beide durch dieselbe Farbe auszudrücken . Unter allem Diebsgesindel sind die Narren die Schlimmsten : sie rauben euch beides , Zeit und Stimmung . Uns selbst zu achten , leitet unsre Sittlichkeit ; andere zu schätzen , regiert unser Betragen . Kunst und Wissenschaft sind Worte , die man so oft braucht und deren genauer Unterschied selten verstanden wird ; man gebraucht oft eins für das andere . Auch gefallen mir die Definitionen nicht , die man davon gibt . Verglichen fand ich irgendwo Wissenschaft mit Witz , Kunst mit Humor . Hierin find ' ich mehr Einbildungskraft als Philosophie : es gibt uns wohl einen Begriff von dem Unterschied beider , aber keinen von dem Eigentümlichen einer jeden . Ich denke , Wissenschaft könnte man die Kenntnis des Allgemeinen nennen , das abgezogene Wissen ; Kunst dagegen wäre Wissenschaft zur Tat verwendet ; Wissenschaft wäre Vernunft , und Kunst ihr Mechanismus , deshalb man sie auch praktische Wissenschaft nennen könnte . Und so wäre denn endlich Wissenschaft das Theorem , Kunst das Problem . Vielleicht wird man mir einwenden : Man hält die Poesie für Kunst , und doch ist sie nicht mechanisch ; aber ich leugne , daß sie eine Kunst sei ; auch ist sie keine Wissenschaft . Künste und Wissenschaften erreicht man durch Denken , Poesie nicht , denn diese ist Eingebung ; sie war in der Seele empfangen , als sie sich zuerst regte . Man sollte sie weder Kunst noch Wissenschaft nennen , sondern Genius . Auch jetzt im Augenblick sollte jeder Gebildete Sternes Werke wieder zur Hand nehmen , damit auch das neunzehnte Jahrhundert erführe , was wir ihm schuldig sind , und einsähe , was wir ihm schuldig werden können . In dem Erfolg der Literaturen wird das frühere Wirksame verdunkelt und das daraus entsprungene Gewirkte nimmt überhand , deswegen man wohltut , von Zeit zu Zeit wieder zurückzublicken . Was an uns Original ist , wird am besten erhalten und belobt , wenn wir unsre Altvordern nicht aus den Augen verlieren . Möge das Studium der griechischen und römischen Literatur immerfort die Basis der höhern Bildung bleiben . Chinesische , indische , ägyptische Altertümer sind immer nur Kuriositäten ; es ist sehr wohlgetan , sich und die Welt damit bekannt zu machen ; zu sittlicher und ästhetischer Bildung aber werden sie uns wenig fruchten . Der Deutsche läuft keine größere Gefahr , als sich mit und an seinen Nachbarn zu steigern ; es ist vielleicht keine Nation geeigneter , sich aus sich selbst zu entwickeln , deswegen es ihr zum größten Vorteil gereichte , daß die Außenwelt von ihr so spät Notiz nahm . Sehen wir unsre Literatur über ein halbes Jahrhundert zurück , so finden wir , daß nichts um der Fremden willen geschehen ist . Daß Friedrich der Große aber gar nichts von ihnen wissen wollte , das verdroß die Deutschen doch , und sie taten das möglichste , als Etwas vor ihm zu erscheinen . Jetzt , da sich eine Weltliteratur einleitet , hat , genau besehen , der Deutsche am meisten zu verlieren ; er wird wohltun , dieser Warnung nachzudenken . Auch einsichtige Menschen bemerken nicht , daß sie dasjenige erklären wollen , was Grunderfahrungen sind , bei denen man sich beruhigen müßte . Doch mag dies auch vorteilhaft sein , sonst unterließe man das Forschen allzu früh . Wer sich von nun an nicht auf eine Kunst oder Handwerk legt , der wird übel dran sein . Das Wissen fördert nicht mehr bei dem schnellen Umtriebe der Welt ; bis man von allem Notiz genommen hat , verliert man sich selbst . Eine allgemeine Ausbildung dringt uns jetzt die Welt ohnehin auf ; wir brauchen uns deshalb darum nicht weiter zu bemühen , das Besondere müssen wir uns zueignen . Die größten Schwierigkeiten liegen da , wo wir sie nicht suchen . Lorenz Sterne war geboren 1713 , starb 1768 . Um ihn zu begreifen , darf man die sittliche und kirchliche Bildung seiner Zeit nicht unbeachtet lassen ; dabei hat man wohl zu bedenken , daß er Lebensgenosse Warburtons gewesen . Eine freie Seele wie die seine kommt in Gefahr , frech zu werden , wenn nicht ein edles Wohlwollen das sittliche Gleichgewicht herstellt . Bei leichter Berührbarkeit entwickelte sich alles von innen bei ihm heraus ; durch beständigen Konflikt unterschied er das Wahre vom Falschen , hielt am ersten fest und verhielt sich gegen das andere rücksichtlos . Er fühlte einen entschiedenen Haß gegen Ernst , weil er didaktisch und dogmatisch ist und gar leicht pedantisch wird , wogegen er den entschiedensten Abscheu hegte . Daher seine Abneigung gegen Terminologie . Bei den vielfachsten Studien und Lektüre entdeckte er überall das Unzulängliche und Lächerliche . Shandeism nennt er die Unmöglichkeit , über einen ernsten Gegenstand zwei Minuten zu denken . Dieser schnelle Wechsel von Ernst und Scherz , von Anteil und Gleichgültigkeit , von Leid und Freude soll in dem irländischen Charakter liegen . Sagazität und Penetration sind bei ihm grenzenlos . Seine Heiterkeit , Genügsamkeit , Duldsamkeit auf der Reise , wo diese Eigenschaften am meisten geprüft werden , finden nicht leicht ihresgleichen . So sehr uns der Anblick einer freien Seele dieser Art ergetzt , ebensosehr werden wir gerade in diesem Fall erinnert , daß wir von allem dem , wenigstens von dem meisten , was uns entzückt , nichts in uns aufnehmen dürfen . Das Element der Lüsternheit , in dem er sich so zierlich und sinnig benimmt , würde vielen andern zum Verderben gereichen . Das Verhältnis zu seiner Frau wie zur Welt ist betrachtenswert . » Ich habe mein Elend nicht wie ein weiser Mann benutzt « , sagt er irgendwo . Er scherzt gar anmutig über die Widersprüche , die seinen Zustand zweideutig machen . » Ich kann das Predigen nicht vertragen , ich glaube , ich habe in meiner Jugend mich daran übergessen . « Er ist in nichts ein Muster und in allem ein Andeuter