! Betrachte die Menschen so , als ob du bereits gestorben seist und von ihnen nicht mehr erreicht werden könntest ! Es gehöre ihnen von allem , was du bist und was du hast , nichts , nichts , als nur allein die Liebe ! « Er ging hierauf wieder fort . Welch ein Mensch ! Solche Charaktere können wohl nur in der Einsamkeit der Berge reifen ! Aber glücklicherweise ragen Berge überall . Warum sollen es immer nur geographische Höhen sein ? Giebt es nicht auch noch andere Alpen , auf denen man sich ein » hohes Haus « erbauen und ein » Beit-y-Chodeh « errichten kann ? Redet nicht auch die heilige Schrift von solchen Bergen ? Sagt nicht der Psalmist , daß von ihnen seine Hilfe komme ? An was für Berge dachte ich wohl , als ich vor Jahren , im Notizbuche Reiseeindrücke festhaltend , auch folgende Zeilen niederschrieb : » Schon weicht die Fläche hinter mir ; Die Ebene beginnt , zu steigen . So naht das Herz , Jehovah , dir , Wenn hinter ihm die Zweifel weichen . Mir ist , als ob am Horizont Ich Bergesspitzen leuchten sähe . So reinigt , läutert , wärmt und sonnt Die Seele sich in Himmelsnähe . Hinauf , hinauf ! Ich raste nicht . Ich will und will nicht unten bleiben . Mein frömmstes , seligstes Gedicht Will ich beim Glühn der Alpen schreiben . Das werde ich dann heimlich , still In einem Kirchlein niederlegen . Vielleicht gereicht ' s , so Gott es will , Dem , der es findet , einst zum Segen ! « Unsere gute Pekala hatte sich , als der Ustad kam , bescheiden vom Tische zurückgezogen . Nun , als er fort war , kam sie wieder , um von neuem ihres Amtes zu walten . Die Entfernung war allerdings keine große gewesen . Darum hatte sie Verschiedenes von dem , was gesprochen worden war , gehört . Das zeigte sich durch die Frage , welche sie sogleich an mich richtete : » Nicht wahr , ich hatte mit dem Sterbetage recht , Effendi ? Er sprach doch auch mit dir davon . « » Ja ; aber da wirst du mir eine Bitte zu erfüllen haben , liebe Pekala . « » Sehr gern ! Welche ? « » Denke nicht zu oft und zu viel über den deinigen nach ! Und sei schweigsam über das , was du hier vernommen hast ! Wenn man von so etwas redet , muß man es verstanden haben . « » Das habe ich freilich nicht . Es war zu schwer für mich . « » Trotzdem du dich eine Kizfeilesuf genannt hast ? « scherzte ich . » Das bin ich auch . Aber es hat jeder Mensch seinen eigenen Feilesufluk158 , den der andere nicht begreift . Der meinige wächst in der Küche und sagt mir jeden Tag , daß alle Menschen essen müssen . Darum setze dich nun wieder nieder , und laß mich die Freude erleben , daß es dir schmeckt ! « » Das wird nun wohl nicht so werden , wie du wünschest . Ich bitte dich , noch einige Zeit Geduld zu haben . « » Warum , Effendi ? Willst du nun etwa gar nicht essen ? « » Nicht sogleich . Ich möchte nachdenken . Geh mit deinem Tifl ein Stündchen spazieren , und komm dann wieder ! « » Wie schade ! Das ist es ja eben , was mein Feilesufluk nicht begreifen kann ! Wenn gelehrte Männer in den Sattel ihres Geistes steigen , um in seinem Reiche herumzugaloppieren , da lassen sie ihn hungern . Sie sagen , sie können nicht essen , wenn sie denken . Was wird er da wohl für Sprünge mit ihnen machen können ! Gieb ihm Futter , Effendi , viel Futter ! Wenn du das thust , dann wirst du erst bemerken und an dir selbst erfahren , was ich , eure Pekala , unter Nachdenken verstehe ! Was soll aus dir werden ? Die Seele hat keinen Platz ; der Geist muß darben , und der Körper darf nicht essen . Du gehst mir ja zu Grunde ! Wozu bin ich denn mit meiner schönen , großen Küche da ? Doch dazu , daß alles , was ich mache , aufgegessen wird ! Doch will ich nicht zanken , denn ich sehe , daß es dir wehe thut . Ich gehe ! « Wehe thun ? Das nun freilich nicht ! Sie deutete meine Bemühungen , das Lachen zu unterdrücken , falsch . Es waren nur wenige Schritte , welche sie that ; dann blieb sie stehen , sah auf die Erde nieder , kam wieder zurück , ganz nahe an mich heran und sagte halblaut , damit Tifl , der sich nun wieder auf der Lichtung befand , es nicht hören möge : » Weißt du , was ich mir über unsern Ustad ausgesonnen habe ? Während er mit dir sprach , kam es mir in den Kopf . « » Was ? « » Es liegt ein Geheimnis über ihm , und ich habe etwas davon entdeckt . Er kann alles ; er weiß alles . Er kennt das ganze Morgen- und wohl auch sehr viel vom Abendlande . Er hat sehr , sehr viele Bücher in abendländischer Schrift . Ich glaube , daß er früher dort gewesen ist , um alles , was man dort lernen kann , sich anzueignen . Da hat er auch an solchen Tischen , wie dieser ist , gegessen . Er kehrte in die Heimat zurück . Dann starb etwas in ihm ; denn in dieser Weise meint er es doch , wenn er von seinem Tode spricht . Das Gedeck hier ist ein Andenken an diesen seinen Toten , und darum hebt er es so heilig auf und sucht es an jedem Sterbetag hervor . Was sagst du dazu ? Ob ich