nicht hätten bekannt werden sollen , und die unerhörten Begebenheiten regten die ganze Nachbarschaft auf . Nur Wenige hatten seit Kurzem dunkel vernommen , daß die Gräfin schon früher vermählt gewesen und sich als Wittwe mit dem Grafen verbunden hätte ; denn der Prediger , von dem die dunkle Nachricht herrührte , hatte selbst nichts weiter darüber erfahren können , als was er aus dem Munde der Professorin in ihrer ersten Ueberraschung vernommen hatte . Jede spätere an dieselbe gerichtete Frage über diesen Gegenstand war kurz abweisend und mehr als verdrüßlich beantwortet worden . Selbst der Bruder der Gräfin hatte sich auf keine Erklärung der nähern Umstände eingelassen und die deßhalb an ihn gerichteten Fragen nur einsylbig beantwortet , so daß diese erste Verbindung der Gräfin zu allerlei seltsamen Gerüchten Veranlassung gab , denn es fiel Niemandem ein , daß man erlebte Schmerzen mit undurchdringlichem Schleier könne verhüllen wollen , um sie nicht zum Gegenstande gleichgültiger Gespräche zu machen , sondern man nahm mit der gewöhnlichen Lieblosigkeit müßiger Menschen an , daß nur nachtheilige Umstände denen verschwiegen werden könnten , die sich alle für die Freunde des Hauses erklärten . Diese Ansicht war in der ganzen Gegend umher die allgemeine geworden , als man auf einmal das höchst Seltsame erfuhr , die Gräfin habe aus früherer Ehe einen Sohn , und da die Entdeckung des Sohnes mit früheren Gerüchten in Verbindung gebracht wurde , so lautete die sich allgemein verbreitende Nachricht , ein bekannter französischer Spion sei als der Sohn der Gräfin erkannt worden , und da man meinte , daß ein Spion nur ein sehr niedriger Mensch sein könne , so erklärte man dieß für einen Umstand , der einen finstern Schatten auf die frühere Verbindung der Gräfin werfe , und dieß alles eigentlich ohne böse Absicht , sondern nur , um durch eine seltsame Begebenheit die einer langweiligen Ruhe hingegebene Seele lebhaft anzuregen . Es vereinigte sich also um diese Zeit im weiten Umkreise von Hohenthal keine Gesellschaft , die nicht diesen Gegenstand verhandelt hätte , und da Jedermann die Sache etwas anders erzählte , als er sie vernommen hatte , so war sie endlich in dem Munde der Letzten so seltsam und abentheuerlich geworden , daß die , von welchen die ersten Nachrichten ausgegangen waren , die lebhafteste Freude über die neuen Aufklärungen dessen , was ihnen in der Sache dunkel geblieben war , empfanden . Es konnte unter solchen Umständen nicht fehlen , daß täglich neugierige Besucher auf Schloß Hohenthal erschienen , die , die innigste Theilnahme vorgebend , mit Fragen auf den Grafen und die Gräfin eindrangen , deren ruhige Beantwortung eben so viel Standhaftigkeit erforderte , wie man bedarf , um eine schmerzhafte Operation mit Gelassenheit zu ertragen . Um diesem sich täglich erneuerndem Uebel auszuweichen , änderte der Graf den früher entworfenen Lebensplan und schlug seiner Gemahlin vor , den Winter in Berlin zuzubringen . Mit Freuden wurde dieser Vorschlag von der Gräfin angenommen , die noch mehr als der Graf durch die sich stets vermehrenden Wogen des öffentlichen Geschwätzes litt . Von der lebhaften Adele , die sich im Winter auf dem Lande langweilte , konnte nur eine freudige Einwilligung erwartet werden , und der Graf beredete den Obristen Thalheim leicht , sich der Gesellschaft anzuschließen , denn er wollte den Greis , der nur mit ihm und seinen Hausgenossen umging , nicht der trüben Einsamkeit überlassen . Die Anstalten zur Abreise waren bald getroffen . Der Graf Robert war über diesen Entschluß höchst erfreut , und bis zum Entzücken wurde diese Freude gesteigert , als er erfuhr , daß auch seine schöne , zärtlich geliebte Braut Theil an dieser Reise nehmen würde . Auch die Professorin wollte ihre Rückreise antreten , aber nur , um im Frühlinge zurückzukehren und dann ihr Leben in ihrer geliebten Heimath zu beschließen . Sie hatte die gemachte Erbschaft dazu angewendet , ein großes Bauerngut in des Grafen Herrschaft zu kaufen . Dieser hatte dieß Gut von allen Diensten und Abgaben befreit , und angränzende Felder und Wiesen hinzugefügt , so daß es nun eine ganz artige Besitzung bildete . Die Professorin eilte nach ihrem ehemaligen Wohnsitze zurück , um ihr sich dort befindendes Vermögen zusammen zu bringen , mit dem sie im Frühlinge wiederkehren und die Kosten bestreiten wollte , um ein neues bequemes Haus an einer schönen Stelle , am Abhange eines Hügels zu erbauen , der sich , mit dem schönsten Grün bekleidet , sanft hinab senkte , bis ein klarer Bach seinen Fuß mit kleinen , kräuselnden Wellen umspielte . Die Professorin war um so mehr für den gewählten Platz eingenommen , weil es ihr bekannt war , welche trefflichen Forellen der kleine muntere Bach enthielt . Der Graf wies alles nöthige Bauholz und die für das neue Haus erforderlichen Steine an , und erhöhte noch ansehnlich den Gehalt des Arztes , so wie er ihm das vollkommene Jagdrecht zur großen Freude der Professorin gestattete , denn wenn diese ihren Neffen auch nicht für einen sonderlichen Jäger hielt , so hoffte sie doch mit Recht wohl andere zu finden , die die Küche gehörig mit Wildpret versorgen würden . Nach allen diesen Einrichtungen glaubte der Graf immer noch nicht genug gethan zu haben , um den Arzt zu belohnen , dessen große Sorgfalt , wie er überzeugt war , St. Juliens Leben erhalten hatte . Die Gräfin überredete ihre ehemalige Dienerin leicht , den Weg über Berlin zu nehmen und die Tochter während des Winters in einer dasigen Erziehungsanstalt zu lassen , damit diese etwas mehr von den feineren weiblichen Beschäftigungen lernte , als die Mutter bis jetzt für gut gehalten hatte ihr beibringen zu lassen . Auch der Arzt war mit dieser Anordnung zufrieden , ob er sich gleich nur mit Schmerzen von seiner künftigen Braut und deren Mutter trennen konnte , nur durch die Hoffnung getröstet , daß der nächste Frühling ihm nicht nur Beide zurückbrächte , sondern auch die Bibliothek und das Naturalienkabinet seines verstorbenen Oheims . Er nahm