der Rose Geist steigt höher , wenn ihre Schönheit verblühte . - Im Geist blühen tausend Rosen , die Sinne sind der Boden , aus dem das Schöne in den Geist aufblüht , die Sinne tragen die Rosen , sie blühen in dem Geist auf . - Der Geist ist der Äther der Sinne , - die Rose berührt den Atem , das Gesicht und das Gefühl ! - Warum bewegt die Rose das Gefühl ? - Atme ihren Duft , und Du wirst bewegt ; - gewiß liegt in ihrem Dasein Seligkeit , die nur ihr eigen ist , - gewiß war diese Seligkeit einmal die Deine - und jetzt , wo Du ihren Duft einatmest , fühlst Du den Geist der Rose , die längst verblühte , in Dir fortblühen . Was ist Erinnerung ? - Erinnerung ist viel tiefer , als sich auf das besinnen , was wir erlebten . Auch in ihren Verwandlungen berührt sie ewig den Geist - sie ist unendlich - sie wird Gefühl - dann wird sie Gedanke , der reizt den Geist zur Leidenschaft ; als Leidenschaft erzeugt sie den Geist aufs neue . Aus jedem Lebenskeim entsteht Leben , Leben erzeugt fortwährend Lebenskeime , die alle blühen müssen . Alles Erlebte ist Lebenskeim , die Erinnerung trägt sie im Schoß . Ich weiß wohl , warum von Rosen die Rede war mit den Sternen . - Einmal war ich heiter geworden , wie der Ephraim fort war , - und dann schwamm noch rötlich Gewölk am Himmel , als ich oben auf der freien Warte ankam , und dann will ich nie wieder unfrei atmen ! Das ist nicht meine Sach , unter der Last keuchen ! - Setzest Du mir nicht einmal ums andre immer wieder neue Flügelpaare an , und die Sterne , wie lehren die mich doch die Flügel schwingen ! Und trag ich nicht Dein Leben in meiner Brust und meines auch ? - Und wenn ich so viel Flügel hab , was soll mir eine Last sein ? - Alles schwing ich auf gen Himmel , Schweiß wird mir ' s kosten , warum nicht Lasten tragen , wenn ich sie aufschwingen kann in die Himmel . - - Was ist das , ein Athlet sein und nicht den Erdball auf den Fingern tanzen lassen ? - Haben wir ' s nicht ausgemacht , wir wollen das gemeine Leben unter uns sinken lassen , haben wir nicht zueinander gesagt , laß uns schweben und nicht an diesem oder jenem festhalten ? - Und war ' s nicht das erste , worauf wir unser Sein begründeten , daß wir alles wollten wagen zu denken ? - Und ist der nicht unsinnig , der das Denken wollt vor die Türe stoßen , weist der nicht göttliche Botschaft ab , - und warum ist denn nur Geist , was frei schwebt , und was sich anlehnt , ist nicht Geist ? - O ja ! das begeistert mich , so zu denken , und der Nebel umflort Dich nicht mehr , und es ist hell , wie ich Dich denk - und wenn auch . - Wir können wohl über die Nebel hinaussteigen , - Deine Fittiche wolle Dir nicht brechen lassen , ich sag Dir gut , daß ich die Erde und ihren Frevel am Geist in Banden halten werd . - Was ist ? - Was kannst Du gewinnen , was Du nicht wagst ? - Und was Du verlieren kannst , lohnt es der Mühe es zu bewahren , Du verlierst nur , was Du nicht wagst . - Ein Held sein und sich vor nichts fürchten , da kommt der Geist geströmt und macht Dich zum Weltmeer . - Die Wahrheit erfüllt Dich , der Mut umarmt die allumarmende Weisheit . - Die Wahrheit sagt zum Mut , brich deine Fesseln , - und dann fallen sie ab von ihm . - Der Schein ist Furcht , die Wahrheit fürchtet nicht , wer sich fürchtet , der ist nicht wirklich , der scheint nur . - Furcht ist Vergehen , Erlöschen des wahrhaften Seins . - Sein ist der kühnste Mut zu denken . Denken ist gottbewegende Schwinge . - Wie sollte das göttliche Denken sich an die Sklavenfessel legen ? - Ist das , was Ihr für wahr ausgebt , Wahrheit , so schwing ich mich im Denken zu ihr auf . - Wenn ich mich aufschwinge , so ist ' s in die Wahrheit , lieg ich an der Fessel , so bin ich nicht an die Wahrheit gekettet . Freisein macht allein , daß alles Wahrheit sei , von was ich mich fesseln lasse , das wird zum Aberglauben . Nur was geistentsprungen mir einleuchtet , das ist Wahrheit , - was aber den Geist fesselt , das wird Aberglaube . Geist und Wahrheit leben ineinander und erzeugen ewig neu . - So hab ich mich freigemacht von meiner Furcht , weil Furcht Lüge ist . - Und Mut muß die Lüge überwinden . Und ich bin wieder eins mit Dir . Ach , wieviel Strahlen brechen sich doch heut in meiner Seele ! Adieu und der Lulu hab ich versprochen , daß ich mit nach Kassel geh , sie schreibt : nur auf drei Wochen . - An die Günderode Ich bin heut auf mancherlei Weise beglückt , erstlich hab ich heut wirklich einen Rosenstock in meinem Zimmer stehen , den mir einer heimlich hereingestellt hat , mit siebenundzwanzig Knospen , das sind Deine Jahre , ich hab sie freudig gezählt und daß es grad Deine Jahre trifft , das freut mich so ; ich seh sie alle an , das kleinste Knöspchen noch in den grünen Windeln , das ist , wo Du eben geboren bist . Dann kommt das zweite , da lernst Du schon lächeln und dahlen mit dem kleinen grünen verschlossenen Visier Deines Geistes , und dann das dritte , da bist Du nicht mehr festgehalten ,