ihr Vetter , und zuletzt ich . Petronella ist hernach so gut , und gibt uns eine Sage oder Legende zum Besten . Man vertreibt damit die Zeit am Besten , und der Faden am Rocken wird noch einmal so glatt und eben , und die Kuchen schmecken noch einmal so gut . « - » In Gottesnamen denn , « fügte Wallrade hinzu , und drehte dem Leuenberger den Rücken , da er ihr einige verbindliche Worte in ' s Ohr flüstern wollte : » in Gottesnamen , Muhme . Hebt an , und erzählt . « Veit stemmte maulend den Kopf in beide Hände , und pfiff in die Luft hinaus : die Alte setzte sich indessen zurecht , roch ein Paarmal mit besinnender und bedächtiger Miene an dem Bisamapfel , den sie auf der Brust trug , und graute sich am Kinn . » Lieben Freunde , « begann sie , indem sie den Finger an die Nase legte : » eine Sage , die Ihr nicht schon wüßtet , fällt mir gerade nicht ein ; eine Geschichte von den lieben Heiligen ziemt sich nicht zu berichten , an einem Orte , wo kein Gottesdienst gehalten werden darf ; demzufolge will ich Euch lieber , da wir von Kindern gesprochen haben , auch ein Kindermährchen erzählen ; nicht das beste , nicht das schwerste , das jemals von einer Amme oder einer treuen Mutter erfunden worden ist . « - » Meinethalben ; « entgegnete Frau Else : » nur sey es nicht zu lustig und schnurrig , mein kluges Fräulein . Das Ernsthafte und Schauerliche ist mir lieber , und stimmt besser zu meinem heutigen Gemüth . « - » Wie Ihr befehlt , meine gute Wirthin ; « antwortete hierauf des Leuenbergers Base , und hob an , mit lebhaften Geberden und wackelndem Kinn , wie folgt : » Es sind wohl länger denn zweitausend Jahre her , und viel darüber , als es einen reichen Mann gab , der eine gar schöne , fromme und sittige Wirthin in sein Haus geführt hatte , und mit ihr des Lebens Glück genoß im höchsten Maaße , ausgenommen das Glück , ein Kind zu haben . Da geschah es einmal , daß die Ehewirthin an einem frischen Wintertage unter dem Mandelbaume saß , der im Hofe stand , und einen Apfel schälte . Das Messer glitt jedoch ab , und fuhr ihr in den Finger , daß ihr Blut in den Schnee rann . Ach ! sagte sie hierauf und seufzte aus innrer Brust : Ach , wohl ist weiß der Schnee und roth das Blut , und hätte ich hoch ein Kindlein roth und weiß wie sie beide . Kaum hatte die Frau diese Worte gesprochen , als ihr recht fröhlich und heimlich um ' s Herz wurde , denn sie hatte nicht umsonst geredet und geseufzt . Ein Mond ging hin und der Schnee ging weg ; der zweite Mont fand alles grün , im dritten kamen die Blümelein aus der Erde , im vierten alle Bäume in ' s Holz , worin die Vögelein sangen , und die Blüten fielen . Und wie der fünfte Mond vorbei war , da stand die Frau unter dem Mandelbaum , der gar zu lieblich roch , und ihr Herz war froh und konnte sich nicht fassen vor stiller Freude . Und der sechste Mond vorüber war , da begannen die Früchte aufzugehen und stark zu werden ; sie aber wurde ganz still . Im siebenten Mond griff sie nach den Mandelbeeren , aß davon und ward borsthaft und traurig . Da aber der achte Mond hingegangen war , da rief sie ihren Mann , und weinte , und sagte zu ihm : Wenn ich sterbe , so begrabe mich unter den Mandelbaum . - Nun wurde ihr wieder ganz wohl und getrost zu Sinne , und kaum war der neunte Mond vorbei , so gebar sie ein Kind , weiß wie der Schnee und roth wie Blut , und freute sich daß , und starb . Ihr Mann begrub sie unter den Baum , wie er es versprochen , und fing an zu weinen gar sehr , eine Weile lang ; nach und nach und allgemach legte sich aber das Herzeleid , und dann hörte er auf zu greinen , und dann währte es nur eine kurze Zeit , so nahm er sich wieder ein Weib . « - » Männertreue ! « sprach Wallrade bitter : » Ihr erzählt kein Mährlein , Muhme . Daß ich Euch also nennen muß , beweist , daß wirklich im Leben geschieht , was in der Ammenstube erdichtet wird . « - Petronella zog ein verdrießliches Gesicht , und ihr Vetter schlug eine spöttische Lache auf . Frau Else aber schlug allen beginnenden Hader durch den Wunsch nieder , das Mährlein weiter zu hören , und das Fräulein von Leuenberg fuhr fort : » Die Stiefmutter gebar eine Tochter in ' s Haus , und diese war ihre Liebe , und der Sohn der Verstorbenen wurde ihr Haß , und sie dachte ihn zu verderben . Und der Gott sey bei uns fügte es , daß einstens der Junge aus der Schule kam , und von der Mutter ' nen Apfel begehrte . Sie machte ein finster Gesicht und glühende Augen , und begehrte von dem Buben , daß er heraufkomme zur Dachkammer , wo eine Kiste stand mit scharfem Schloß von Eisen , und da sie den Deckel aufmacht , und dem armen Jungen befiehlt , sich einen Apfel aus der Truhe zu holen , und der unschuldige Knabe sich hineinbiegt ... Puff ! Schägt sie den Deckel zu , daß des Buben Kopf unter die rothen Äpfel fiel . Darauf hat sie mit einem weißen Tuch das Haupt wieder an den Körper gebunden , den Knaben vor die Thüre gesetzt , und ihm einen Apfel in die Hand gegeben . Und da sie in der Küche stand ,