, verbunden mit seiner heißen , edlen , alles opfernden Liebe ihrem Frieden , ja ihrem Leben bringen mußte . Die drei Jahre , welche , wie er wußte , Gabriele mehr zählte als Hippolit , hatten freilich aus der Ferne ihm ihr Verhältniß zu diesem verschoben und ihn einem Irrthum zugeführt , den Gabriele mit ihm theilte , bis auch sie zu spät ihn erkannte . Das Einzige , woran er sich noch aufrecht zu halten vermochte , waren jetzt Ottokars , auf Moritzens baldigen Tod gebaute Hoffnungen , die er diesem bis jetzt aus Schonung des Freundes nur halb zugegeben hatte . Indessen ward in dieser Zeit das Leben in Schloß Aarheim das rührendste und erfreulichste , das schmerzlichste und seligste , das man zu erdenken vermag . Gabriele wandelte unter ihren Lieben wie ein schöner verklärter Geist , der schmerzensfrei nur die Seligkeit empfindet , welche die Gegenwart der geliebtesten Freunde zu gewähren vermag . Niemand wagte es , in ihrem Beiseyn nur durch einen Blick den bangen vorahnenden Schmerz auszusprechen , der allen am Herzen nagte , ja sie vergaßen ihn oft , in ihrer erhebenden Nähe . Es war als ob Gabriele jetzt am Rande des Grabes noch die Quintessenz des Lebens genießen wollte , denn sie sammlete alles , was jemals es ihr verschönt hatte , mit zartem Sinn und fern von aller Ziererei um sich her : erheiterndes Gespräch , bildende Kunst , Poesie und Gesang . Sie nahm an allem Theil mit ewig frischem jugendlichem Geist ; nichts , was Trauer bezeichnet , keine noch so ferne Andeutung von Scheiden , von Trennung durfte ihr nahen . Ihre innre Heiterkeit stieg mit jedem Tage , je tiefer ihre körperlichen Kräfte sanken , ihr ganzes Wesen bezeichnete nur die innigste Liebe zu ihren Freunden und die reinste Freude an dieser schönen Welt . Ihre Blumen , ihre Vögel , alles was schon ihre Kindheit beglückt hatte , mußte wieder um sie her gestellt werden , und sie liebte das alles und pflegte es , soviel es ihr möglich war , wie sonst . So genoß sie lächelnd , wie zur Zeit ihrer herrlichsten Blüthe , jede kleinere Freude , welche die Natur beut , und verlor sich in bewunderndem Entzücken vor der höheren Pracht , die mit unendlichem Reichthum in den wilden Umgebungen ihres Wohnortes sich täglich neu entfaltete . Hippolit ertrug den Schmerz , den keine Sprache nennen kann , mit unbeschreiblicher Gewalt über sich selbst . Er ging ganz in den Geist der Hochgeliebten ein , lebte nur in ihr , lächelte wenn sie lächelte , und schien nur von dem Licht ihrer Augen Worte und Bewegung zu empfangen . Nie wich er von ihrer Seite , so lange es ihm vergönnt war , bei ihr zu weilen . Ihr nahe , vermochte er es , sein Herz zusammen zu drücken , und seinen unaussprechlichen Schmerz wie seine glühende Liebe zu beherrschen ; denn Gabrielens heilige Gegenwart erhob ihn über Tod , Trennung und Grab . Keine Klage kam über seine Lippen , keine Thräne in seine Augen , bis die Nacht ihn und seinen ausbrechenden Jammer verhüllte . Gabriele bewachte minder ängstlich als sonst ihr Benehmen gegen ihn und suchte nicht mehr ganz so wie ehemals ihm den Grund ihres Gemüths zu verschleiern . Manche Ahnung des ganzen Umfangs der unnennbaren Seligkeit , die ihm hier vor seinen Augen unterging , durchschauerte den Armen mit allen Freuden des Himmels und versenkte ihn in selige Träume , aus denen er leider mit dem Gefühl des Unglücklichen wieder auffuhr , der im Schlafe den Himmel offen sah , und aufgerüttelt zu jahrelanger Pein , im Kerker wieder erwacht . Nicht minder unaussprechlich als Hippolits Schmerz war auch das tiefe , unsägliche Mitleid , welches Gabriele für ihn empfand , denn sie fühlte für ihn den unendlichen Jammer seines treuen liebenden Herzens . Sie selbst war beglückt in der seligsten Hoffnung , und die nahe Trennung , deren Gewißheit ihr an jedem Morgen deutlicher entgegentrat , erschien ihr nur als ein Schritt aus dem Dunkel zum Lichte , zur sicheren , ewigen Vereinigung , deren nahe Seligkeit sie schon hier vorempfand . Abends , wenn wieder einer ihrer Tage zur Ewigkeit hinabsank , wiederholte sie jetzt in der unbelauschten Einsamkeit ihres Zimmers oft die einfachen Worte eines Liedes , welches sie unter den Papieren ihrer verehrten Mutter gefunden hatte . Hier ist es : Gabrielens Abendlied . Zur letzten Tages-Stunde Flammt goldner noch das Licht , Spricht mit dem Purpur-Munde ; » Ich gehe schlafen nicht ; Unsichtbar , zu dem Osten Zieh ' ich den Sternen-Pfad ; Auch Du sollst Aether kosten , Den frisch der Morgen hat . « Wenn all ' die Welten schlafen , So ist ' s die Lieb ' , die wacht , Und landet sie im Hafen , Sagt sie : » Welt , gute Nacht ! « Ich mußte still verschließen Was Schmerzreich mich entzückt , Was tödtlich mich beglückt In tiefster Brust verschließen . Ich mußt ' im Dunkel gehen Als hell es draußen war , Nun Schatten mich umwehen , Nun wird es licht und klar ; Aus Sonnenschein gewoben Mein Aether-Kleid so blank , Die Sprache bald Gesang In blauen Sfären droben ; Wo mich der Engel-Flügel Leicht trägt auf lichtem Steg ' , Wo Sonnen sind mein Weg Fern von der Erde Hügel . Ich möchte mehr noch singen Aus meiner tiefsten Brust , Was Niemand war bewußt , Es sollten ' s Töne klingen ; Es möchte mehr noch sagen Die Lippe treu und bleich , Doch sieh ' , es will schon tagen Herauf aus licht ' rem Reich ' . Denn , wenn die Welt geht schlafen , Ist ' s Liebe noch , die wacht . Mein Herz erblickt den Hafen ; Zu tausend gute Nacht . Früher schon verdankte Gabriele diesem Liede oft wehmüthigen Trost und erleichternde Thränen ; jetzt klangen sie in ihrem Innern wie