, aber der selige Herr ist darüber gestorben , und nun haben wir ihn selbst dort als Mumie vorderhand beigesetzt , weil kein andres Gelaß dafür übrig war . « - Er zog an einer Schnur , der Vorhang flog zurück , und Hermann erblickte auf einem Stufengerüste in der Nische einen Sarkophag in ägyptischem Geschmack . Ohne sich durch seinen Ruf , daß er nach dem Anblicke nicht verlange , irremachen zu lassen , hob der Bediente in seinem Eifer , dem Fremden die größte Seltenheit des Hauses zu zeigen , den Deckel ab , und Hermann mußte mit Widerwillen eine eingetrocknete menschliche Gestalt , von weißem Faltengewande bekleidet , wahrnehmen , welcher die Kunst diesen kümmerlichen Scheinbestand gesichert hatte . Er wandte sich nach kurzem Hinblick ab , zur Verwundrung des Bedienten , welcher diesen Abscheu nicht begreifen konnte , und seinerseits die größte Zufriedenheit über den so wohl erhaltnen seligen Herrn aussprach . Der Gedanke , mit einem Leichname unter Dach zu sein , war nicht angenehm . Die albernen Einrichtungen und Zusammenstellungen des Hauses verwundeten Sinn und Auge . Das Getöse , welches die jungen Leute machten , war oft unleidlich . Eine große Menge hinterlaßner Kanarienvögel , für welche Tierart der Domherr eine besondre Vorliebe gehabt hatte , warf in dieses Wirrsal die schmetternden , ohrzerreißenden Töne . Wollte er dem Schwindel draußen entgehn , so schreckte ihn der vernachlässigte Garten , in welchem allerorten wilde Ranken und Sprossen überwucherten , wieder in das Haus zurück . Flämmchen sah er wenig . Sie fuhr in der Nachbarschaft umher , eine große Ballgesellschaft zusammenzubitten . » Gebt acht « , hatte sie beim Einsteigen gesagt , » wenn ich nur selbst komme und ihnen das Wort gönne , so fliegen alle alten und jungen Gänse in meinen Stall . « Die braune Zigeunerin umschlich ihn mit sonderbaren Blicken . Noch immer sah er sie Kräuter sammeln , welche sie aber jetzt zu eignen Heilzwecken verwendete . Sie machte nun selbst den Arzt , täglich kamen Leute aus der Gegend zu ihr ; man hielt sie für eine Wundertäterin , und ihr Ruf stieg um so höher , als sie nie Bezahlung nahm . Sie schien unsrem Freunde etwas vertrauen zu wollen , denn sie machte sich oft ein Gewerbe bei ihm , und sah ihn dann so eigen an , daß ihm in ihrer Nähe wunderbar zumute ward . Er wünschte sehnlich die Rückkehr des Boten herbei , denn er wollte nur Johannen zum Wagen führen , um dann sogleich in die selbstgewählten Beschränkungen einzutreten , da er doch wohl einsah , daß er keinen Einfluß auf Flämmchen habe . Dreizehntes Kapitel Nur wenn er sich bewußt ward , daß er Johannas Wandnachbar sei , oder wenn er bei ihr verweilen durfte , empfand er eine Beruhigung in diesem Treiben . Er war viel bei ihr , aber doch nicht so oft , als er wünschte . Eine Zärtlichkeit ohne Leidenschaft trieb ihn gegen sie , er begriff nicht , wie er nach ihrer Abreise sich werde zu fassen imstande sein , und doch konnte er Corneliens zu gleicher Zeit gedenken , lebhaft und schmerzlich nach ihrem , ihm für immer entzognen Besitze verlangen . Er wollte sich Vorwürfe über diese Doppelempfindung machen , die seinem Verstande zweideutig erschien , aber es stellte sich keine Reue ein , sein Gefühl blieb unversehrt . Er war ein Fremdling in seinem eignen Herzen geworden . Es gibt nicht Erquickenderes , als den Anblick einer großen vornehmen Seele , welche das Unglück als etwas ihr Gehöriges , als das heilige ihr von den obern Mächten verliehene Eigentum nimmt und hinnimmt , während kleine Gemüter sich gegen dieses Erbteil unsres Lebens unter Winseln und Wehklagen fruchtlos sperren . Johanna war ruhig , selbst heiter . Sie verhehlte gegen Hermann nicht , daß ihr Los ihr für immer zerstört zu sein scheine , » aber « , setzte sie hinzu , » wie unendlich wohler ist mir jetzt , wo ich die Brandstätte überschaue , als damals , wo ich noch mit Rauch und Flammen unselig kämpfte ! « Über die Geheimnisse ihrer unglücklichen Ehe , über Medons Charakter , und die plötzliche Wendung seines Schicksals beobachtete sie ein strenges Stillschweigen . Einmal hatte Hermann versucht , von weitem und in der bescheidensten Weise ihre Lippen über diese Dinge aufzuschließen , war aber mit den Worten , daß man von unheilbaren Schäden nicht reden müsse , zurückgewiesen worden . Alle diese sonderbaren Verwicklungen blieben ihm also tief zugehüllt , und er brachte von denselben nur in Erfahrung , was die Gerüchte aus der Hauptstadt meldeten , aus welcher ihm während dieser Tage mehrere Briefe zukamen . Sie sprachen von einer großen Verschwörung , welche auf den Umsturz des Thrones und auf Fürstenmord berechnet gewesen sei . Die bedeutendsten Männer seien in das Komplott verflochten , selbst Staatsminister bezeichne die öffentliche Stimme wenigstens als entfernte Teilnehmer . Einen dieser Briefe , den ihm Madame Meyer geschrieben , mußte er Johannen , wiewohl er es ungern tat , zum Lesen geben , da er mehreres für sie insbesondre enthielt . Nachdem sie ihn durchgelesen , sagte sie : » Es steht besser und schlimmer , als diese Zeilen berichten . « Sehr wohltuend war das Verhältnis , in welches sie sich zu den Umgebungen gesetzt hatte . Zuvörderst war in den Zimmern , welche sie innehatte , unter ihren und Hermanns Händen Ordnung und Ebenmaß entstanden , alles Anstößige hatte sich aus denselben still verloren , manches würdige Kunstwerk , welches der Domherr denn doch auch mit vielem Tande zufällig hin und wieder erworben , war ihr von Flämmchen und der Dienerschaft , als müsse dieses so sein , zugebracht worden . So hatten ihre Gemächer bald das Ansehen einer schönen Insel inmitten eines wüsten Meeres von Unsinn . Von dem Getöse , welches unsrem Freunde so beschwerlich fiel , schien sie nichts zu vernehmen . Als ihr Hermann seine Bewundrung über dieses