von der Menschenseele , die sich zur Gottesmutter weihen soll : Zu Bethlehem die Krippe Ist jeder Herzensschrein - Wie solches von der schönen tiefen Stimme verkündet war , sann Heinrich bewegt der Botschaft nach . « Hierauf tat er die Frage : » Wer hat dies fromme Lied gemacht ? « Ich erschrak , doch Sibylle sprach mit Fassung : » Es ist ein Mann , so in der Enttäuschung harter Schule gelernt hat , den wahren Schatz im eignen Acker zu suchen . « - » Und sein Name ? « forschte Heinrich . - Mit Geistesgegenwart stellte meine Schwäherin als Verfasser nun jenen Waldhäuser hin , von dem Du berichtet hast ; und fürwahr , wenn irgend ein Mitmensch Anteil haben könnte an dieses Liedes Urheberschaft , so wär ' s der Mann , der Dich die Umwandlung der Gefühle zu Edelmetall lehrte . Des weitern aber spann Sibylle ihr Märlein also aus : » Als junger Gesell liebte dieser Waldhäuser eine Jungfer , hütete jedoch dies Geheimnis , indem er daran verzagte , daß seine Angebetete einem geringen Menschen , als den er sich betrachtete , ihr Herz widmen werde . Weil er also nicht um sie warb , reichte sie schließlich einem andern Manne ihre Hand . Unser Poet aber blieb unbeweibt und hegte unaufhörlich seine heimliche Liebe . Wie er nun bereits graue Haare bekam , bescherte ihm die Gelegenheit eine vertrauliche Aussprache mit seiner Herzensherrin ; da erfuhr er denn , stets habe sie ihn geliebt . Zu spät , ach zu spät ! seufzete Waldhäuser . Meine Jugend ist hin , versäumt mein Glück ein andrer hat es heimgeführt . « Dann fragte er die Frau , ob sie denn wenigstens zufrieden mit dem andern sei . » Ich liebe sein Herz , « antwortete sie ; » er ist sehr gut zu mir , und ich bin ihm wieder sehr gut ; nie mag ich ihn betrüben , nur der Tod scheidet mich von ihm . Doch gleichfalls bis zum Tode klopft mein Herz voll Sehnsucht nach Dir , Du mein Sternenbräutigam ! ... « Sibylle ward hier unterbrochen durch Heinrich , der nach gespanntem Zuhören auffuhr : » Was ? Zween Männer zugleich konnten in diesem Weibesherzen wohnen , und keiner hat den anderen verdrängt ? « - Ruhig und fest kam die Antwort : » Die beiden Männer wurden halt Brüder , und des öftern hat einer dem andern bedeutet : Über der lieben Frau Herz zu gebieten , hat keiner von uns Gewalt und Recht . Dich guter Freund , mag sie nicht missen ; drum schleiche dich ja nicht von hinnen , laß uns beisammen bleiben . « » Und niemals , « fragte Heinrich kopfschüttelnd , » ist ein Nebenbuhler dem andern an die Gurgel gefahren ? « - » Nicht doch , du Wildfang ! Als Verbündete fühlten sie sich und waren wie zusammenstimmende Töne . « - » Aber nur einer war Gatte , der andre Bruder der Frau ; ist es nicht also ? « warf Heinrich ein . - » Mag sein , « entgegnete Sibylle errötend , war aber gleich wieder freimütig und sprach im Buche blätternd : » Hier ist noch ein Lied von Waldhäuser ; an die geliebte Frau ist es gerichtet und darin segnet er ihren Gatten . « - » Segnet ihn ? « staunte Heinrich . - Und nun las Sibylle Dein Gedicht , daß Du zur Weihnachtsgabe mir bestimmt . Frieden ihm , so dir zur Seiten Atmend ruht ; er ist dein Schild . Bei diesen Worten weitete sich Heinrichs Auge , Rührung zuckte über sein Antlitz . Schließlich seufzte er , wie einer , dem eine Bürde abgenommen ist , sah uns Weibsbilder heiter an und nickte : » Fürwahr , ein gütig Lied ! Wer möchte solchem Nebenbuhler gram sein ? « - Ich konnte mich kaum enthalten , laut aufzujubeln . Zu ihm tretend , legte ich den Arm um seinen Nacken , indessen er mich umfing . Da ich keine Worte fand , gab sich die kluge Sibylle zu meinem Munde her : » Wohlgesprochen , lieber Bruder ! Gebe nun der Himmel , daß du nicht mehr eifersüchtig bist auf Agnetens ersten Mann . Nimm an , daß er wie Waldhäuser ist . « - » Ja , wenn er so wäre , « antwortete Heinrich trunken mich anschauend . - » Zweifle nicht , « eiferte Sibylle , » so ist er . Laß dir doch endlich einmal erzählen , nachdem dein gereizter Sinn all die Jahre hindurch nichts hören gewollt von ihm . « - » Ich wußte nicht , « entschuldigte sich Heinrich , » daß es Männer gibt wie dieser Waldhäuser . « - » Nun du es aber weißt , « fuhr Sibylle fort , » wirst du Vertrauen haben zu Agnetens erstem Gatten ; und wenn er sich am Leben fände ... « . Hier schloß ich die Augen vor Bangigkeit , fühlte aber Heinrichs spähenden Blick , dann flüsterte seine Seele in meine hinein : » Ja , wenn er nun wiederkehrte , wie würde Agnete entscheiden , was ihren Heinrich betrifft ? « Und flüsternd gab ich zurück : » Bei Gott , ich würde nicht minder Treue wahren , denn jene tat , die Waldhäuser liebte ; ich würde sagen : Nie mag ich meinen Heinrich betrüben , nur der Tod scheidet mich von ihm . « - Dankbar preßte er mich an sich , dann raunte er hastig : » Weiter aber ! Was würdest du weiter sagen ? würdest ihn auch Sternenbräutigam heißen ? « - » Wenn deine Güte es erlaubte , ja ! « - Heinrich stutzte : » Meine Güte ? Zweifelst du daran ? « - Voll schlug ich den Blick nun auf : » Nein , Guter ! « - Hierauf schwieg er , doch ein neuer Glanz strahlte aus seinem Auge ,