dem Gerichte dämpft deine Schritte und deine Stimme . So trittst du auch in das Sterbezimmer . Ob du es ahnst oder nicht , du hast den Ort des ewigen Gerichtes betreten , welches mit dem Augenblicke des Todes seinen Anfang nimmt . Es ist der unsichtbare Richter , welcher hier waltet ; du siehst ihn nicht und trittst aber doch so unhörbar wie möglich auf . Es ist die Ehrfurcht vor dem Gesetze des Ewigen , nach welchem hier über dem Dahingeschiedenen das Urteil gesprochen wird ; es ist diese Ehrerbietung , welche dich zwingt , dein Haupt zu entblößen , das mehr oder weniger deutliche Bewußtsein , daß auch du selbst über kurz oder lang so ohnmächtig daliegen wirst , um auf der Wage der Gerechtigkeit gewogen zu werden . Das , das ist die Ursache des Grauens , welches jeder nicht ganz verdorbene Mensch in der Nähe einer Leiche empfindet und nicht von sich abzuwehren vermag ! Und wir hatten zwanzig Tote hier , und diese Toten waren ermordet worden , was noch viel , viel mehr sagen will ! Es wurde ihnen ein möglichst tiefes und großes , gemeinsames Grab bereitet . Dahinein legten wir sie , einen neben den andern , in ihren Uniformen und mit den Seitengewehren , die Flinten neben sich . Als wir die Sterbegebete über sie gesprochen hatten , gaben wir eine dreimalige Salve ab , legten einem jeden seinen kleinen Gebetsteppich auf das Gesicht und warfen das Grab zu . Während dieser ganzen Handlung weinte Khutab Agha , der Ernste , immerfort still vor sich hin . Da tauchte wohl in manchem von uns die Frage auf , ob wir nicht mit den Mördern denn doch wohl zu mild verfahren seien , und es gesellte sich der feste Vorsatz hinzu , nun aber streng zu sein , wenn wir wieder in Konflikt mit ihnen kommen sollten . Und daß dies geschehen werde , das hatte uns der Scheik der Beni Khalid ja schon angedroht . Darüber waren wieder mehrere Stunden vergangen , und als wir nun diesen für uns unvergeßlichen Ort verlassen konnten , war die größte Hälfte des Nachmittages vorüber . Aber wohin jetzt ? Weit konnten wir für heute nicht . Zum Glück waren wir mit Wasser versehen , und so beschlossen wir , den Weg der Sanddünen , den wir nun schon einmal hin und einmal her geritten waren , zum drittenmal zurückzulegen und dann im Thale zwischen der letzten und vorletzten Düne zu übernachten . So ein Thal war mit wenigen Posten am leichtesten zu bewachen und gewährte uns den besten Schutz . Morgen früh wollten wir uns dann nach den Umständen richten . Dies wurde ausgeführt . Der Weg wurde sehr langsam und vorsichtig , indem eine Vorhut voranritt , zurückgelegt , und wir erreichten die betreffende Stelle , als es eben dunkel werden wollte . Wenn ich von der letzten und vorletzten Düne sprach , so meinte ich die letzten bedeutenden Höhen , nicht die kleineren , die dann , nach und nach immer niedriger werdend , in die flache Sandwüste übergingen , in welcher unsere Kamele » gemahlen « hatten . Das Thal war außerordentlich passend zum Lagerplatz . Die Höhen , zwischen denen es lag , vereinigten sich auf der einen Seite , während sie auf der andern so nahe nebeneinander herliefen , daß ein Einzelposten genügte , diesen Zugang zu bewachen . Eine vortrefflichere Stelle konnten wir gar nicht finden . Heut mußten die Militärkamele von den Haddedihn mit bedient werden , welche also mehr als bisher zu thun hatten . Was den Perser betraf , so konnte er natürlich nicht daran denken , den Rückweg nach Meschhed Ali allein anzutreten . Er mußte bei uns bleiben und einstweilen mit uns weiterreiten , bis wir auf einem der Hauptwege eine Karawane treffen würden , der er sich heimwärts anschließen konnte . Er war außergewöhnlich still und beteiligte sich nicht an unserm Gespräche . Wenn ja einmal eine Frage an ihn gerichtet wurde , so beantwortete er sie so kurz wie möglich , oft nur mit einem einzigen Worte . Das war so auffällig , daß ich ihn nach dem Grunde dieser Einsilbigkeit fragte . » Meine Asaker ! « seufzte er . » Ich muß nur immer an sie denken ! « » Ich thue das auch ; aber kannst du es vielleicht dadurch anders machen ? « » Nein . Ja , du Effendi ! Dich braucht das nicht zu bedrücken ! « » Etwa dich mehr als mich ? « » Ja , denn ich bin schuld an ihrem Tode . Zwanzig , zwanzig Seelen , die nun durch meine Schuld ganz unvorbereitet an die Wage der Gerechtigkeit treten ! Dieser Gedanke ist unerträglich schwer ! « » Wieso trägst du die Schuld ? « » Weil ich deine heutige Warnung ebensowenig beachtet habe wie deinen gestrigen Rat . Du sagtest , ich solle sofort heimkehren ; ich blieb aber trotzdem . Wenn wir gestern gleich nach dem Zweikampfe fortgeritten wären , so hätten die Beni Khalid keine Zeit gehabt , mir einen solchen Hinterhalt zu legen . Ich habe also die Schuld zu tragen , ich ganz allein ! Denn ich bin nicht nur einmal , sondern wiederholt gewarnt worden und habe nicht darauf geachtet . Wie schwer , wie unendlich schwer wird mich das dereinst belasten , wenn für mich die Zeit da ist , Rechenschaft abzulegen ! « Die Vorwürfe , welche er sich machte , waren leider nicht unbegründet , doch that und sagte ich alles , was ich thun und sagen konnte , ihm das Herz leichter zu machen ; es gelang mir aber nicht so , wie ich wollte . Wir hatten die Kamele nach dem Hintergrunde geschafft , dahin , wo die beiden Höhen zusammenstießen . Dort war nicht ein besonderer Wächter für sie nötig . Wir lagerten so vor ihnen , daß sie eingeschlossen waren . Zu unserer Sicherheit waren drei