenkorn vorbereitet ; also ist wohl Sehnsucht die sicherste Gewährleistung . Wer sich nach ewiger Schönheit sehnt , der wird sie haben und genießen . Alles , was ich hier sage , schriebst Du mir ins Herz ; wenn ich ' s noch nicht mit rechter Freiheit ausspreche ? - Weil ich ' s nicht ganz zu fassen vermag . Gestern abend , da streifte Dein Aug über die fernen Gebirge , und da sagtest Du : » Die Leidenschaft , die ins Herz geboren ist , soll auch wachsen und gedeihen , denn es ist keine Begierde , der nicht das Göttliche gegenüberstände , um sie selig zu machen . « Sie haben mich eingeführt in ihren Tempel , die Genien , und hier stehe ich verzagt , aber nicht fremd , diese Lehren sind mir verständlich , diese Gesetze geben mir Weisheit , das Trachten der Liebe ist nicht Trachten vergänglicher Menschen . Alle Blumen , die wir brechen , werden unsterblich im Opfer , - ein liebend Herz entschwingt sich feindseligem Los . * * * Ich soll Dir erzählen von den Zeiten , wo ich Deinen Namen noch nicht hatte nennen lernen ? Gewiß , Du hast recht , wissen zu wollen , was mich auf Dich vorbereitete , ich sagte Dir , daß Blumen und Kräuter zuerst mich ansahen , daß ich erkannte , im Blick sei eine Frage , eine Forderung , die ich nur mit zärtlichen Tränen beantworten konnte , dann lockte mich die Nachtigall , ihr selbständig Handeln , ihr Gesang , ihr Annähern und Zurückziehen lockte mich noch mehr als das Leben der Blumen , ich war ihr näher im Gemüt , ihr Umgang hatte etwas Reizendes ; aus meinem Bettchen konnte ich ihr nächtlich Lied hören , ihr melodisch Stöhnen weckte mich , ich seufzte mit ihr und legte ihrem Gesang Gedanken unter , auf die ich tröstende Antworten erfand . Ich erinnere mich , daß ich damals unter blühenden Bäumen Ball spielte , ein junger Mann , der ihn fing , brachte mir ihn und sagte : » Du bist schön ! « - Dies Wort brachte mir Feuer ins Herz , es glühte auf wie meine Wangen , aber ich dachte auf die Nachtigall , deren Gesang mich wahrscheinlich nächtlich verschöne , und in diesem Augenblick brach die heilige Wahrheit in meinem Geiste auf , daß alles , was über das Irdische erhebt , Schönheit erzeugt , und ich widmete mich der Nachtigall mit mehr Eifer , mein Herz hielt pochend still und ließ sich von ihren Tönen berühren wie von göttlichem Finger - ich wollte schön sein , und Schönheit war mir göttlich , ich neigte mich vor dem Gefühl der Schönheit und überlegte nicht , ob es äußerlich war oder innen . - Indessen hab ich bis heute immer in der Schönheit , wo sie sich mir zeigte , eine nahe Verwandtschaft gefühlt , in Bildern , in Statuen , in Gegenden , in schlanken Bäumen . Obschon ich nun nicht schlank bin , so regt sich doch etwas in meinem Geist , was dieser Schlankheit entspricht , und ob Du auch lächelst , ich sage Dir , während ich mit dem Blick ihre himmelanstrebenden Wipfel verfolge , scheinen mir meine Eingebungen auch himmelanstrebend , und wie im Windesrauschen die weichen Zweige hin und her wogen , so wogt ein Gefühl gleichsam als belaubtes Gezweig eines hohen Gedankenstammes in mir . Und so wollte ich nur sagen , daß alle Schönheit erzieht , und daß der Geist , der wie ein treuer Spiegel die Schönheit fasset , hierdurch auch zu dem höheren Aufschwung kommt , der geistig diese selbe Schönheit ist , nämlich allemal ihre göttliche Offenbarung . - So denke denn Du , wie Du mir einleuchten mußt , da Du schön bist . Schönheit ist Erlösung . Schönheit ist Befreiung vom Zauber , Schönheit ist Freiheit , himmlische ; hat Flügel und durchschneidet den Äther . - Schönheit ist ohne Gesetz , vor ihr schwindet jede Grenze , sie löst sich auf in alles , was ihren Reiz zu empfinden vermag , sie befreit vom Buchstaben ; denn sie ist Geist . - Du bist empfunden von mir , Du machst mich frei vom Buchstaben und vom Gesetz . - Sieh diese Schauer , die mich überwogen , es ist der Reiz Deiner Schönheit , der sich auflöst , mir im Gefühl , daß ich selber schön bin und Deiner würdig . * * * Der Sommer geht vorüber , und die Nachtigall schweigt , sie schweigt , sie ist stumm und läßt sich auch nicht mehr sehen . Ich lebte da ohne Zerstreuung die Tage hindurch ; ihre Nähe war mir eine liebe Gewohnheit , es schmerzt mich , sie zu entbehren , hätte ich doch etwas , was sie mir ersetzt ! Vielleicht ein ander Tier , - an die Menschen dachte ich nicht , im Nachbargarten ist ein Reh in einer Umzäunung , es läuft hin und her an der Bretterwand und seufzt , ich mache ihm eine Öffnung , wo es den Kopf durchstecken kann . Der Winter hat alles mit Schnee bedeckt , ich suche ihm Moos von den Bäumen : wir kennen uns , wie schön sind seine Augen ; welche tiefe Seele sieht mich aus diesen an , wie wahr , wie warm ! Es legt gern den Kopf in meine Hand und sieht mich an , ich bin ihm auch gut , ich komme , sooft es mich ruft ; in den kalten hellen Mondnächten hör ich seine Stimme , ich springe aus dem Bett , mit bloßen Füßen lauf ich durch den Schnee , um dich zu beschwichtigen . Dann bist du ruhig , wenn du mich gesehen hast , wunderbares Tier , das mich ansieht , anschreit , als wenn es um Erlösung bäte . Welch festes Vertrauen hat es auf mich , die ich nicht