doch ist ' s nur der Geist der armen , kleinen Erde , der seinen Menschen vorgelogen hat , er sei der Allmächtige , der den ganzen , unendlich weiten Himmel nur allein für sie geschaffen habe . Du wirst wie ich aus diesem Himmel herabgerissen werden , der weder ihm noch dir gehört , wenn du ihm weiterfolgst . Du wirst da unten liegen , so wie einst ich am Boden lag - - ein stillgewordener Acker Gottes , über den des Todes Pflugschar gehen muß , damit er zubereitet sei , wenn der Säemann kommt , den man das Leid der Erde nennt . Da wird der Pflug aus deinem Herzen reißen , was jener Erdengeist hineingepflanzt . Und wenn er seine letzte , tiefste Furche zieht und dir die stärkste Wurzel aus dem Herzen zerrt , dann mache dich bereit : Es naht dein - - - Sterbetag ! « Sein Auge ruhte nicht auf mir . Er hatte vor sich hin , wie in weite Ferne geschaut , als ob er das alles sehe , was er sagte . Nun hob er den Blick zu den Baumkronen empor , deren Zweige und Nadeln im Sonnenstrahle goldgerändert zitterten . Ein milder Farbenschein , wie durch eine rosig angehauchte Lichtglocke geworfen , überflutete sein Angesicht . » Dann naht der Säemann und giebt den Furchen neues Leben , « fuhr er fort . » Du wirst ihm stillehalten müssen , so wie auch ich ihm stillehielt . Die Egge schmerzt ; die Stacheln reißen Wunden . Doch darfst du sie nicht achten . So viele ihrer seien , aus jeder sproßt und grünt es froh zum Himmel auf , damit der stillgewordene Acker Gottes dereinst zum reichen Erntefelde werde . Das meine liegt im wilden Kurdistan . Umringt von Feinden , die mich hassen , neiden ! Die Berge tragen meine Einsamkeit ; sie sind mit ihr mein Schutz , der nimmer wankt . Wo aber , fragst du wird das deine liegen ? ! « Jetzt senkte er den Blick zu mir nieder und sah mir lächelnd ins Gesicht . Seine Hand legte sich auf mein Haupt und glitt dann leise , fast zärtlich an der Wange nieder . Dann sprach er weiter : » Wo es liegt ? Du weißt es nicht , und doch hab ' ich ' s von dir erfahren . Ich stand an deinem Lager . Kein Mensch war da , als ich und meine beiden Kranken . Du lagst besinnungslos , doch sprachst du mit dir selbst . Da lernte ich dich kennen . Da hörte ich zwar dich , doch auch den Geist , der einst der meine war . Dann klangen liebe Worte , die Worte deiner Seele . Du ahnst wohl nicht , wie mächtig Seelen sind ! Sie wird den Geist bezwingen , wie einst der meine ihn bezwang . Was ich dir sage , das ist , als hätte sie es gesagt ! Dein Erntefeld liegt fern von diesem meinem Lande . Es ist ein anderes , als das meinige . Ich sehe Thäler und ich sehe Berge . Auch dir ist , so wie mir , die Ebene gram . Drum mache es so wie ich : Such auf den Bergen Schutz , und steige nie zur Fläche nieder , auf der die dunklen Zelte deiner Feinde stehen . Geh in die hehre Einsamkeit , wie ich , und sei , wenn dir ein Gegner naht , so stumm , wie ich es heut zu meinen Feinden war . Auch dir lebt ein Pedehr , der gern es übernimmt , den Feiertag , den du zu leben hast , vom Schmutz des Werkeltages zu befreien ! « Er griff jetzt nach der Serviette , gab sie mir und sagte : » Du dachtest zart . Ich danke dir dafür . Doch sei mein Gast an meinem Sterbetag ! Nimm dieses Tuch getrost ! Es ist für mich ein großes Heiligtum . Die mir es gab , sie stand an meiner Seite , als ich im Sterben lag . Die letzte , tiefste Furche ging durch mich . Da bäumte ich mich auf . Ich wollte meinem Leiden nicht gehorchen . Sie aber sagte mir ein großes Wort , ein Wort , so groß , daß es die ganze Welt umfaßt . Da brach ich wieder nieder , um ganz in meiner Kleinheit zu verschwinden . Und als ich dann , nach langer , langer Zeit , als Auferstandener kam , um ihr zu danken , da sagte sie , sie habe mir zu danken , weil sie in mir zum zweiten Male auferstanden sei . Wirst du wohl ihren Namen nun erraten ? Er ist auch dir von Herzen lieb geworden . « » Unsere Marah Durimeh ! « Dieser Name flog förmlich aus meinem Munde . Es konnte ja keine andere sein als sie ! » Ja , sie , die Einzige ! « sagte er . » Denk , daß sie hier an deiner Seite sitze und dir erzähle von jemand , dem nichts erspart geblieben ist von allem , was die Erde Schlimmes bietet , und der nur durch das Schweigen jenen Sieg errang , mit dem man nicht den Feind allein , nein , auch sich selbst bezwingt . Denn merke wohl : Dein größter Feind bist du . Um ihn versammelt sich der andern ganze Schaar . Sie steht und fällt mit ihm . Er ist ' s , der fallen muß in deiner Sterbestunde . Für den , der dann , von dir befreit , das andere Leben lebt , giebt es dann nur noch Menschen , im schlimmsten Fall beklagenswerte Thoren , doch Feinde , Feinde nie ! « Hierauf legte er mir die Hand auf die Brust und sprach in warmem , bittendem Tone : » Laß dein Herz so ruhig schlagen , wie das meine schlägt ! Wenn es aufbegehren will , so gebiete ihm Schweigen