die Enge treiben kann . - Nach meiner Meinung müssen wir den Feind von vorn und im Rücken zugleich angreifen , daß ihm zur Flucht oder Gegenwehr gar nicht viel Zeit übrig bleibt . Es geschieht ihm noch Ehre genug , wenn er sich auf Gnade oder Ungnade ergeben muß . Theilen wir uns demnach in die Rollen und handeln wir besonnen und ohne Verzug . - Ich und Leberecht , wir wandern morgenden Tages nach dem Zeiselhofe , um die Dokumente aufzusuchen , die noch unangetastet dort zu finden sein müssen . Mit diesen und der bewußten Schenkungsurkunde treten wir mit offner Klage gegen die Gebrüder Boberstein auf und der Prozeß nimmt seinen Gang . Während dies in der Stille von uns eingeleitet wird , geht Paul mit Eduard in die Haide , besucht Martell und theilt ihm mit , welche Gerüchte von dem hartherzigen Gebieter im Volke umgehen . Martell kann Alles von Euch erfahren , nur nicht , daß er selbst jener verstoßene Sohn des Grafen Magnus ist . Bei seiner ungestümen Wildheit könnte eine solche Nachricht zu entsetzlichen Auftritten führen . Diese müssen wir um unsrer selbstwillen vermeiden . Ist es Euch gelungen , überall unter dem arbeitenden Volke diese Gerüchte möglichst in Umlauf zu setzen , so kehrt Ihr zurück in meine Heimath , wo wir uns treffen und das Nächste dann weiter besprechen wollen . « Schweigend reichten die Freunde einander die Hände und legten dadurch das Gelöbniß ab , sich in Verfolgung ihrer Zwecke mit Rath und That ohne Wanken beizustehen . Zu ungewöhnlich später Stunde verließ Leberecht mit seinem Sohne den Kretscham und ging durch das längst in tiefem Schlaf versunkene Dorf nach seinem kleinen , verschuldeten Häuschen zurück . Fußnoten 1 Eine leere Spule von Schilfrehr . Zweites Kapitel . Martell , der Spinner . Am dritten Tage nach dieser Unterredung erreichten spät Abends Paul und Eduard ein kleines Haidedorf , das kaum eine Stunde von der ehemaligen Burg Boberstein entfernt war . Sie beschlossen die Nacht hier zuzubringen und am nächsten Morgen sehr früh nach dem Dorf am See aufzubrechen . Damit ihr Kommen möglichst absichtslos erscheinen möge , hatte Eduard seinen Garnsack mitgenommen , um ihn von Neuem zu füllen . Der Morgen war hell und kalt . Starker Reif lag weißglänzend auf Feld und Wald . Die langsam rieselnden Bäche setzten Eis an und über der rauschenden Haide lagerte in weiter Ausdehnung eine breite und hohe Schicht blaugrauen Dunstes . Ueber dieser schimmerte blauer Himmel und an diesem empor flatterten hart neben einander zwei dunkele sich ewig bewegende Rauchsäulen . Sie verkündeten die ununterbrochene Thätigkeit der Fabrik . Umschlossen von neuem Baumwuchs und von kleinen mit Dornen eingehegten Feldern , auf denen jetzt das Kartoffelkraut braun , welk und vom Nachtfrost erstarrt sich zur bereiften Erde herabbeugte , lag das zu Boberstein gehörige Dorf . Hier wohnten blos Fabrikarbeiter mit ihren meist zahlreichen Familien . Der Ort war gassenartig gebaut und schmiegte sich halbkreisförmig um die Ufer des Sees . Alle Häuser in dem Dorfe waren klein , niedrig und von armseligem Aussehen . Ordnung und Reinlichkeit vermißte man vor den Thüren und auf den Gassen . Die Zäune , welche jedes Haus umzirkte , waren schlecht gehalten , selbst die wenigen kleinen Gärtchen , die sich hin und wieder zeigten , ließen die pflanzende Hand eines Gärtners schmerzlich vermissen . In diesem Wohnort der Fabrikarbeiter , der das traurige Bild einer völlig verarmten Gemeinde , einer Bevölkerung , wenn nicht von Bettlern , doch gewiß von Menschen darbot , die kümmerlich nur von einem Tage zum andern ihr sorgenschweres Leben hinfristen , traten mit Aufgang der Sonne unsere beiden jungen Freunde . Der gelbe beizende Rauch , der aus den Hütten aufstieg , wirbelte in dicken Wolken über die Strohdächer , und wälzte sich , nidergedrückt von der kalten Morgenluft , an der Erde fort . An dem eigenthümlichen Geruch desselben war das Feuerungsmaterial - halbtrockenes Kartoffelkraut - nicht zu verkennen . Obgleich mitten im Walde wohnend , konnten die Spinner doch kein Holz kaufen , weil ihr Verdienst zu solchen ungewöhnlichen Ausgaben nicht hinreichte . Nur die sogenannte Streu , der Abfall von Tannicht , das verdorrte Waldkraut und abgestorbenes Gestrüpp , das alte Mütterchen und Greise oder kleine Kinder zusammenlasen , diente den Meisten zur Feuerung . Auf der Fabrik läutete eben die Glocke zum Arbeitswechsel und die beiden Wanderer erblickten durch den über dem See schwimmenden Nebel die Fähren und Kähne , welche die ab- und antretenden Arbeiter herüber und hinüber beförderten . Fast zugleich mit ihnen landeten die abgelösten Spinner und zerstreuten sich nach verschiedenen Richtungen in ihre Häuser . Eduard , schon bekannt mit dem Leben und Treiben , achtete wenig darauf , Paul dagegen war ganz Auge und verschlang See , Fabrik und sonstige Umgebung mit gierigen Blicken . Er sprach kein Wort , allein das tiefe Athemholen und das hastige Umsichblicken verrieth seine heftige Aufregung . Der Geist seiner verstorbenen Mutter , die hier so viel gelitten hatte , umschwebte ihn . » Dort ist unser Quartier für heute , « sagte Eduard , mit seinem Wanderstecken auf ein niedriges Häuschen zeigend , das gleich den übrigen mit Stroh gedeckt und von einem schadhaften Zaune eingehegt war . » Dort wohnt der arme Martell mit seiner Familie . « » Martell , der rechtmäßige Mitbesitzer dieser Wälder mit ihren zahlreichen Dörfern und Höfen , in solche Hütte verbannt ! « versetzte Paul . » Das ist mehr als hart , das ist grausam , das ist teuflisch ! « » Bedenke , daß wir die ersten Schritte thun , um diese Härte eines ungerechten Verhängnisses in Milde zu verwandeln . « Eduard legte seine Hand auf die hölzerne Thürklinke . Sie gab nach und Beide traten in einen mit Rauch erfüllten Vorraum , dessen Fußboden aus brüchigem , schlüpfrigem Estrich bestand . Die Stubenthür , nur in einer Angel noch hängend , stand halb offen und ließ dem beizenden Rauch