Fluch beladen zu sterben ? « – Seine Stimme wurde lauter und lauter . » Ich rate Ihnen nur , sündenlos zu leben , und ich wünsche Ihnen ruhig zu sterben . « » Dann entreißt du mir also alle Liebe , alle Unschuld ? – Du verweisest mich auf die Sinnlichkeit anstatt der Leidenschaft – du läßt mir nur das Laster als Beschäftigung ? « » Mr. Rochester , ich verweise Sie ebensowenig auf dieses Schicksal , wie ich selbst es für mich begehre . Wir sind geboren um zu kämpfen und zu leiden – Sie sowohl wie ich ! Thun Sie es also . Sie werden mich früher vergessen als ich Sie . « » Durch solche Sprache machst du mich zum Lügner , du beschmutzest meine Ehre . Ich erklärte dir , daß ich mich nicht verändern würde . Und du sagst mir gerade ins Gesicht , daß ich nur zu bald ein anderer sein würde . Und welche Verirrung deiner Vernunft , welche Verkehrtheit der Ideen bekundest du durch dein Verhalten ! Ist es besser , einen Nebenmenschen zur Verzweiflung zu treiben , als ein Gesetz zu übertreten , das doch nur von Menschen gegeben ist – wenn niemand durch diese Übertretung geschädigt wird ? Denn du hast weder Verwandte noch Freunde und Bekannte , die du verletzen könntest , indem du bei mir bleibst . « Dies war wahr . Und während er sprach , wurden mein Gewissen und meine Vernunft an mir zu Verrätern und ziehen mich des Verbrechens , wenn ich ihm länger Widerstand leistete . Sie sprachen fast so laut wie mein Gefühl – und dieses schrie in seinem Jammer ! » O , gieb nach ! « flehte es . » Denk an sein Elend ! Denk an seine Gefahr – sieh seinen Zustand an , wenn er allein bleibt ; vergiß nicht seine wilde Natur ; zieh die Ruhelosigkeit , den Leichtsinn in Betracht , der auf die Verzweiflung notwendig folgen muß – besänftige ihn – rette ihn – liebe ihn ! Sag ihm , daß du ihn liebst und die Seine werden willst . Wer auf der ganzen Welt hat dich denn lieb ? Wer außer ihm ? Und wen würdest du durch deine That schädigen ? « Und unentwegt blieb die Antwort : Ich liebe mich selbst . Je einsamer , je verlassener , je unbeschützter ich bin , desto mehr werde ich mich selbst achten . Ich werde das Gesetz halten , welches Gott gegeben hat , die Menschen sanktioniert haben . Ich werde mich streng an die Grundsätze halten , die ich faßte , als ich noch bei Sinnen und nicht wahnsinnig war – wie ich es jetzt bin . Gesetze und Grundsätze gelten nicht allein für die Zeiten , in welchen keine Versuchung an uns herantritt ; sie gelten für solche Augenblicke wie der jetzige , wenn Leib und Seele sich gegen ihre herbe Strenge empören ; sie sind hart – aber sie müssen unverletzt bleiben . Wenn ich sie zu meiner persönlichen Bequemlichkeit übertreten darf – welchen Wert hätten sie dann ? Sie haben einen Wert – das habe ich stets geglaubt , und wenn ich es jetzt nicht glauben kann , so ist es , weil ich wahnsinnig bin , – ganz wahnsinnig ; in meinen Adern rollt Feuer , und mein Herz klopft so schnell , daß ich seine Schläge nicht mehr zahlen kann . Vorgefaßte Meinungen , frühere Entschließungen sind alles , was mich in dieser Stunde standhaft macht ; auf sie stütze ich mich ! « Und ich that es . Mr. Rochester , der in meinen Zügen las , sah , was geschehen war . Seine Leidenschaft erreichte den höchsten Grad . Er mußte ihr einen Augenblick nachgeben – komme was da wolle . Er schritt auf mich zu , faßte meinen Arm und packte mich um die Taille . Er schien mich mit den flammenden Blicken zu verschlingen ! Physisch fühlte ich mich in diesem Augenblick so schwach , wie trocknes Stroh , das der Glut und dem Zug eines Hochofens ausgesetzt ist . Psychisch hatte ich noch meine Seele und in ihr das Gefühl der endlichen Sicherheit . Die Seele hat glücklicherweise einen Dolmetsch – oft einen unbewußten , immer jedoch einen getreuen Dolmetsch – das Auge ! Mein Auge erhob sich zu dem seinen , und während ich in sein wild erregtes Antlitz schaute , stieß ich unwillkürlich einen Seufzer aus . Sein Griff war schmerzhaft und meine überbürdeten Kräfte fast erschöpft . » Niemals , « sagte er , indem er mit den Zähnen knirschte , » niemals hat es ein Geschöpf gegeben , das zugleich so zart und so unbezwinglich , so unbeugsam . In meiner Hand ist sie nur ein schwaches Rohr ! ( Und er schüttelte mich mit dem ganzen Aufgebot seiner Kräfte . ) Ich könnte sie mit Daumen und Zeigefinger zerbrechen . Aber was würde es nützen , wenn ich sie zerbräche , sie zerrisse , zermalmte ? Betrachte Einer das Auge ! Betrachte Einer das entschlossene , wilde , freie Etwas , das mir daraus entgegenblickt , das mir trotzt mit mehr als Mut – mit wildem Triumph . Was ich auch mit der Hülle thun mag , zu diesem Etwas kann ich nicht gelangen . Wildes , schönes Geschöpf ! Wenn ich dies zarte Gefängnis zerreiße , zersprenge , so würde das nur jenes gefangene Etwas befreien . Das Gehäuse könnte ich besiegen , aber der Insasse würde gen Himmel fliegen , bevor ich mich noch Besitzer jener Hülle aus irdischem Thon nennen könnte . Und du bist es doch , Geist – mit deinem Willen und deiner Energie , deiner Tugend und Reinheit , den ich haben will , nicht allein deine schöne Behausung . Wenn du nur wolltest , so könntest du aus eigenem Antriebe mit sanftem , leisem Flügelschlag kommen und dich an mein Herz schmiegen . Wollte ich dich gegen deinen Willen greifen ,