die Augen sinnend in dem kleinen friedlichen Raum umherschweifen , wo er Alles , Alles besaß , was ihn zum Glücklichsten der Menschen hätte machen können , Alles , was das Herz eines braven , rechtlichen Mannes mit Stolz erfüllen mußte . Aber der Ehrgeiz hatte die scharfen , giftigen Krallen in seine von wilden Leidenschaften durchwühlte Brust gehauen , - kalte Berechnung allein leitete seine Handlungen , und das Heiligste opferte er rücksichtslos dem eigenen Ich . Wohl giebt es Tausende , wie er war - Menschen mit eisernem Herzen , die eben so kalt und entsetzlich in das Leben hineingreifen und alles Andere rücksichtslos unter die Füße treten , wenn sie nur für sich jede Lust , jede Befriedigung ihrer Wünsche erlangen können ; aber der kecke , tollkühne Muth fehlt ihnen , den der Piratenhäuptling in so entsetzlichem Maße besaß - sie strecken die spitzigen , behandschuhten Finger vorsichtig aus , daß sie nirgends anstoßen , und nur dann , wenn sie sich vollkommen unbeachtet wissen , zeigen sie sich in ihrer wahren Gestalt . - Und die Welt ehrt sie - das Gesetz schützt sie , denn » es ist ihm gegen sie ja nichts bekannt geworden , « aber dennoch fluchen ihnen zahllose Unglückliche , die sie elend gemacht , die Verwünschungen der Wittwen und Waisen heften sich an ihre Sohlen , und Schätze und Reichthümer , in verzweiflungsvoller Stunde an fromme Stiftungen hinausgeschleudert , können nicht die feige Angst der letzten Augenblicke betäuben . Anders war es mit dem Führer jener gesetzlosen Schaar - seine Rechnung mit dieser Welt hatte er abgeschlossen und ruhig und fest sein Facit gezogen . Er scheute weder den Tod , noch achtete er das Leben , deshalb aber war er gerade so entsetzlich , so fürchterlich geworden , denn die Gesetze der Menschen konnten ihn nicht mehr schrecken , Glaube und Schwur an das Heiligste ihn nicht mehr binden . Fest und bestimmt ging er seine verbrecherische Bahn , und wie auf dem Brett die Schachfiguren , so stellte und benutzte er die Menschen zu seinen Zwecken und Plänen - nur dann besorgt um sie , wenn ihr Verlust ihm selber schaden konnte . Und jetzt , als er so dastand und wilde Scenen des Bluts und Entsetzens vor seinem innern Auge vorüberglitten , schweiften seine Blicke , im Anfang fast bewußtlos , über den kleinen , freundlichen Raum hin , der ihn umschlossen hielt . Mehr und mehr aber hafteten sie an den einzelnen Gegenständen , die Gegenwart erzwang sich den Eintritt in sein Herz , und zum ersten Mal vielleicht seit langer Zeit durchzuckte ihn ein Gedanke an das , was er sein könnte , an das , was er war . - Hier - hier wohnte Liebe und Treue - hier schlug ein Herz für ihn , das ihm mit freudigem Lächeln in Noth und Elend gefolgt wäre - hier athmete ein Wesen , das nur in ihm seine Seligkeit kannte , - und er - ? Die Sonne schien warm und freundlich in das trauliche Gemach , die finsteren Nebelschatten hatte sie überwunden und spielte jetzt in funkelnder Luft mit den Staubkörnchen , die der Schritt des finstern Mannes aufgeregt hatte , legte sich über die bunten Farben des Teppichs hin , dem sie noch weit höhern Glanz verlieh , und drang wie ein neugieriges Kind in alle Winkel und Ecken . Dort aber , an dem einen Fenster , wo sich ihre Strahlen erst sanft und leise durch blühende Myrten- und Rosenstöcke stahlen , die Orangeblüthe küßten und die sanfte Vanille , und einen purpurnen Schein zogen um die blaurothen Glocken der prachtvollen Fuchsie , da ruhten sie auch um so friedlicher und lieber auf dem freundlichen Plätzchen der Herrin vom Hause : auf dem weichgepolsterten Stuhl und dem kleinen zierlichen Mahagoni-Nähtisch , auf den Strick- und Arbeitskörbchen und dem kleinen eingespannten Stickrahmen . Selbst nach der zierlichen Fußbank blinzelte ein etwas gar zu geschäftiger Strahl hinab , und von Blumen und grünem Laub umgeben , auf dem noch die klaren Perlen des Frühtrunks blitzten und funkelten , lag ein Zauber über dem Ganzen , der nicht beschrieben , nur gefühlt und empfunden werden konnte . Und in diesem Kreise häuslicher Glückseligkeit und Ruhe stand die dunkle ernste Gestalt des Mannes , der ihn zum Paradies hätte schaffen können , wie der vernichtende starre Todesengel - die Faust schon zum letzten fürchterlichen Schlage erhoben . Sein Auge aber , das immer wilder und ängstlicher den Raum überflog , haftete endlich , fast unwillkürlich , an dem Bilde seines Weibes , das neben dem seinigen dort drüben hing . Das waren die sanften Engelszüge des holden Angesichts , die mit freundlichem Lächeln zu ihm herüberblickten , das war das treue dunkle Auge , das ihm damals Liebe - Liebe , wie sie nur das Weib gewähren kann , geschworen , und ihren Schwur nie - nicht einmal durch einen leisen Gedanken gebrochen hatte , - und er ? Starr und regungslos stand er dort , seine Hände hatten sich krampfhaft geballt und Alles um ihn her schien sich plötzlich im tollen , wirren Kreise mit ihm zu drehen . Da rang sich das Herz noch einmal frei , einmal noch tauchte es auf aus Sünde und Verbrechen , die Zeit kehrte vor sein inneres Auge zurück , wo er zuerst die holde züchtige Jungfrau gesehen und um sie geworben hatte . Was hatte er ihr damals gelobt , welche Schwüre hatte er der hold Erröthenden in das Ohr geflüstert , und jetzt - jetzt ? War er nicht hierher gekommen , um diesen Raum auf immer zu meiden ? War er nicht hierher gekommen , um Die zu verlassen , die kein Glück weiter kannte als das , welches sie an seiner Seite , in seiner Liebe fand ? Wollte er nicht jetzt mit roher Hand das Band zerreißen , das in dem Herzen seiner Gattin die festen , unzerreißbaren Wurzeln geschlagen ? Der