darf ' s wagen auf diesen Stufen hinanzusteigen , auf denen ich mich aller menschlichen Berührung enthoben habe ? - wer darf die Hand mir an die Stirn legen und sagen ; » Der Friede sei mit dir ? « - Dir klag ich ' s , den ich suche , Dir ruf ich ' s zu über die Klüfte , denk nur , mit heißem Ruderschlag überfliege ich die Zeit , das Leben ; ich jage sie hinter mich , die Minuten der Trennung , und nun , ihr Inseln der Seligen , findet mein Anker keinen Grund . Wildes Gestade ! - feindseliger Strand ! - Ihr lasset mich nicht landen , nicht ahnen des Freundes Brust , der kennt die Geheimnisse und den göttlichen Ursprung und meines Lebens Ziel . Er hat , daß ich ihn schauen lerne , des Lichtes unbefleckten Glanz mir im Geiste geweckt , er hat - begleitend in raschen Liedern die Genüsse , die Leiden der Liebe - mich gelehrt , zwischen beiden voranschreitend : den Schicksalsschwestern , mit leuchtender Fackel des Eros zu bestrahlen den Weg . * * * Heute ist ein andrer Tag , die böse Furcht ist gestillt , es tobt nicht , es braust nicht mehr im Herzen , die Klage unterbricht nicht mehr der Liebe glanzerfüllte Stille . - Ach , heute ist die Sonne nicht hinab , ihre letzten Strahlen breiten sich unter Deine Schritte ; sie wandelt - die Sonne , sie steht nicht still , sie führt Dich ein bei mir , wo Dämmerung Dir winkt und der von Violen geflochtene Kranz . O Liebster ! - dann steh ich schweigend vor Dir , und der Duft der Blumen wird für mich sprechen bei Dir . * * * Ich bin freudig wie der Delphin , der auf weitruhendem Meeresplan ferne Flöten vernimmt ; er jagt mutwillig die Wasser in die glänzende Stille der Lufthöhen , daß sie auf der glatten Spiegelfläche einen Perlenrausch verbreiten ; jede Perle spiegelt das Universum und zerfließt , so jeder Gedanke spiegelt die ewige Weisheit und zerfließt . Deine Hand lehnte an meiner Wange , und Deine Lippe ruhte auf meiner Stirn , und es war so still , daß Dein Atem verhauchte wie Geisteratem . Sonst eilt die Zeit den Glücklichen , aber diesmal jagte die Zeit nicht ; eine Ewigkeit , die nie endet , ist diese Zeit , die so kurz war , so in sich , daß ihr kein Maß kann angelegt werden . An milden Frühlingstagen , wo dünnes Gewölk der jungen Saat den fruchtbringenden Regen spendet , da ist es so wie jetzt in meiner Brust ; mir ahnet , wie dem kaum gewurzelten Keim seine künftige Blüte ahnet , daß Liebe ewige , einzige Zukunft sei . Gut sein begnügt die Seele , wie das Wiegenlied die Kinderseele zum Schlaf befriedigt . Gut sein ist die heilige Ruhe , die der Same des Geistes haben muß , eh er wieder gezeitigt ist zur Saat . - Der Geist aber ahnt , daß Gutsein die Vorbereitung zu einem tiefen unerforschlichen Geheimnis ist . Das hast Du mir anvertraut , Goethe ! - gestern abend beim Sternenhimmel am offnen Fenster , wo ein Lüftchen nach dem andern hereinschwirrte und wieder hinaus . - Wenn also die Seele gut ist : das ist eine Ruhe , ein Einschlafen im Schoß Gottes , wie der Same im Schoß der Natur schläft , eh er keimt . Wenn aber der Geist das Gute will , so will er die Gottheit selbst ; so will er jenes Geheimnis der Güte als Speise , Nahrung und Vorbereitung seiner nahen Verwandlung ; so pocht er an , wie der verborgne Strom im Felsenschoß , daß er ans Licht will . Solchen kühnen Mut hat Dein Geist , daß seinem Dringen Tor und Riegel aufgetan wurden , und daß er hervorbrausen durfte , über alle Zeiten hinweg , wo Geist in Geist greift , Well in Well geboren , Well in Well verloren . Solcherlei Gespräche führten wir gestern abend , und Du sagtest noch : » Kein Mensch würde glauben , daß wir beide so miteinander sprechen . « Wir sprachen auch von der Schönheit : Schönheit ist , wenn der Leib von dem Geist , den er beherbergt , ganz durchdrungen ist . Wenn das Licht des Geistes von dem Leib , den er durchdringt , ausströmt und seine Formen umkreist , das ist Schönheit . Dein Blick ist schön , weil er das Licht Deines Geistes ausströmt und in diesem Lichte schwimmt . Der reine Geist bildet sich einen reinen Leib im Wort , das ist die Schönheit der Poesie . Dein Wort ist schön , weil der Geist , den es beherbergt , hindurch dringt und es umströmt . Schönheit vergeht nicht ! der Sinn , der sie in sich aufnimmt , hat sie ewig , und sie vergeht ihm nicht . Nicht das Bild , das sie spiegelt , nicht die Form , die ihren Geist ausspricht , hat die Schönheit : nur der hat sie , der in diesem Spiegel den eignen Geist ahnt und ersehnt . Schönheit bildet sich in dem , der sie sucht und im Bild wiederzugeben sucht , und in dem , der sie erkennt und sich ihr gleichzubilden sehnt . Jeder echte Mensch ist Künstler , er sucht die Schönheit und sucht sie wiederzugeben , soweit er sie zu fassen vermag . Jeder echte Mensch bedarf der Schönheit als der einzigen Nahrung des Geistes . Die Kunst ist der Spiegel der innersten Seele , ihr Bild ist es , wie sie aus Gott hervorging , was die Kunst Dir spiegelt . Alle Schönheit ist eine Erkenntnis Deiner eignen Schönheit . Die Kunst ist es , die Dir ein sinnliches Ebenmaß des Geistes vor die leiblichen Augen zaubert . Jeder Lebenstrieb ist Schönheitstrieb , sieh die Pflanze , ihre Triebe alle sind erfüllt mit der Sehnsucht zu blühen ,