Blau herunter , und vom Dachauer Kirchturm klang das Geläut der frommen Sonntagsglocken , während auf der Moorstraße die niedergerittenen Menschen sich unter den Hufen der jagenden Rosse wälzten und schreiend über die Straßenböschung hinunterkollerten in den grundlosen Schlamm . Die vielen im Moraste auf- und niedertauchenden Hände waren wie hüpfende Fische , und gleich aufgeblähten Fröschen waren die irrenden Menschenköpfe , die mit starren , weit aufgerissenen Augen aus den Tümpeln ragten . Rosse tappten und keuchten durch den schwarzen Pfuhl , versanken und tauchten wieder auf , wühlten sich in den Tod hinein oder hingen mit den Vorderbeinen geduldig an einen Moosbuckel angeklammert . Und eines von diesen Rossen - ein Pongauer Rappe - stand reiterlos und mit enggestellten Hufen auf einer kleinen Raseninsel , peitschte seine graugewordenen Flanken mit dem schlammtriefenden Schweif und wieherte klingend über den von Sonne schimmernden Sumpf hinaus . Und drüben , gegen Norden hin , auf der anderen Seite des von Heinrichs Truppen schon umzingelten Lagers , war ein klirrendes Gehämmer wie von tausend Schmieden . Herzog Ludwig , im blauen Stahl seiner Ingolstädter Rüstung und mit dem breiten deutschen Schwerte , brach unter verzweifelten Streichen eine Bresche in die eiserne Mauer der Landshuter Harnischer . » Lieber den Tod , als mich fangen lassen von dieser giftigen Spinne ! « Er schlug und focht und erkämpfte Schritt um Schritt - mit ihm Herr Peter Pienzenauer und die Chiemseer , der Hochenecher mit den Salzburgischen Rittern und gegen dreihundert von Ludwigs Lehensherren und adligen Söldnern . Und allen voraus , immer an der Seite des Herzogs oder vor ihm her , drosch und hämmerte Kaspar Törring , der aus dem Teufel von Jettenbach verwandelt war in den mörderischen Satan von St. Matthäi . Das Gekläff von Ludwigs Hunden , die hin und her durch das Gewühl der Kämpfenden sausten , schien die tollkühnen Kräfte des Törring zu verdoppeln . Sooft er das Zorngeläut der Bärenfinder hörte , lachte er unter dem blutbespritzten Visier und schlug und schmetterte alles vor sich nieder . Und immer suchten seine Augen , immer schrie er : » Die Laus ? Wo hat sich denn die winzige Laus versteckt ? « Er brüllte : » So eine Laus ! Ich will ihr einen Tod bescheren , gegen den das Leiden meiner sechzig Bracken ein seliges Verschnaufen war ! « Und als er die Landshuter Mauer durchbrochen hatte , wandte er den schweren , in Eisen gehüllten Gaul und schlug und riß den Herzog aus dem Gewühl heraus , das ihn bedrängte . In Erschöpfung keuchte Herr Ludwig : » Durch ! Nach Regensburg zum König ! Oder alles ist verloren für mich . « Die letzten , die um den Herzog waren , begannen schon mit dem Fürsten die Flucht gegen das enge Waldtal beim Webelsbache . Da rasselte eine neue Mauer lebendigen Eisens gegen sie heran : Herzog Heinrichs Kerntruppe , die Harnischreiter und Trabanten von Burghausen . Beim Zusammenstoß ein Stahlgeschütter , daß es weithin durch die Lüfte klirrte und allen Stimmenlärm verschlang , der über der Kampfstätte fieberte . In dicken Haufen rasselten die Burghausener gegen den Herzog an , jeder wollte den goldenen Preis der tausend Dukaten verdienen , mit denen Herr Heinrich den kostbaren Gefangenen zu bezahlen versprochen hatte . Ein wüstes Hauen , Stoßen und Stechen . Nur einer von diesen Schwergepanzerten , ein klobiger Mann , dem das weiße Schläfenhaar unter dem Helmsturz herausquoll , schlug mit seinem langen , breiten Eisen nicht zu und hob es nur , um die niedersausenden Hiebe von sich abzuwehren . Doch immer tiefer drängte er den Gaul in das klirrende Gewühl und streckte sich und spähte , atmete schwer unter den stählernen Platten und suchte , wie ein Dürstender den Brunnen sucht . Nun ein Zucken , ein Aufstraffen des Körpers . Und ein wilder , jauchzender Schrei : » Hartneid Aschacher ! « Ein schmuck Gerüsteter , dem unter dem kurzen Schlachtvisier der ergrauende Knebelbart wie eine zierliche Sache herausstach , drehte bei diesem schrillen Anruf wie in Verblüffung den Kopf . » Wer bist du ? « » Wehr dich , Lump ! Einen Gruß von meinem Weib und Kind ! Ich bin der Ramsauer Richtmann . « Ein Lachen unter dem Visier . Und der Chiemseer schwang sein Eisen . Da fuhr die schwere , in der Sonne blitzende Klinge des Bauern schon herunter wie ein zuckendes Licht . Und fuhr dem Hartneid Aschacher unter dem Arm in den Panzer und durch die Lende hinunter bis ins Geschlecht . Aufatmend löste Runotter die Fäuste vom Griff seines Schwertes , das in dem rot aus dem Sattel stürzenden Mannskörper stecken blieb . » Du nötest kein Weib nimmer ! « Runotter wandte den Gaul und suchte einen Weg aus dem tobenden Gewühl . Für den Ramsauer Richtmann war der Krieg zu Ende . Einen Hieb , den er kommen sah , parierte er mit dem geschienten Arm . » Bauer , Gotts Teufel « , brüllte hinter ihm eine Stimme , » wenn du nit schlagen magst , so wehr dich doch ! « Und weil dieser Schreiende sah , daß der Bauer ohne Waffe war , entriß er einem adligen Herrn den Streitkolben . » Nimm , Bauer ! Gotts Teufel , so nimm doch ! « Das Gewühl des Kampfes keilte die beiden auseinander . Und Runotter , der einen niedersausenden Streich mit dem Arm nicht völlig parieren konnte , sagte ruhig zu dem Gegner : » Wie , Mensch , tu nit so grob ! Dir bin ich nit feind ! « Da stach ein anderer dem Herrn , der den Streich geführt hatte , das Roß zu Boden . Der Stürzende , der halb unter den Pferdeleib zu liegen kam , verlor den Helm : ein strenger Graukopf , bärtig , mit hagerem Gesicht und blitzenden Augen , die klug waren und ohne Schreck . Runotter , dieses Gesicht erkennend , sprang erschrocken aus dem Sattel .