' ich ' s anderswo . Um mich ist mir nicht bange . « » Mir auch nicht « , sagte Sender . » Und ich wünsche Ihnen Glück , daß - verzeihen Sie , Sie haben ' s selbst so genannt - der Wahnsinn zu Ende ist . « Können schüttelte den Kopf . » Der Schauspielerwahnsinn , da haben Sie recht . Aber das andere ... « Er wandte sich ab , dann griff er nach Stock und Ränzel und ging mit stummem Gruß der Stadt zu . Salmenfeld wollte den Mann , den er als verläßlich kannte , gern behalten , mußte aber erst seinem Sollizitator kündigen . So war Können für die nächste Zeit frei und gern bereit , Sender nach Delatyn zu begleiten . Frau Rosel war freilich etwas besorgt : ein Fremder und ein einstiger » Spieler « dazu ! Aber ihr Mißtrauen war unbegründet , treuer als er hing selbst Moskal nicht an seinem Herrn . Ehe sie die Reise antraten , suchte Sender zum ersten Mal die Gräber seiner Eltern auf . Rabbi Manasse hatte einst den Fremden die Ruhestätte an der Friedhofmauer angewiesen , wo die Ärmsten gebettet werden , aber die Gräber fand Sender wohlgepflegt ; auch für zwei stattliche Grabsteine hatte Frau Rosel gesorgt . Lange saß er auf dem Grabhügel seines Vaters , der von dem der Mutter nur durch einen schmalen Raum getrennt war , der eben noch knapp für eine Grabstätte reichte . » Ich war im Leben nicht bei ihnen « , dachte er , » im Tode will ich es sein , wohin immer mich mein Weg führt . Hier wird sich ' s einst nach langer , hoffentlich segensreicher Arbeit am besten ruhen . « Und er bat noch selben Abends den Marschallik , ihm bei der Gemeinde das Grab zu sichern . » Ich fühl ' s « , sagte er , » ich werde lange leben . Wer weiß , wie überfüllt dann der Friedhof ist . Es soll sich nichts Fremdes zwischen uns drängen . « Der Alte konnte ihm schon am nächsten Tage die Bestätigung der Gemeinde bringen . Der Flecken Delatyn liegt in den Karpathen , etwa zwölf Meilen von Barnow ; er wird seiner würzigen Tannenluft sowie der kräftigen Molke wegen viel von Lungenkranken aufgesucht . Dort verbrachte Sender mit seinem treuen Können sechs stille , schöne Wochen . Sie suchten niemandes Bekanntschaft ; die Gesellschaft des Kleinen genügte Sender vollständig ; er konnte ja mit ihm vom Theater sprechen ! Dazu die Bücher , die schöne Natur , die Hoffnung , schon in zwei Monaten nach Lemberg zu gehen - er fühlte sich glücklich , fast wunschlos . Auch mit seiner Gesundheit ging es immer besser . Zwar die Schwäche wollte nicht weichen , aber aus dem Spiegel blickte ihm ein volleres Gesicht entgegen und das Atmen ging leichter . Selbst der Arzt war einen Augenblick freudig überrascht , als Sender sich nach seiner Rückkunft bei ihm meldete . Aber die Freude verflog , als er das Hörrohr an die Brust des Kranken legte . Dennoch widersprach er nicht , als dieser fragte : » Nicht war , im September darf ich nach Lemberg ? « Wohl aber beriet er mit Samenfeld . » Da muß wieder einmal Ihre Bekanntschaft mit Nadler aushelfen « , sagte er ihm . » Er muß ihn durch irgend einen Vorwand auf den Frühling vertrösten . Spätestens im November ist der arme Junge erlöst . « Der Direktor beeilte sich , dem Wunsche Salmenfelds zu entsprechen , nur machte er diesmal seine Sache trotz besten Willens nicht eben geschickt . Er bat Sender , sich bis zum April zu gedulden , weil in den ersten Wochen der Wintersaison eine ganze Reihe von Gastspielen stattfinde , zuerst komme Dawison , dann die Rettich , La Röche und Fichtner . Nun bedürfe ein Anfänger der steten Anleitung , gerade die ersten Wochen seien oft geradezu entscheidend für die ganze Künstlerlaufbahn , und da werde er sich ihm ja der Gastspiele wegen nicht widmen können . Dieser Grund leuchtete Sender nicht ganz ein ; da er jedoch gewohnt war , jede Weisung Nadlers wie einen Orakelspruch hinzunehmen , so ließ er ihn gelten und machte sich sogar keine Gedanken darüber . » Es ist mir also vorbestimmt « , dachte er , » mein Engagement im Frühling anzutreten , allerdings ein Jahr später . Aber Nadler hat sicherlich wohl überlegt , daß die Verzögerung der geringere Schade ist . « Hingegen erregte der Name Dawison stürmische Sehnsucht in seinem Herzen . Der berühmteste deutsche Schauspieler seiner Zeit , desselben Stammes wie er , der einst freundliche Teilnahme für sein Schicksal gezeigt , in Lemberg - und er sollte ihn nicht sehen ! Dawison hatte im Dezember vorigen Jahres - das wußte er - sein Engagement am Burgtheater gelöst und gastierte nun , es hieß , er wolle nach Amerika gehen - wie , wenn sich die Gelegenheit nie wieder fand ! Und als er in dem Wiener Blatte , das ihn Salmenfeld lesen ließ , die Nachricht fand , daß der Künstler außer dem Mephisto und Richard III. auch den Shylock spielen werde , erklärte er der Pflegemutter den Entschluß , nach Lemberg zu gehen . Sie widersprach heftig , noch immer täuschte sie sich ja über seinen Zustand , nun wollte er ernstlich zur Bühne , sie durfte es nicht dulden . Der Widerstand nützte ihr nichts , umsomehr da auch der Arzt keine Einwendung hatte . » Warum sollte ich dem Ärmsten nicht noch diese Freude gönnen ? « sagte er zu Salmenfeld . » Nur muß freilich Können mit . « Und so geschah ' s. In den letzten Septembertagen sollte das Gastspiel stattfinden , schon acht Tage früher brachen die beiden auf , um die vier Tagereisen bequem zurückzulegen . Sender war selig - welcher Genuß harrte seiner ! Und das Wetter war warm und sonnig , das Wägelchen