ins Himmelreich , Ins himmlische Paradeis , Wo Gott Vater , Gott Sohne , Gott heiliger Geist . » Beschere nun die holde Weihnachtszeit meinem Liebling Frieden und Wohlgefallen ! Sei glücklich , wie ich es bin . Und wenn Dein Liedergeist Dir gnädig ist , so bitte ihn , daß er eine Weise beschere , wie Deine Thekla sie ersehnt . Sprich darin von dem , was ich liebe , bedenke auch den kleinen Johannes und klein Anneliesel . Zärtlich und fromm mag es klingen , zugleich ein Ständchen und ein Nachtchoral . Im Bette möcht es heimlich meine Seele singen und den Ruheengel gütig stimmen , auf daß er der sehnsuchtsvollen Kiesewaldin Sänftigung und Vergessen , Schlaf und unschuldige Träume zubillige . « Mit neuem Heile segnete mich diese Botschaft , und inne ward ich , wie mein Herz , aller Trennung spottend , so fühlbar an ihrem schlug , daß ihr Glück das meine ward . Heißer Dank erfüllte mich , und tags vor Weihnachten sandte ich einen zuverlässigen Petersdorfer zu des Breiten Berges Baude . In Sibyllens Hände sollte er einen Korb tun , der meine kleinen Gaben für Heinrich , Sibyllen und Thekla enthielt . Unter vier Augen sollte er der Kiesewaldin ein Päcklein übergeben . Darinnen war das Buch » Abaelardi und Heloisae Briefe « . Unter den Masken dieses Paares , dem ein strenges Schicksal die Herzen zu heiliger Minne lenkte , wollte ich für uns beide eine neue Form geheimer Zwiesprach einführen . Randbemerkungen , von meiner Hand geschrieben , begleiteten den Druck . Der Mönch Abaelardus hatte nicht immer meinen Beifall ; eisig hauchte sein Gottesfriede . Doch ich dankte ihm ein Wort , das er in warmer Jugend gesprochen : » Habe nur Liebe , du magst alsdann tun , was du willst . « Heloisa , die liebreiche , war mein Entzücken , und verstohlen hoffte ich , auch aus Thekla werde diese Glut herfürbrechen , die doch der Jungfer Gräfin nicht fremd gewesen . Um sie zu entzünden , hatte ich gewisse Stellen der heloisischen Briefe angestrichen ; zum Exempel : » Da ich nun einmal Deiner Gegenwart beraubt bin , so laß doch in Worten der Liebe , die Dir so reichlich zu Gebote stehn , Dein süßes Bild bei mir einkehren ... Da Du bei Gott Deine Zuflucht suchtest , bin ich Dir gefolgt ; nein vorausgeeilt ins Kloster bin ich Dir . Und doch , bei Gott , ich wäre auf Dein Wort ohne Zögern Dir in die Hölle vorangeeilt oder gefolgt . Mein Herz war ja nicht mehr mein , ich hatte es an Dich verloren . Und so es itzo auch bei Dir keine Statt mehr findet , alsdann hat es überhaupt keine Heimat mehr ; ohne Dich mag es ja nirgendwo sein . Ach laß es denn bei Dir geborgen sein , ich bitte . « Auch ein Schreiben meiner Hand war dem Buche beigefügt , und es hieß darin : » Hier ist das Lied , das meine Sternenbraut sich ausgebeten hat . In Dein Herze bin ich eingegangen und habe von denen gesprochen , die ich darin vorgefunden . Gelingt es meiner Weise , Dich in Schlummer zu singen , laß uns alsdann beide denken , daß ich auf meinen Armen Dich schaukle , Du mein Wiegenkindlein : Wenn mit Dunkel und mit Schweigen Mutter Nacht dein Bett umhüllt , Lausche , wie mein Zaubergeigen Heimlich deine Kammer füllt . Lausche , wie dich Wunderglocken Fromm zu deiner Tiefe locken . In der Tiefe wohnt die Ruh - Und die Tiefe , das bist du . Frieden ihm , so dir zur Seiten Atmend ruht ; er ist dein Schild . Frieden allen Erdenbreiten , Jedem Gottes-Ebenbild ! Gib den Hütten dein Erbarmen Und dem Glück ein froh Umarmen . Ohne Güte keine Ruh ; Jedes Antlitz , das bist du . Engel , heitre Lichtgestalten Steigen aus dem dunkeln Land Und in deine Hände falten Kosend sie die Kinderhand . Sieh doch , deine toten Lieben Sind dir alle treu geblieben ; Mutterherz heißt ihre Ruh . Deine Kinder , das bist du . Spürst du auch , wie auf dein Grüßen Harrt ein treuer Paladin ? Aus der Ferne dir zu Füßen Kann ihn deine Sehnsucht ziehn . Gib dein Auge seinem Auge ! Eins im andern sauge , sauge Heimatwonne , Heimatruh ... Du bist ich , und ich bin du . Horch , mein Lieb , die Zaubergeigen Singen Hochzeitsmelodein , Und der bunte Sternenreigen Stimmt und funkelt üppig drein . Welten schwärmen dort bei Welten , Wiegen sich in blauen Zelten , Summen uns in sel ' ge Ruh ... Ich bin Stern , und Stern bist du . « » Mein siegreicher Johannes « - so lautete Theklas Antwort - » juble mit mir ! Was wir kaum zu hoffen gewagt , es gelingt ! Das Wunder , verheißen dem erhöhten Menschensohne , Du vollbringst es . Machst Blinde sehend , Lahme gehend . Heinrich ist genesen von der Sorge , Agnetens erster Gatte werde wiederkehrend ihn verdrängen . Und Du bist es , Dein Gedicht ist es gewesen , wovon Heinrichs Auge aufgeschlossen ward , daß er nunmehr schaut , wie das Himmelreich keimt und wächst in des Menschen Brust , und daß er an gütige Liebe glaubt . Laß Dir berichten , wie alles gekommen ist . Du weißt schon , Sibylle ist meine Vertraute . Ermissest Du nun , mit welchem Entzücken , welchem Stolze mich Deine Lieder erfüllen , so wird es Dich nicht überraschen , daß sie von Sibyllens Hand in ein Buch eingetragen worden sind , darein sie im Laufe der Jahre ihre liebsten Gedichte gesammelt hat . Am Heiligen Abend nun , da wir drei Kiesewaldischen einander unsere Gaben gereicht hatten und beim Kerzenschein unseres dreiarmigen Festleuchters andächtiglich um den Tisch saßen , tat Sibylle ihr Buch auf und las zu meiner bänglich frohen Überraschung dein Lied