, feuchte , von Blumengeruch erfüllte Luft wehte den Eintretenden entgegen . Das dichte Laubwerk , das den schmalen Pfad zu beiden Seiten begleitete , gewährte kaum einen Durchblick ; nun erweiterte sich der Pfad , und überschattet von alten Baumriesen , deren Stämme mit Schlingwerk behangen waren , erhob sich die Ruine der maurischen Torhalle mit der schön geschwungenen Kuppel . Ein Hauch von Schwermut flüsterte aus den grauen , durch Raub und Alter des Schmuckes beraubten Steinen ; sie hatten glanzvolle Zeiten gesehen ; diese Pracht und Macht war untergegangen - sie allein noch standen , wie ein trauerndes Denkmal über Gräbern . Und den gleichen melancholischen Charakter zeigte der tiefschattige Garten , der sich an die Halle schloß : zwischen ernsten schwärzlichen Zypressen und scharf duftenden Pfefferbäumen lagen kleine Beete mit feurig blühenden Orchideen , überall lugten aus verwilderten Rosenbüschen verblichene Marmorreste hervor , zertrümmerte Statuen , gestürzte Säulen ; leise murmelten die versteckten Brunnen , zuweilen ließ sich ein süßer Vogelschlag vernehmen , und der sachte Windhauch , der durch die Laubengänge strich , spielte mit den Rosenblättern , die auf allen Wegen lagen und gleich winzigen Schifflein auf den kleinen , stillen Teichen umherschwammen . Träumende Märchenstimmung war unter diesen Bäumen , in dieser Luft . Nun wieder erhob sich graues Gemäuer , und klingend hallten die Schritte auf den Steinfliesen des Torweges , der in das Allerheiligste dieser Ruinen führt , in den maurischen Säulenhof . Drei Loggien , die einen düsteren , kellertiefen Hof umschließen , bauen sich leicht und luftig übereinander . An den kahlen Wänden hängen nur noch einzelne Reste der Marmorbekleidung , doch unversehrt sind die schlanken , doppelreihigen Alabastersäulchen erhalten , mit den graziös geschwungenen und zierlich ornamentierten Bogen darüber ; hier und dort noch eine Spur der erloschenen Farbe und Vergoldung . Kittys Wangen brannten , ihre Augen glänzten ; sie empfand die hinreißende Macht der Erinnerung , die aus diesen stummen Steinen redet . Zurückversetzt in längst entschwundene Zeiten , sah sie Bilder um Bilder vor ihrer träumenden Seele sich beleben . Schwerter klirrten , und weiße Schleier flatterten , Hufschlag tönte , und die Laute klang . So deutlich vernahm sie die Saiten , als klängen sie wahrhaftig an ihr Ohr - aber nein , das war kein Traum , sie hörte die Saiten wirklich ! Aus einem offenen Fenster des Palazzo tönte , mit seltsamer Kunst gespielt , eine Mandoline , von einer Gitarre begleitet . Und Kitty erkannte die Weise . Es war eine Barkarole , die sie in Sorrent hatten singen hören , ein zärtliches Lied , das ihr mit schmeichelndem Locken ins Herz gegriffen hatte : » Vieni , diletta , Vieni al mar , Vieni , t ' aspetta Il marinar ! « Und wieder - in dieser märchenhaften Umgebung mit gesteigertem Gefühl - empfand sie die heiße , verlangende Sehnsucht , die ihr aus den zärtlichen Worten des Liedes am Sorrentiner Strand in die Seele gefallen war . Hastig , wie um dem Zauber zu entrinnen , der sie in der geheimnisvollen Schattenstille dieser Mauern überfiel , flüchtete sie hinaus in die helle Sonne . Zwischen Blumen plauderte ein Springbrunnen , und eine Marmortreppe führte zu einer Terrasse , die , von Laubengängen durchzogen , sich hinausbaute über die steil abfallenden Weinberge und einen Rundblick über den Golf von Salerno bot . Mit einem wehen Zug um die Lippen trat Kitty unter eines dieser Laubdächer , umspielt von flimmernden Sonnenlichtern und farbigem Blätterschatten . Plötzlich verhielt sie den Fuß , von Schreck befallen ; das Blut schoß ihr zum Herzen und strömte wieder mit Glut in die Wangen ; nach Atem ringend , griff sie an die Augen , als müßte , was sie sah , in der nächsten Sekunde verschwinden wie eine Täuschung ihrer Sinne . Inmitten des Laubenganges , in dessen Tiefe eine Nische in die Felswand gehauen war , stand eine Staffelei , deren Leinwand die Farben eines frisch begonnenen Bildes zeigte . Hatte den jungen Künstler schon im ersten Werden seines Werkes die Ermüdung befallen ? Er saß auf einer Marmorbank , die Palette in der ruhenden Hand , und blickte träumend ins Leere . Da vernahm er einen stammelnden Laut und straffte sich auf - Hans Forbeck . Seine Gestalt war gereift in diesem halben Jahr und hatte breitere Schultern bekommen ; dichter sproßte der dunkle Bart , und die südliche Sonne hatte ihm die ernste Stirn gebräunt . Bei Kittys Anblick erblaßte er , und die Palette entfiel seiner Hand . So standen sie voreinander , Aug ' in Auge . Dieser erstarrende Schreck , dieser lähmende Zweifel an der Wahrheit dauerte nicht lang . Wohl blieben ihre Lippen stumm , doch es sprachen ihre Herzen , es redete ihre Sehnsucht , die gewachsen war mit jedem vergrämten Tag , in jeder ruhelosen Nacht . Unter einem Lachen ihrer Freude flogen sie aufeinander zu , hielten sich umschlungen und hingen Mund an Mund in einem dürstenden Kuß , der nimmer enden wollte . Bei der Marmortreppe stand Gundi Kleesberg wie eine mit sich selbst zufriedene Schicksalsgöttin von etwas barocken Formen . Da klang hinter einer mit Blüten übersäten Rosenhecke eine Männerstimme : » Hans ! « Forbeck und Kitty hörten nicht ; alles um sie her war ihnen untergegangen in der Taumelfreude ihres jungen , vom Himmel gefallenen Glückes . Doch Gundi Kleesberg fiel aus ihrer stolzen Götterhöhe tief ins Menschliche herunter und begann an allen Gliedern zu zittern , als sie diese Stimme erkannte . » Hans ! Komm doch einen Augenblick ! « Eine Weile war Stille , dann knirschte hinter der Rosenhecke ein Tritt im Sand . Nun kam Leben in die Schlottersäule der Kleesberg . Die Hände streckend , als hätte sie das erste Glück der Liebenden vor einer Störung zu behüten , zappelte sie auf die Hecke zu . Da stand Professor Werner vor ihr , sprachlos vor Überraschung . » Werner ! « stammelte sie . Weiter fand