kleine Hand nach der anderen sich aus dem wärmenden Muff zog und auf die Waldstellen hindeutete , wo sich die Schatten und Lichter so zauberisch mischten . Bummcke entsann sich , selbstverständlich von Kopenhagen her , eines dieselben Abendtöne wiedergebenden Claude Lorrain und wollte eben zu kunstwissenschaftlichen Betrachtungen übergehen , als der Wald , der kurz zuvor noch endlos geschienen , sich plötzlich öffnete und eine Anzahl zerstreuter Baulichkeiten ziemlich deutlich erkennen ließ . Und ehe noch unsere Reisenden sich zurechtgefunden und ihrer Überraschung Ausdruck gegeben hatten , hielten sie schon vor ihrem Ziel : der Klosterkirche von Lehnin . War es Zufall oder hatte Jürgaß die Zeit ihrer Ankunft im voraus angegeben , gleichviel , aus der neben dem großen Rundbogenportale befindlichen Seitentür trat ihnen , ohne daß sie hätten klopfen oder warten müssen , ein kleiner hagerer Mann mit langem weißen Haar entgegen , der alte Lehninsche Küster , nur um zwei Jahre jünger als sein Hohen-Vietzer Kollege Jeserich Kubalke . Er begrüßte die zunächststehenden Damen durch Abnehmen seines Käppsels , sprach ein paar Worte mit Jürgaß und öffnete dann , entweder , weil dieser darum gebeten , oder auch , weil er selber den Wunsch einer möglichst feierlichen Einführung hatte , die schwere mit Eisen beschlagene Mitteltür . In dieser , trotz des Zugwindes , der wehte , blieb er stehen , bis alle Besucher eingetreten waren . Die Glut des Abends stand noch in den westlichen Scheiben , und ein roter Schimmer , der allem wieder einen Anflug vor Leben lieh , fiel auch auf die Brautkränze , die vertrocknet und mit langen ausgeblaßten Bändern an der gegenüber befindlichen Kirchenwand hingen . Es war die denkbar beste Stunde . Nichtsdestoweniger konnte keinem Beobachter entgehen , daß alles enttäuscht war , besonders die Damen . Sie hatten eben mehr erwartet . » Wo sind die Grabsteine ? « fragte die Matuschka mit der vollen Ruhe derer , die sich noch weitab davon fühlen . » Sie dürfen keine Mehrheit von mir verlangen , gnädigste Gräfin « , antwortete Jürgaß , der sich mit dieser und Kathinka von dem Reste der Gesellschaft abgesondert und , weil er das Kloster genau kannte , der speziellen Führung der beiden jungen Damen unterzogen hatte . » Die Lehninschen Grabsteine , dank amtlicher und nichtamtlicher Verwüstungen , beschränken sich auf einen . Ich werde gleich die Ehre haben , Ihnen denselben vorzustellen . « Damit schritt er die Stufen zum hohen Chore hinauf , wo ein Mönch , in Stein geschnitten , auf seinem Grabe lag . Kathinka und die Matuschka folgten . » Ich erwartete « , sagte die Gräfin , » einen Soldaten zu sehen « , setzte dann aber , sich schnell verbessernd , hinzu , » ich meine einen Krieger . Sie dürfen nicht lachen , Jürgaß . Es ist doch anzunehmen , daß die Markgrafen Krieger waren , mit Schild und Panzerhemd und einer Krone . Oder trugen sie keine ? Sie schweigen wieder ; das ist nicht recht ; ein Führer muß immer sprechen . Jedenfalls müssen diese Markgrafen doch irgend etwas auf dem Kopfe gehabt haben . Es waren Askanier , wenn ich den alten Ladalinski recht verstanden habe . « » Ja , Askanier oder Anhaltiner . « » Nicht doch . Sie wollen mich verwirren . Wenn es Askanier waren , so können es keine Anhaltiner gewesen sein . Der Alte Dessauer , der auf dem Lustgarten steht und von dem sie bei großen Militärkonzerten den Marsch mit dem langen Trompetensolo spielen , der war ein Anhaltiner ... Aber was ist denn das ? « und dabei stieß die schöne Gräfin mit ihrer Fußspitze an einen Baumstumpf , der , selber hart wie Stein , etwa zwei , drei Handbreiten hoch sich aus dem Steinhoden erhob . » Das ist das Überbleibsel von jenem Eichenstamm , aus dem vor so und so vielen Jahrhunderten , mit deren näherer Angabe ich Sie nicht belästigen will , das gesamte Kloster Lehnin emporgewachsen ist . Unter diesem Baume , als er noch ein Baum und nicht ein Stumpf war , hatte Markgraf Otto , der erste seines Namens , einen Traum , der ihm Gefahr in diesen Wäldern prophezeite . Markgraf Otto aber war ein Sohn Albrechts des Bären , von dem gnädigste Gräfin vielleicht gehört haben werden . « » Gewiß , gewiß ; Heinrich der Löwe , Albrecht der Bär . « » Sehr gut . Nun , also Markgraf Otto hatte einen bösen , unheilverkündenden Traum , und seine Manne , die auch christliche Askanier waren , drangen , als sie von dem Traume hörten , in ihn , eine schutzgebende Burg gegen die Wenden zu bauen . « » Gegen die Wenden ? Was sind Wenden ? « » Wenden hießen die heidnischen Völkerschaften , die damals hier zu Hause waren . « » Nun gut . Und was tat nun der Markgraf ? « » Er erwiderte : Eine Burg gegen die Wenden will ich gründen , aber eine Burg , von der aus unsere teuflischen Widersacher , darunter verstand er die Wenden , nicht durch Waffenlärm , sondern durch heiligen Gesang verscheucht werden sollen . Und so baute er ein Kloster . Und dies Kloster hieß Lehnin . « Während dieser Auseinandersetzung waren sie weitergeschritten bis an das Querschiff der Kirche , in dem alle möglichen Bilder in wurmstichigen , halbzerstörten Holzrahmen hingen , so daß oft ganze Stücke herausgefallen waren . Vor dem größten dieser Bilder blieb Kathinka , die den Arm der Matuschka genommen hatte , stehen und sagte zu Lewin , der mittlerweile von der andern Gruppe her sich ihnen angeschlossen hatte : » Wie häßlich . Es sieht aus wie ein Jahrmarktsbild . « » Es ist auch etwas der Art. Selbst die Einteilung in Felder , wie die Damen bemerken werden , ist uns nicht erspart geblieben . Allerdings hat es der Künstler bei einer bloßen Zweiteilung , bei einem einfachen Oben und Unten bewenden