märkische Musterwirtschaft angesehen wurden . Ackerfelder zogen sich in breiten Flächen über das Plateau hin , desgleichen frische Wiesen am Fuße desselben , überall aber , den Abhang hinab und dann eingemustert in die Schläge , wuchsen Schonungen auf und bedeckten eine ziemlich bedeutende Fläche mit jungen Eichen , Birken und Buchen . Aus dem Mittelpunkte dieser Neuschöpfung aber erhob sich , quadratisch , ein Komplex von Wirtschaftsgebäuden , hoch von Schornsteinen überragt , deren Rauchfahnen weit ins Land hinein die Wandlung verkündeten , die sich an dieser Stelle vollzogen hatte . Dem entsprachen auch die mittlerweile herangezogenen Arbeitskräfte . Drei Inspektoren waren da , samt vielen Knechten und Mägden , alles in allem einhundertundsechzehn Menschen , an einer Stelle , wo seit dem Hinsterben des letzten Turmwächters auf der » Kuhburg « , kein menschlich Wesen mehr gelebt hatte . Der schönste Moment aber war der , als das erste Kind , ein Junge , auf dieser Stelle geboren wurde , was den alten Gentz das stolze Wort sprechen ließ : » Er ist der Erste hier , er soll Adam heißen . « Alles war in gutem Stand und Gedeihen , als Johann Christian Gentz , zwölf Jahre nach der Begründung , starb . 2 2 Vom Tode des alten Johann Christian Gentz ( 1867 ) bis zum Bau des Gentzroder Herrenhauses ( 1877 ) Am 4. Oktober 1867 war der alte Gentz gestorben und vorläufig bis zur endlichen Ausführung eines für Gentzrode geplanten Mausoleums auf dem alten Ruppiner Kirchhof am Wall beigesetzt worden . Sein jüngster Sohn Alexander trat nach erfolgter Vermögensauseinandersetzung mit seinem älteren Bruder Wilhelm , dem Maler , das Gesamterbe an , das aus folgenden Hauptstücken bestand : aus dem Stadthaus samt Laden- und Bankgeschäft , aus dem sogenannten » Tempelgarten « samt Tempel vor dem Tempeltor , aus dem Torfgeschäft im Luch , und viertens und letztens aus Gentzrode , welchem letzteren der neue Besitzer von Anfang an seine volle Hingabe widmete . Bevor ich indessen erzähle , wie diese speziell Gentzrode zugute kommende Hingabe sich äußerte , gebe ich als Einleitung eine biographische Skizze des neuen Besitzers bis zu dem Zeitpunkt der Gutsübernahme . Bei der Skizze selbst aber folge ich Alexander Gentz ' eigenen Aufzeichnungen . Alexander Gentz » Ich wurde « , so schreibt er , » am 14. April 1825 geboren und zwar als der jüngste von vier Brüdern , die , von frühester Kindheit an , sämmtlich lebhaften Geistes und von gleicher Neigung beseelt waren , sich in freier Natur herumzutummeln , um Pflanzen , Käfer , Vogeleier und Schmetterlinge zu sammeln . Ein Elementarlehrer , der Weißhauer hieß , und trotz eines mehr als bescheidenen Gehalts von nur 120 Thalern sich eine wundervolle Pflanzen- und Insektensammlung angelegt hatte , wußte durch Exkursionen , auf denen wir ihn begleiten durften , unsren Eifer für naturwissenschaftliche Dinge zu steigern . Es ging meistens auf Alt-Ruppin zu bis an den Molchowsee . Die weite Sandfläche -von kleinen Hügeln unterbrochen , mit denen der Wind spielte -war so todt und öde , daß nicht einmal Fichtengestrüpp oder Haidekraut drauf wuchsen und an dieser Wüste vorbei ( wenn nicht querdurch , was auch vorkam ) wanderten wir bis an die › Räuberkute ‹ , die wir schon um ihres Namens willen liebten und der nur leider die Räuber fehlten . Mitten im Sande begegneten wir dann plötzlich einem Sumpfloch mit wilden Enten drauf , nach denen wir vom Ufer her mit Steinen warfen , bis sie weiterflogen oder niedertauchten . Hinter der › Räuberkute ‹ lief dann , die sogenannte Schwedenschanze durchschneidend , ein alter Weg auf die Neue Mühle zu . Dies war der Ausflug , den wir am häufigsten machten , am liebsten aber war uns der Weg am Klappgraben hin und dann über diesen fort bis zu den mit Eichen und Buchen bestandenen › drei Wällen ‹ , die wohl auf 1000 Schritt die Grenze zwischen der Storbecker und Kränzliner Feldmark ziehen und den Eingang zu einem prachtvollen Eichenkamp , der der › blecherne Hahn ‹ hieß , bildeten , eine landschaftlich reizende Partie mit Baumgruppen , wie sie sich , was unsere Grafschaft angeht , kaum noch auf dem schönen Ruppiner Wall und Forstrevier › Pfefferteich ‹ vorfinden . Ja , nach dem › blechernen Hahn ‹ hin , wo sich eine Meierei mit Milchwirthschaft befand , das war ein beliebter Ausflug und nur Eins gab es , was noch darüber hinausging , das war ein in der Nähe der Kahlenberge gelegenes Elsbruch , mit einem dunklen Wassertümpel in der Mitte , der den Namen der › Gänsepfuhl ‹ führte . Das klang harmlos genug , es war aber die unheimlichste Stelle in der ganzen Gegend , an die sich allerlei Spukgeschichten knüpften , Geschichten , deren Grusel noch wuchs , als es eines Morgens hieß , Uhrmacher Hettig und Rathsdiener Kalle , die hier zu fischdieben und sich zu diesem Zwecke eines am Ufer liegenden alten Fischerkahnes zu bedienen pflegten , seien in der Nacht vorher auf dem Gänsepfuhl ertrunken . Ja der Grusel wuchs , das muß ich wiederholen , aber ich kann nicht sagen , daß sich im Übrigen ein mir zur Ehre gereichendes menschliches Mitgefühl mit eingeschlichen hätte , namentlich was den Rathsdiener Kalle betraf . Dieser nämlich war unser aller Feind , weil er uns , wenn wir uns auf eine städtische Wiese verirrten , um Schmetterlinge zu fangen , immer abzufassen suchte , bei welcher Arbeit ich auch wirklich mal ergriffen und von ihm gepfändet worden war . Ich war jetzt naiv oder selbstsüchtig genug , in dem Tod , den er erlitten , eine gerechte Strafe für die mir widerfahrene Strenge zu sehn und sympathisirte durchaus mit dem hämischen Fischer , der den am Ufer liegenden Kahn vorher durchlöchert und dadurch den Tod beider Inculpaten herbeigeführt hatte . Daß Kalle neun Kinder hinterließ , änderte wenig in meinen Augen . Nichts Egoistischeres als ein halberwachsener Junge . Sonderbarerweise kam der Elsbruch