stecken hoffe . Faust verfolgte ihn mit abgeschmackter Freundlichkeit und selbst der Knecht Mephistopheles erlaubte sich widrige Scherze gegen ihn , als ob er seine Not durch und durch kenne , er sah kein Mittel , seinen Mut dem Junker zu zeigen und zu bewähren ; er saß trübsinnig in einem Winkel des Zimmers , wo er am Morgen triumphiert hatte , und spielte mit den Hunden , die von allen sonst gestoßen und getreten nur an ihm einen Schutz fanden . Faust war mit seinem Diener , zierlich geschmückt , in das Haus des gastierenden Ratsherrn gegangen , wo er sich durch reiche Verlobungsgeschenke den Eintritt verschafft hatte . Anton sah ihn mit der ganzen Gesellschaft nach einem Garten vorüberziehen ; zur Zerstreuung wäre er ihnen gern nachgefolgt , der Abend blickte so herrlich über die Dächer , und die Weiber ließen ihre Augen wie Pfauen ihren vieläugigen Schweif herrlich glänzend darin umhergehen - aber die Wirtin hatte sich in die Tür gesetzt , und ihre Zärtlichkeit zu durchdringen war ihm ein schweres Werk , er blieb also ruhig auf seinem Schemel und wartete , daß der Sohn der Wirtin aus der Schule komme und ihm mit Geschwätz die Zeit vertreibe . Der kleine Georg setzte sich zu ihm und erzählte ihm von allen Gästen , die im Hause wären . Gegen den Doktor hatte er einen besondern Haß , ungeachtet ihm dieser allerlei süße Kuchen geschenkt hatte , er mochte sie nicht essen . Georg erzählte , wie er von seiner alten Wärterin von einem Wolfe gehört habe , der vor einem dunklen Walde in einem weißen Zuckerhäuschen wohne er meinte , der Wolf sehe so aus wie der Doktor , der Wolf habe auch eine Menschenstimme und rufe den Kindern , die hinter der Stadt spielten , alle Tage zu : » Bübchen , willst du Zucker ? « Endlich ging der eine kleine Bube und ein kleines Mädchen hin nach dem weißen Hause , wo sie die Stimme gehört hatten , sahen den Zucker so recht sternig blinken und leckten daran und knusperten was ab . Der Wolf lag ruhig drin und sah sie recht gut , fragte aber , als wenn er sie nicht sähe : » Wer nagt an meinem Zuckerhäuschen ? « - » Das ist der Wind « , sagten die Kinder , waren etwas still und nagten dann wieder ein Stück ab . - » Wer nagt an meinem schönen Zuckerhäuschen ? « fragte der Wolf noch einmal . - » Es tut der Regen « , antworteten die Kinder , waren wieder eine Weile ganz stille , dann aber brachen sie noch ein gut Stück ab , um es den andern Kindern zu bringen . Da fragte der Wolf zum dritten Male : » Wer nagt an meinem wunderschönen Zuckerhäuschen ? « - Da wußten die Kinder nicht , was sie antworten sollten , und der Wolf sprang heraus , packte sie mit seinen scharfen Klauen und drohte ihnen zornig : » Wenn ich euch gleich wie ein Huhn in der Suppe zerrisse , das wäre mir leicht , aber ihr seid mir noch nicht fett genug zur Suppe , ihr habt nach Zucker gelüstet , der soll euch werden ; da seht , ich sperre euch in meinen Zuckerkasten , und hier aus dem Gitterchen streckt ihr jeder euer klein Fingerchen , daß ich sehe , ob ihr recht zugenommen habt , auf daß ihr mir wohl schmeckt . « - Und da mußten die Kinder in den Kasten , das Bübchen saß beim Zuckerkandis , der glänzte prächtig wie ein großer Edelstein , und das Mädchen saß beim Kanarienzucker , der war so weiß wie Schleier , und sie konnte gleich singen wie ein Kanarienvogel , als sie kaum davon gekostet hatte , und wenn sie genug gegessen , da kamen sie beide zusammen und tanzten vor dem Gitter und sahen heraus , wie die schönen Blumen blühten , und alles bekam ihnen so gut , daß sie schnell gemästet waren . Da kam der Wolf und rief vor dem Gitter : » Bübchen zeig dein Fingerchen , daß ich sehe , ob du fett bist « , und der Bube steckte in der Angst das Stöckchen heraus , worauf der Zuckerkandis gesessen , daß der Wolf mit dem Kopfe schüttelte und sprach : » Eßt nur und seid lustig , daß ihr bald fett werdet . « So ging es zweimal recht gut . Sie hatten den Wolf ganz vergessen ; als er nun aber kam und wieder sagte : » Bübchen , zeig dein Fingerchen , daß ich sehe , ob du fett bist . « Da konnte das Mädchen den Stock unter ihrem Zucker nicht finden ; da mußte das Bübchen sein Fingerchen herausstrecken und der Wolf lachte : » Bübchen , wie bist du fett geworden , das soll mir schmecken . « Darauf schloß der Wolf den Zuckerkasten auf und führte die beiden zitternden Kinder an den Fluß , ließ sie da stehen und wetzte seine Zähne an einem Kieselsteine , daß die Funken davon flogen . Die beiden Kinder standen ganz blaß am Ufer und sahen viele Enten , die zusammen schwammen , zu denen sang das Bübchen in großer Angst : » Entchen , baut ein Brückchen , daß ich kann hinüber , kriege sonst das Fieber . « Die Enten sprachen : » das soll geschehn « und schwammen dicht zusammen in einer doppelten Reihe verkehrt , daß Steiß gegen Steiß zu schwimmen kam , und die Kinder gingen trocknen Fußes über ihren Rücken hinüber . Kaum sah das der Wolf , so wurde er grimmig und wollte ihnen nach ; als er aber mitten auf der Entenbrücke war , da schwammen sie mit großem Geschnatter aus einander und der Wolf fiel plumps ins Wasser , worüber dem kleinen Mädchen vor Lachen der Bauch platzte . » Den werde ich wohl zunähen müssen « , sagte ein fremder Mann mit