groß bin , heirate ich den Walter , dann bleiben wir Alle zusammen . “ , ,Was ! Wie kommst Du denn auf den Einfall ? “ „ Ja , die Mutter hat gesagt , ich sei jetzt so reich , daß ich mir einen Mann nehmen könne , welchen ich nur wolle — und da will ich den Walter haben und keinen andern , keinen ! “ „ Wenn er Dich nun aber nicht will ? “ fragte Herr Leonhardt lächelnd . „ Ach — er wird mich schon wollen ! “ erwiderte das Kind zuversichtlich . „ O heilige , heilige Einfalt ! “ flüsterte der Greis und legte seine Hände segnend auf das Haupt der Kleinen . Und wie er so dasaß und schweigend in die Nacht hineinstarrte , wurde es plötzlich hell um ihn her . Aus dem schwimmenden Dunkel traten die Säulen einer Kirche hervor und durch die hohen Bogenfenster fiel ein lichter Sonnenstrahl auf ein junges Paar , das da vor dem Altar kniete . Es war umgeben von einer frohen Schaar Verwandter , unter der auch ein greiser , blinder Vater und an seiner Seite eine alte vor Seligkeit weinende Mutter saß . Und schön waren die jungen Leute anzusehen , blond der Bräutigam , aber bärtig , männlich , — die Braut voll süßer jungfräulicher Scheu . In den großen , offenen Augen eine Träne der Andacht und Rührung — — nur der kleine reizende Mund , der hatte einen leichten bläulichen Schein , der nicht wegzubringen war , als habe sie eben erst Heidelbeeren genascht . „ Ei , ei , ei “ — sagten die Leute , „ am Hochzeitstage in die Beeren zu gehen ! “ Nun stimmte die Orgel ein schönes Lied an und die Gemeinde sang es mit . Die Braut reichte dem Liebsten die Hand , zwar nur die linke , aber die hielt fest , fester , als wenn Andere alle beide geben — die hielt für ’ s ganze Leben . So war denn die Trauung zu Ende und das Paar trat heraus , in den lachenden Frühlingstag . — Da drängte sich ein Schwarm wohlbekannter Gesichter heran . Es waren lauter arme Verunstaltete , aber sie sahen gar nicht so abschreckend aus wie einst , sie hatten alle gute , neue Kleider an und schwenkten jubelnd die Mützen : „ Vivat das Brautpaar ! Seit Ihr im Dorfe hauset , gibt es keine Hungernden , keine Frierenden mehr . Vivat unser Doktor Walter Leonhardt ! Vivat das Käthchen mit dem silbernen Arm ! “ O friedliches , leuchtendes Bild , das die Seele des Blinden erhellt , — lieblicher Zukunftstraum , der am Rande des Grabes den Greis umgaukelt , dem Geplauder eines Kindes entstiegen ! — „ Vater Leonhardt — warum lächelst Du ? “ fragte die Kleine . „ Weil ich eben etwas so Schönes gesehen ! “ „ Ich denke , Du siehst gar nichts mehr ? “ „ Was ist , sehe ich freilich nicht , mein Kind , — desto besser vielleicht , was sein wird ! “ Achtes Kapitel . Kampf . Ernestine saß an ihrem Schreibtisch und ordnete Bücher und Papiere zum Einpacken . Ihr Oheim half ihr dabei mit zitternder Hast . Von Zeit zu Zeit stützte sie kraftlos den Kopf in die Hand . „ Es ist keine Rede davon , daß wir heute fortkommen , wenn Du Dich nicht mehr beeilst , “ mahnte Leuthold dringend . „ Ich tue ja , was ich vermag , aber ich bin so schwach , daß ich kaum weiß , ob ich nur diese Nacht noch reisen kann . “ „ Es ist unbegreiflich , wie Du Dich jetzt gehen * lässest . So warst Du nie . Wenn ich denke , welche Selbstbeherrschung Du sonst besaßest ! Eine Willenskraft , die einem Manne Ehre gemacht hätte — und nun ! O , es ist zum Weinen ! “ „ Du folterst mich , Oheim , “ rief Ernestine und warf mehrere Bücher in die neben ihr stehende Kiste . „ Du willst nur nicht glauben , daß ich mich jetzt wirklich weit elender fühle , als früher . Es ist ja mein eigener freier Wille , zu reisen , weshalb sollte ich mich denn nicht beeilen , so viel ich kann ? “ Der Oheim blickte sie von der Seite lächelnd an . „ Du täuschest Dich selbst , mein Kind . Es ist nicht Dein Wille — es ist nur eine Laune , was Dich jetzt forttreibt . Eine Laune wird aber vom Zufall erzeugt und ein Zufall kann sie ändern . “ „ Ich weiß nicht , welch ein Zufall diese < < Laune > > — wie Du es zu nennen beliebst — ändern sollte . Es kann sich weder heute noch morgen etwas ereignen , das meinen Entschluß wanken ließe . Was hast Du von einem Aufschube zu fürchten ? Kein Mensch weiß um meine Abreise , es kann also Niemand mir mit Gegenvorstellungen das Herz schwer machen . Nicht einmal dem guten alten Leonhardt habe ich es gesagt und selbst die Willmers weiß es ja erst seit heute . Konnte ich mehr tun , um Dich zu versichern , daß ich es ernst meine ? “ Leuthold sah sie wieder mit seinem sarkastischen Lächeln an . Er wußte wohl , daß Ernestine nur deshalb dies strenge Schweigen um ihre Reise breitere , weil sie sich nicht stark genug fühlte , einer etwaigen freundschaftlichen Einsprache zu widerstehen . Deshalb zitterte er , daß ein tückisches Geschick ihre Absichten doch noch verraten möchte . Ihr Bleiben oder Gehen entschied ja über seine Existenz . In den vier Wochen , die seit Ernestinens Rückkehr aus der Stadt verflossen waren , hatte Leuthold seinen ganzen Einfluß nur darauf verwandt , Ernestinen aus dieser Gegend , womöglich aus dem Lande fortzubringen . Sie durfte den Mann , der ihr einen so unverkennbaren Eindruck gemacht ,