heutigen Zuges Ausgang und Erfolg weissagen müssen . « - » Hm ! « meinte Petronella , den Kopf bedenklich wiegend : » dem Gastfreund geziemt ' s eigentlich nicht , des Wirths Thun und Lassen zu deuteln , aber , wenn man Achtung hat , auf das was um uns vorgeht , so kann man manches in seinen Handlungen ändern , was ersprießlich und von Nutzen wäre . « - » Ihr sprecht als ob ' s Lateinisch wäre , « lächelte Else : » ich verstehe Euch nicht . « - » Der Hund hat die ganze Nacht im Zwinger jämmerlich geheult , « sprach die Alte weiter : » die Eule hat geschrien und die Todtenuhr hat gehämmert , als wollte sie nimmer aufhören . Das bedeutet nicht viel Gutes . Zudem ist heute kein glücklicher Tag , und ich hätte an Eurer Statt den Ritter nun nimmermehr reiten lassen . « - » Ihr macht mir bange ! « versetzte Else , ohne jedoch weiter eine Bewegung zu äußern : » Mein Mann lacht über solche Dinge , und fürchtet sich nicht , weil er ein geweihtes Amulet bei sich trägt , das er einem Pilger abgenommen , der es gerade von des Erlösers Grab geholt hatte . Wenn ihm nur das Heiligthum noch hilft , da er jetzo im Banne liegt ? « - » Ei , wie sollte es denn nicht ? « fragte Petronella entgegen : » die hochwürdigen Barfüßer Ordensherren weihen ja gewöhnlich diese Schutzmittel , und man weiß ja , daß sie sich nicht viel um Bann und Interdikt kümmern . « - » Ihr beruhigt mich wieder völlig ; « antwortete Else , dem alten Fräulein gutmüthig und derb auf den hohen Rücken klopfend : » ich hatte schon den Gedanken gefaßt , trotz Bann und Strahl eine Messe in der Kapelle lesen zu lassen auf die glückliche Heimkehr meines Alten . « - » Eine Messe ? « lachte Petronella : » wie das ? « - » Wer versteht das Handwerk hier ? « spottete Wallrade : » etwa der edle Herr , der vor uns steht , oder der taube Wächter , der endlich mit dem ersehnten Vorrath anlangt ? « - » Hoho ! « fiel Else ein : nur nicht so höhnisch , gefangnes Fräulein Naseweis . Wir haben wohl noch andre Leute hier im Schlosse , die Kutte und Platte tragen . » Da unter uns sitzt ein armer Pater im Kühlen , dem Eure Gesellschaft , Leuenbergerin , Unglück gebracht hat , und der wohl jetzo , obschon Mittag vorüber , nüchtern genug wäre , um das Meßopfer zu bringen . « - » Wie ? « schrie Petronella , erstaunt die Hände faltend : » Wie ? Der arme Mann , der mit uns hier angelangt ? « - » Derselbe ; « versetzte Frau Else kaltblütig : » er sammt dem Bäuerlein , das Euch den Wagen lieh , bewohnt unsern Thurm , weil mein Alter meinte , die Leute seyen mit der Gegend zu bekannt , als daß nicht der Gewahrsam der schönen Wallrade verrathen hätte werden müssen . Sie werden sich ' s nun gefallen lassen , so lange hier zu verharren , bis des Fräuleins Haft vorüber . « - » Ha , Euer Herr macht wackre Streiche ! « rief Wallrade keck ; » an schwachen Frauen und wehrlosen Mönchen erprobt sich des Helden Muth . « - » O laßt den Heldenmuth aus dem Spiele , gutes Fräulein : « entgegnete Else : » einen schönen Falken läßt der tapferste und großmüthigste Mann nicht aus den Händen . Wahrlich , Wallrade , hätte ich einen Sohn , ich ließe Euch gar nicht mehr von meiner Seite ; Ihr müßtet meine Schwieger werden , und noch heute müßte der Pfaffe da unten Euch trauen . « - » Das ist ein Wort , vortrefflichste Nichte ; « sprach Petronella beißend : » Frau Else denkt nicht an ihr alt Geschlecht . « - » Ihr habt Recht , Base Stolperwitz ; « ließ sich Wallrade vernehmen : » unser halbadelig Wappen würde nicht zu dem des Ritters Bechtram passen , wenn er gleich Räuberei treibt . Beruhigt Euch indessen . Meine verehrte Wirthin hat ja keinen Sohn , der ihre Drohung verwirklichen könnte . « - » Freilich nicht ; « setzte Else seufzend hinzu : » das ist ' s , was mir oft blutige Thränen kostet . Was nützt meinem Alten seine schwere Mühe und saure Arbeit ? Was nützt ihm langes Leben und Gedeihen ? Wir haben ja doch niemand , dem wir hinterlassen könnten , was er mit Schweiß und Blut erobert . Der Tag , an dem unser Philipp starb , der wilde Bube , war ein harter Tag , und auch damals schrie die Eule wie ein wahrer Unglücksvogel . Der Junge mußte gerade seinen Kopf aufsetzen , und ein Pferd in die Schwemme reiten wollen . Mein Alter erlaubte es dem Fürwitz , und gestürzt , vom Roß geschleift und zertreten , brachten uns die Leute den Buben sterbend in ' s Haus zurück . « - Else wischte sich eine Thräne ab , die in ihr finstres Auge gedrungen war . - » Den leibeigenen Knecht , der das Unglück , ohne zu helfen , geschehen ließ , ließen wir todt peitschen , « setzte sie mit fürchterlich gepreßter Stimme hinzu , » allein unsern Philipp machte es nicht lebendig . « - Eine tiefe Stille folgte auf diese kurze und gräßliche Erinnerung . Frau Else richtete sich indessen schnell in die Höhe , stampfte einigemal mit dem Fuße auf das Pflaster , fuhr sich verstohlen mit dem Ärmel über die Augen , und langte die Kanne mit Wein an Wallraden . » Trinkt ! thut Bescheid ! « sprach sie mit ganz verändertem Tone : » dem Gaste gebührt die Ehre . Dann die kluge Leuenbergerin , dann