, dem neuen Günstling , und dem zurückgekehrten , der , von seiner Gemahlin unterstützt , Alles versuchte , die alten Rechte wieder zu gewinnen . Overbury hatte indessen Freunde gefunden , die , von Buckingham begünstigt , das Recht der Verurtheilten aufs Neue beleuchteten , und Jakob fing selbst an aufmerksam zu werden , als der Beweis sich zuerst kund gab , Overbury habe die Summen , die er nicht nachzuweisen wußte , nicht veruntreut . Dies war die Losung für Lady Franziska , welche , vom Laster einmal ergriffen , jetzt keine Handlung mehr scheute , die sie der öffentlichen Schande entziehen und ihre geheime Rache befriedigen konnte . Overbury ward vergiftet in seinem Kerker gefunden , mit ihm zur selben Zeit starb eines gewaltsamen Todes sein Sekretair , derselbe , der durch die genaue Ordnung und Darlegung aller seinen Herrn vertheidigenden Papiere der Sache diese Wendung gegeben . Diese wichtigen Dokumente selbst waren verschwunden , aber eine furchtbare Gerechtigkeit erstand gleich nach Lautwerdung dieser Greuel in der öffentlichen Meinung . Mit Fingern wies man auf Lady Franziska und ihren Gatten , und es bedurfte nur geringer Anzeichen , um ihnen aufs Neue die Wohnung des Towers anzuweisen , auf dessen düsterer Schwelle sie nun der Schatten ihres gemordeten Wohlthäters empfing . Hier bildete sich in dem unglücklichen Verbrecher , dem kaum dreißigjährigen Lord Sommerset , die furchtbare Verwirrung des Geistes aus , die , durch so viel Schuld veranlaßt , späterhin der rächende Begleiter seiner Tage ward ; und so hartnäckig der Widerstand seiner Gemahlin blieb , so leicht waren doch seinem erschütterten Geiste die Aussagen entrissen , die das Oberhaus bedurfte , um Beide des Lebens für verlustig zu erklären . Lange zögerte Jakob , obwol die Richtigkeit des Urtheils anerkennend , mit der Vollziehung . Die Zeit verwischte das Andenken dieser Greuel erst aus den Kreisen der Unterhaltung , dann aus den Gedanken der Menschen überhaupt . Ob sie lebten , ob heimlich das Urtheil an ihnen vollzogen , oder ob sie in einer strengen Verbannung gehalten würden , war zweifelhaft , zuletzt gleichgültig ; und Jakobs Räthe , die den Kampf ihres Herrn kannten , durften zuletzt wagen , ihm selbst vorzuschlagen , die Gefangenen nach dem alten Schlosse der Howards an der Ostküste von England zu bringen . Sein Wunsch ward dadurch erfüllt ; denn es kränkte ihn zu sehr , ein Mitglied aus der Familie Howard und seinen ehemaligen Liebling den öffentlichen Verbrecher-Tod sterben zu lassen . So führte sie ein sicheres Geleit dahin , wo sie den Strafen der Einsamkeit und ihren Sünden überlassen blieben . Man behielt lange die Gewohnheit , zuweilen durch königliche Kommissarien von ihrer Gegenwart sich zu überzeugen , und dies Recht blieb auch noch immer dem nächsten Gerichtshofe , zu jeder beliebigen Stunde das Schloß und die Bewohner zu besuchen , und von ihrer Gegenwart sich zu überzeugen . Nach dem Tode des unglücklichen Herzogs , dessen Wahnsinn , durch die harte Behandlung seiner Gattin vermehrt , ihm so früh den Tod gab , wie wir schon aus Margariths Bericht ersehen haben , hörten die lästigen Besuche immer mehr auf , sie blieben aber die Hauptveranlassung einer so sorgfältigen Verheimlichung der katholischen unterirdischen Kirche , da diese nicht so schnell als die Kleider oder die Personen , die Verdacht erregen konnten , zu verbergen war . Lady Franziska hatte auf den Rath ihrer geistlichen Freunde mit dem letzten Richter der Stadt Gersey , dem diese Obliegenheit ward , eine Abkunft durch Entrichtung einer Summe Geldes getroffen , und ihr vorrückendes Alter als Motiv ihres Wunsches genannt , unbehelligt von jenen lästigen Nachweisungen verbleiben zu können . Dies hatte den besten Erfolg gehabt , da der Richter , selbst in hohen Jahren , sich gern dieser Verpflichtung überhoben sah , und ihm die Gegenwart der Verbannten viel angenehmer veranschaulicht ward durch einen monatlichen Revers , den er ihr für die empfangene Abfindung ausstellte . Denn die Nothwendigkeit , sich einer Frau gegenüber zu stellen , über deren Verbrechen seit dem Tode ihres Gemahls , wie über ihre Geisteszerrüttung so übertriebene Gerüchte in der kleinen Stadt herrschten , daß Jeder das Schloß als einen Pfuhl der Hölle floh , war stets eine lästige Pflicht . - Dies ist die Geschichte einer Frau , in deren Nähe wir unsere junge Heldin haben führen müssen , und indem uns der Wahrheit nach nur vergönnt war , ihre Lage als ungünstig und unerfreulich zu bezeichnen , ja , als von einer Unsicherheit umgeben , die unsere Theilnahme erregen könnte , müssen wir sie doch auch auf einige Zeit verlassen , um uns in Zusammenhang mit den Dingen zu setzen , die anderswo sich als einflußreich auf ihr Schicksal erzeigen werden . Und zwar müssen wir in manchen Beziehungen uns erlauben , eine Zeit flüchtig zu berühren , in welche wir unsere Leser früher bereits eingeführt haben . Dritter Theil Die beiden Lords , Ormond und Richmond , hatten zwar die Gewißheit , Lady Melville werde mit ihrem Willen von Membrocke geleitet , aber bei dem lebhaften Protest des Fräuleins gegen jeden Gedanken einer Entführung hatten sie gleichwol sich überzeugt , daß sie dessen ungeachtet das Opfer einer Täuschung ward , wofern nicht ihrem ganzen Handeln ein Geheimniß anderer Art zum Grunde lag , das sie ihnen zu verheimlichen gesucht hatte . Den Rückweg bis zum Schlosse legten sie unter tausend Plänen und Vermuthungen über dies Ereigniß zurück , wobei sich indeß das Herz Beider sträubte , ihr eine innigere Verbindung mit Lord Membrocke als Grund unterzulegen , wozu ihre Handlungsweise an und für sich allerdings einigen Verdacht darbot . Die Hauptfrage blieb indeß , was unter solchen Umständen ferner für sie zu thun sei . Denn hätte sie auch durch die genossene Gastfreundschaft sich verpflichtet halten können , Rechenschaft von ihren Handlungen zu geben , so war ihr doch das Recht unbestritten , über sich selbst zu verfügen , und hiermit auch den Nachforschungen ihrer Freunde eine Grenze gesetzt . Zwei