lassen . Oben das greuliche Durcheinander ist die Ermordung des ersten Lehniner Abtes , den die Wenden erschlugen , weil sie ihn in Verdacht eines Liebesabenteuers hatten . « » Ich nehme an , ohne Grund « , sagte Kathinka . » In meiner Eigenschaft als erster Tugendrat von König Ring würd es mir schlecht anstehen , einen Zweifel dagegen auszusprechen . Ich wünschte nur , daß auch der Maler nachsichtiger mit ihm verfahren wäre . « » Es ist vielleicht schon aus der protestantischen Zeit . « Lewin wollte die gereinigte Lehre rein von der Schuld dieses Bildes halten und begann eben eine Auseinandersetzung , als Jürgaß ihn darin unterbrach und zur Eile mahnte , da , nach dem durchaus einzuhaltenden Programm , innerhalb der nächsten zehn Minuten nicht nur die draußenliegende Trümmerhälfte der Kirche , sondern auch noch die Reste des Klosterkreuzganges und der denselben einschließenden alten Baulichkeiten besichtigt werden müßten . Diese mit lauter Stimme gesprochene Jürgaßsche Mahnung war nicht bloß von Lewin gehört worden , und alles eilte , um ihr zu gehorchen , dem Ausgange zu . Nur die Gräfinnen Seherr-Thoß und Zierotin , die sich bei dem Bilde des ermordeten Abts in Vermutungen und heiteren Spottreden erschöpft hatten , waren zurückgeblieben und erschraken jetzt , als sie sich plötzlich mit den Braut- und Totenkronen allein sahen , in denen es unter dem hereinwehenden Zugwind zu rascheln begann . Das Abendrot in den Scheiben war immer grauer geworden ; unheimlich sahen sie sich um und suchten nach dem Ausgang , den sie , bang und verwirrt , trotzdem sie ganz in seiner Nähe standen , nicht finden konnten . Endlich kam der Küster und geleitete sie hinaus . Sie machten ihm kein Hehl aus ihrer Furcht und nickten ihm freundlich zu , als er den Schlüssel wieder im Schloß drehte . Unter den Trümmern draußen - die spätere gotische Hälfte der Kirche war eingestürzt - fanden sich alle wieder zusammen ; aber ihres Bleibens war an dieser Stelle nicht . Sie lugten nur eben in einen stehengebliebenen Wendeltreppenturm hinein , zeigten einander die Ebereschensträucher , die auf den Schrägungen der Strebepfeiler mehr durch Schnee als Erdreich festgehalten schienen , und schritten dann über einen quadratischen Hof hin , der , von alten und neuen Klostergebäuden , von Klafterholz und Heckenzäunen eingefaßt , einen wunderlich gemischten Anblick von Glanz und Dürftigkeit gewährte . An einer stehengebliebenen Feldsteinmauer entlang , der man nach innen zu eine Art Sommerdach gegeben hatte , lief eine Kegelbahn , auf deren Lattenrinne die Kugeln wie in Schnee eingemauert lagen . In einer der Ecken dieses Schoppens waren Bohnenstangen kreuz und quer zusammengeworfen , während rechts daneben , wo das Klafterholz aufgeschichtet lag , auf einem überragenden Pfeilerstück ein paar Berberitzensträucher standen , die mit ihren tiefroten Beeren über die nachbarlichen , schon gelblich werdenden Ebereschenbüschel spotten zu wollen schienen . Alles das wurde nur im Fluge mitgenommen , und müde des Schauens , aber voller Verlangen nach einem Mittagsmahle , dem übrigens alle , die Jürgaß kannten , mit unbedingtem Vertrauen entgegensahen , stiegen jetzt die Paare einige neben dem Kegelschoppen befindliche hohe Stufen hinauf , die in ein langes , halb aus Feldstein , halb aus Backstein aufgemauertes Gebäude führten : das alte Refektorium . Es war eine hohe , halbzerstörte Halle , die nur an ihrem unteren Ende noch ein schützendes Dach hatte . Unter dieser geschützten Stelle war eine lange Tafel gedeckt , an deren einer Schmalseite - und zwar da , wo dieselbe die jenseitige Giebelwand zu berühren schien - ein mächtiges Kaminfeuer brannte , während an den zwei Langseiten hin sechs in Helm und Brustharnisch gekleidete Klosterknechte standen , alle mit Fackeln in der Hand . An jeder Seite drei . Das » Ah ! « , das laut wurde , war der eigentlichste Reisemarschallstriumph dieses Tages . Die Plätze waren gelegt . Lewin , der sich während des Besuches in der Kirche rascher , als es sonst wohl seine Art war , mit der schönen Matuschka befreundet hatte , saß zwischen dieser und Kathinka . Jürgaß präsidierte . Die hohe Kaminflamme in seinem Rücken , erhob er sich , um ein Wort der Begrüßung zu sprechen . » Ich heiße Sie , meine Freunde , willkommen in diesen Räumen , in denen ich selber ein Gast bin . Wie sie sich mir erschlossen haben , ist mein Geheimnis . Ob es der Frater Hermannus war , der , seine Weissagungen rezitierend , mich persönlich in Küche und Keller umherführte , oder ob aus näher liegender Zeit der Erbring meiner Vettern , der Bredows , hier seine Wunder wirkte , das eine wie das andere hüllt sich in Dunkel . Genug , wir sind da , und die Tafel ist gedeckt . Und nun , dienende Brüder , an euer Werk ! « Diese letzten Worte waren an vier zu beiden Seiten seines Sessels stehende Mönche gerichtet , die trotz der besten Absicht , als Lehninsche Zisterzienser angesehen zu werden , doch durchaus in dem Kostüm eines Maskenball-Kapuziners steckengeblieben waren . Sie trugen braune , mit einem Strick umgürtete Kutten , und während einer von ihnen die Humpen mit Werderschem Bier zu füllen , ein zweiter den Wildschweinskopf und dann den Hirschrücken umherzureichen begann , schritten die beiden andern langsam die Halle hinunter bis an die Stelle , wo das Dach fehlte und ein letzter Rest von Tageslicht auf den Fußboden fiel . Hier war eine Falltür aus alter oder neuer Zeit , in die jetzt einer der Fratres , der einen brennenden Kienspan in Händen hielt , hinabstieg , während der andere auf der aufgeklappten Tür stehenblieb und von Zeit zu Zeit neugierig in das Kellerloch hinunterblickte . Bald wurden Flaschen , die , weil sie weder Staub noch Spinnwebe zeigten , nicht lange an dieser Stelle gelagert haben konnten , hinaufgereicht und von dem obenstehenden Bruder in Empfang genommen , der dann mit einer Gewandtheit , an der sich die Jürgaßsche Schule leicht erkennen