von seinem Beruf , so soll man für ein Ideal gelten . « » Aber das müßt Ihr doch zugeben , « rief Orest , » daß der priesterliche Beruf oft zu herrschsüchtigen Zwecken mißbraucht worden ist . « » Lieber Bruder ! « sagte Hyazinth und legte seine beiden Hände auf Orests Schultern . » Du hast ja Deinen ganz guten Verstand ! also wende ihn doch an , ich bitte Dich flehentlich , um einen anderen Einwand oder Vorwurf aufzufinden , als jene klägliche Redensart : der Beruf kann mißbraucht werden ! - Das bedeutet gar nichts , denn das kann man von allem Guten , sowohl in der materiellen , als in der geistigen Schöpfung sagen . « » Es ist aber nirgends empörender , als im geistlichen Beruf ! « sagte Orest , » und deshalb will ich keinen Hausgeistlichen auf Stamberg . « » Mit dem Vordersatz bin ich vollkommen einverstanden , « entgegnete Hyazinth ; » allein der Nachsatz ist keine richtige Folgerung . « » Basta ! ich will es nicht ! « rief Orest heftig . » Ich muß wissen , was ich in meinem Hause zu tun und zu lassen habe . « Damit stürmte er fort . - Levin und Hyazinth hatten beide grenzenloses Mitleid mit Corona , und als sie allein waren , fragte Hyazinth den Onkel , ob es nicht seine Pflicht sei , sich so auf Stamberg niederzulassen , wie Levin auf Windeck . Aber Levin entgegnete : » Das waren andere Verhältnisse . Ich ging in mein elterliches Haus , nachdem ich meiner Stellung in der Welt beraubt war , und zu meiner totkranken Mutter . Der Platz konnte mir nicht wohl streitig gemacht werden ; er gehörte mir . Der Sohn des Hauses ist schwer zu entfernen . Du aber hast keine Heimatberechtigung auf Stamberg , und sobald Dein Bruder Deine Anwesenheit daselbst nicht wünscht , bist Du ein Eindringling und um so weniger auf einem haltbaren Platz , als Orest seinen Groll mit Dir gegen Corona auslassen würde . Sie hat es schwer - das arme Kind ! aber Gott steht ihr bei . Sie leidet und lächelt und schweigt : untrügliches Zeichen , daß sie sich heiligt . « Es blieb wie es war ! - Gleich nach Weihnachten begann Orest zu Corona von der Reise nach Paris zu sprechen . Sie machte keine Einwendungen . So quälend der dortige Aufenthalt für sie war , schien es ihr doch besser , mitzureisen , als ihn allein gehen zu lassen . Sie war aber außerordentlich leidend und der Arzt erklärte , in Rücksicht auf ihre Mutterhoffnung müsse er ihr jede Reise in so rauher Jahreszeit und jede Unruhe streng untersagen . Corona bat den Arzt , er möge selbst sein Verbot ihrem Mann kund tun , damit Orest nicht wähne , daß sie es sei , die ein Hindernis in seinen Plan lege . » Wie unangenehm ! « rief Orest ; » nun .... dann muß ich allein reisen ! « » Der Herr Graf werden doch die Reise etwas abkürzen , nicht wahr ? « sagte der Arzt , ein ältlicher , trockener Mann , der gewohnt war , seine Meinung unverholen zu sagen . » Wie so ? warum ? « rief Orest . » Weil die Frau Gräfin sehr leidend - und so ein einsamer Winter sehr lang für eine Leidende ist . « » O , meine Frau liebt ganz außerordentlich die Einsamkeit ! « rief Orest und traf seine Reiseanstalten . Corona kämpfte einen schweren Kampf mit ihrer Schüchternheit , bevor sie einen Entschluß faßte , zu dem sie sich durch ihre Pflicht gedrängt fühlte . Sie nahm als kleinen . Bundesgenossen Felicitas bei der Hand und ging eines Morgens mit ihr zu Orest , der eben beschäftigt sein Portefeuille zu ordnen und sehr guter Laune war . » Ah , Lili ! « rief er und nahm die Kleine auf den Arm ; » was soll ich Dir aus Paris mitbringen ? eine Puppe , so groß wie Du selbst bist , nicht wahr ? und eine Unmasse von Bonbon ! « » Lieber Orest , « nahm Corona mit leise bebender Stimme das Wort , » Lili und ich - wir möchten Dich um etwas ganz anderes bitten . « » Und das wäre ? « fragte er ziemlich gleichgültig . » Daß Du bei uns bliebest und für diesen Winter auf Deine Reise nach Paris verzichtest . « » Ah bah ! « sagte er im wegwerfenden Ton ; und zum Kinde : » Nicht wahr , Lili , Du willst Bonbon aus Paris haben ? « » Bitte , bitte ! « sagte die Kleine und klatschte in die Händchen , froh über die Aussicht auf Bonbon . » Siehst Du , Lili ist auf meiner Seite ! « rief Orest . » Lieber Orest , « entgegnete Corona mit schmerzlichem Lächeln , » wüßtest Du , wie mir zu Mute ist , so würdest Du nicht Deinen Scherz mit Lili treiben . « » Ich bitte Dich , laß Dich doch nicht durch den Doktor hypochonder stimmen ! « sagte Orest unmutig . » Es ist ja der Vorteil dieser Herren , die Menschen ängstlich über ihr Befinden zu machen damit man sich desto mehr an sie wende . « » Du tust dem guten Doktor und mir Unrecht , lieber Orest . Er hat nur seine Schuldigkeit getan , indem er mich von der Reise zurückhielt , und ich bin wahrlich nicht besorgt um mein Befinden , das körperlich und vorübergehend ist , sondern nur besorgt um Dich und Deinen Seelenzustand . « » Die Sorge überlasse mir ! « » Aber , lieber Orest , Du behandelst ihn nicht mit Sorgfalt ! Du stehst unter irgend einem unglücklichen Einfluß , dem Du Dich willenlos , besinnungslos überläßt , und der Dich Deiner Frau , Deinem Kinde , Deinem Hause , Deiner