Stolz zerbrechen und unser Haus bestellen . Der Fritz von Zollern würde sagen : Meinen jungen Acker bauen . Und lernen wollen wir , wie man sein muß als Vater , um einen treuen Sohn zu haben . « Herr Ludwig erhob sich und drückte schmeichelnd die Hunde auf das Lager hin . Nun hatte seine Stimme fast einen heiteren Ton . » Kluge Greise sagen gerne : Zu spät ! Sie sind Narren . Weise sind nur die Hoffenden . Morgen kommt die Sonne von Matthäi . Sobald der Moornebel verschwindet , sollst du zu meinen Vettern nach München reiten . Dich will ich schicken . Du sollst meine Versöhnung mit ihnen bereden . Komm zu mir , wenn es Tag wird . Da besprechen wir alles . Jetzt lege dich ein paar Stunden schlafen ! Hier in diesem Waldloch sind wir sicher . « In froher Erregung sagte Lampert : » Ich will wachen . « Der Herzog lachte : » Tue , was du mußt ! So lautet das Gesetz der Verläßlichen . Jetzt kann ich schlafen . Gute Nacht , Someiner ! « Ein glückliches Leuchten war in Lamperts Augen . » Gesegneten Morgen , Herr ! « » Someiner ? Bist du vermählt ? « Eine dunkle Welle ging über das braune Gesicht . » Nein , Herr ! « » Friede kommt . Nimm dir ein gesundes Weib ! Und zeuge gradgewachsene und redliche Söhne ! Man braucht sie auf Erden . « Der Herzog wandte sich zu seinen Hunden und streichelte ihnen die schönen Köpfe . Als Lampert Someiner das Zelt verlassen hatte , sagte Herr Ludwig : » Wolfl ? Wie kommt das ? Ein Mensch . Und redet keine zwanzig Worte . Und wird ein Stab und ein Wegweis . Wie kommt das ? « » Gnädigster Herr , das weiß ich nit . « » Wolfl , du bist ein altes , dummes Huhn . « Heiter faßte der Herzog den Kämmerer am Ohrläppchen . » Das kommt so , weil in graden und gesunden Menschen die reiche Seele zu reden anfängt , wenn die Lippen arm werden . « Er streckte sich auf das Lager hin . » Lösche die Fackel ! Dann kannst du schlafen gehen . « Draußen klirrte der Stampfschritt einer gepanzerten Ronde , die von Feuer zu Feuer ging , um Ruhe zu gebieten . Die Flammen erloschen bei den Zelten und zwischen den wirren Haufen der Menschen , die in den Mänteln auf der blanken Erde lagen . Nur vor der Wagenschanze , bei der man , gegen die Moorstraße hin , eine starke Wache postiert hatte , loderte noch eine hohe Feuersäule . Ihre Helle lockte das Nachtleben des Moores an . Pfeifende Bekassinen schössen vorüber , dicke Rohrdommeln , die wie Raben krächzten , überflatterten mit schwerem Flug die hohe Flamme , und manchmal sauste ein kleines Entenvolk heran , wendete mit ängstlichem Geschnatter und verschwand wieder . Das Gewimmel der Moosschnaken hing wie ein wogender Schleier in der Helle , und ruhelos kam ein immer wachsender Flug von Nachtschmetterlingen gegen die Flamme her ; das war wie ein rötliches Schneegestöber ; jene , die tief in das Feuer flogen , verwandelten sich in aufblitzende Sternchen ; und die anderen , die sich nur versengt hatten , begannen rings den Boden mit kleinen Leichen und mit einem Gewühl von kribbelnden , in Schmerzen taumelnden Insektenleibern zu bedecken . - - Als der Morgen graute , wurde Lampert , der wachend die ganze Nacht vor dem Fürstenzelt gestanden , zum Herzog gerufen . Träg ermunterte sich das Lager . Die Leute , die bei der quälenden Insektenplage keinen Schlaf gefunden hatten , waren übernächtig , müd , erschöpft , voll übler Laune ; und immer scharrten die angepflöckten Gäule , unruhig und gereizt . Gegen die siebente Morgenstunde begann der Nebel sich aufzuhellen und kroch nach Westen über das Moor hinaus . Manchmal sah man einen Schimmer , als wäre irgendwo die Sonne . Mit kleinem Geleit - an den langen Speeren die weißen Friedenslappen - trabte Lampert Someiner als Gesandter des Herzogs von der Wagenschanze über die Moorstraße hinaus , auf München zu . Beim Reiten schlössen sich manchmal seine Lider über den heißen , rotgeränderten Augen . Sonnbeglänzte Waldkämme tauchten aus dem schwindenden Grau ; wie kleines , glitzerndes Spielzeug sah man zwischen leuchtenden Schleiern und blauen Himmelsflecken die Dachauer Höhe mit Mauern , Turm und spitzigen Firsten ; und in der Tiefe blinkten schon die vielen Wassertümpel des Moores wie funkelnde Silberschilde zwischen goldgetönten Nebelstreifen . Da scholl von dem Waldloch , in dem das Lager war , ein wüstes , grauenvolles Geschrei . Lampert verhielt seinen Pongauer Rappen , streckte sich in den Bügeln und spähte . Zwischen den wehenden Dünsten , aus denen das fürchterliche Stimmengekreisch herausschrillte , sah er ein braunes Gewühl von Menschen und Rossen . Und über die sonnbeglänzten Waldhügel rollten blitzende Wogen von Eisen gegen das verwirrte Lager hinunter , dicke Reiterschwärme und breite Züge von Fußknechten . » Wendet ! Jesus Maria ! Wendet ! « brüllte Lampert mit seiner rauhen Stimme , warf den Rappen herum und riß das Eisen aus dem Leder . » Wendet , ihr guten Leut ! Der Herzog in Not ! « Er jagte mit den sechsen , die sein Geleit waren , gegen das Lager zu . Auf der Straße , die schmal durch die weglosen Sümpfe hinzog , quoll ihm ein tobendes Gedräng von Fliehenden entgegen , von springenden Männern , schrillenden Dirnen und hopsenden Reitern . Lampert sperrte mit seinem Geleit den Weg , befahl und schrie und bettelte und stach die Rosse nieder , die an ihm vorüber wollten . Aber da half kein Mut und kein Wille eines Menschen mehr . Die Angst dieser waffenlos Entfliehenden war wie eine sinnlose Walze , die alles niederdrückte , was ihr im Wege stand . Die junge Sonne von Matthäi lächelte goldschön aus dem reingewordenen