erweisen konnte , und versprach , daß ich die Zeichnung so genau und so gut machen werde , als es meine Kräfte gestatten . An einem der folgenden Tage fahren mein Gastfreund , Eustach , Roland , Gustav und ich in den Sternenhof ab . 4. Das Fest Ein Fest in dem Sinne , wie man das Wort gewöhnlich nimmt , war es nicht , was in dem Sternenhofe vorkommen sollte , sondern es waren mehrere Menschen zu einem gemeinschaftlichen Besuche eingeladen worden , und diese Einladungen hatte man auch nicht eigens und feierlich , sondern nur gelegentlich gemacht . Übrigens stand es in Hinsicht des Sternenhofes so wie des Asperhofes jedem Freunde und jedem Bekannten frei , zu was immer für einer Zeit einen Besuch zu machen und eine Weile zu bleiben . Als wir am zweiten Tage nach unserer Abreise von dem Asperhofe - wir hatten einen kleinen Umweg gemacht in dem Sternenhofe eintrafen , waren schon mehrere Menschen versammelt . Fremde Diener , zuweilen seltsam gekleidet , gingen , wie sich das allemal findet , wenn mehrere Familien zusammen kommen , in der Nähe des Schlosses herum oder auf dem Wege zwischen dem Meierhofe und dem Schlosse hin und her . Man hatte einen Teil der Wägen und Pferde in dem Meierhofe untergebracht . Wir fuhren bei dem Tore hinein , und unser Wagen hielt im Hofe . Ich hatte schon , da wir den Hügel hinan fahren und uns dem Schlosse näherten , einen Blick auf dessen vorderste Mauer geworfen , an der jetzt die bloßen Steine ohne Tünche sichtbar waren , und hatte mein Urteil schnell gefaßt . Mir gefiel die neue Gestalt um außerordentliches besser als die frühere , an welche ich jetzt kaum zurück denken mochte . Meine Begleiter äußerten sich während des Hinzufahrens nicht , ich sagte natürlich auch nichts . Im Hofe näherten sich Diener , welche unser Gepäcke in Empfang nehmen und Wagen und Pferde unterbringen sollten . Der Hausverwalter führte uns die große Treppe hinan und geleitete uns in das Gesellschaftszimmer . Dasselbe war eines von jenen Zimmern , die in einer Reihe fortlaufen und mit den neuen , im Asperhofe verfertigten Geräten versehen sind . Die Türen aller dieser Zimmer standen offen . Mathilde saß an einem Tische und eine ältliche Frau neben ihr . Mehrere andere Frauen und Mädchen so wie ältere und jüngere Männer saßen an verschiedenen Stellen umher . Auf dem unscheinbarsten Platze saß Natalie . Mathilde so wie Natalie waren gekleidet , wie die Frauen und Mädchen von den besseren Ständen gekleidet zu sein pflegten ; aber ich konnte doch nicht umhin , zu bemerken , daß ihre Kleider weit einfacher gemacht und verziert waren als die der anderen Frauen , daß sie aber viel besser zusammen stimmten und ein edleres Gepräge trugen , als man dies sonst findet . Mir war , als sähe ich den Geist meines Gastfreundes daraus hervorblicken , und wenn ich an höhere Kreise unserer Stadt , zu denen ich Zutritt hatte , dachte , so schien es mir auch , daß gerade dieser Anzug derjenige vornehme sei , nach welchem die andern strebten . Mathilde stand auf und verbeugte sich freundlich gegen uns . Das taten die andern auch , und wir taten es gegen Mathilde und gegen die andern . Hierauf setzte man sich wieder , und der Hausverwalter und zwei Diener sorgten , daß wir Sitze bekamen . Ich setzte mich an eine Stelle , welche sehr wenig auffällig war . Die Sitte des gegenseitigen Vorstellens der Personen , wie sie fast überall vorkömmt , scheint in dem Rosenhause und in dem Sternenhofe nicht strenge gebräuchlich zu sein ; denn ich wußte schon mehrere Fälle , in denen es unterblieben war ; besonders wenn sich mehrere Menschen zusammen gefunden hatten . Bei der gegenwärtigen Gelegenheit unterblieb es auch . Man überließ es eher den Bemühungen des Einzelnen , sich die Kenntnis über eine Person zu verschaffen , an der ihm gelegen war , oder man überließ es eher dem Zufalle , mit einander bekannt zu werden , als daß man bei jedem neuen Ankömmlinge das Verzeichnis der Anwesenden gegen ihn wiederholt hätte . Zudem schienen sich hier die meisten Personen zu kennen . Mich wollte man wahrscheinlich aus dem Spiele lassen , weil ich nie , wenn fremde Menschen in den Asperhof gekommen waren , gefragt hatte , wer sie seien . Gustav benahm sich hier auch beinahe wie ein Fremder . Nachdem er sich gegen seine Mutter sehr artig verbeugt , in die allgemeine Verbeugung gegen die andern eingestimmt und Natalien zugelächelt hatte , setzte er sich bescheiden auf einen abgelegenen Platz und hörte aufmerksam zu . Mein Gastfreund und Eustach so wie auch Roland waren in den gebräuchlichen Besuchkleidern , ich ebenfalls . Mir kamen diese Männer in ihren schwarzen Kleidern fremder und fast geringer vor als in ihrem gewöhnlichen Hausanzuge . Mein Gastfreund war bald mit verschiedenen Anwesenden im Gespräche . Allgemein wurde von allgemeinen und gewöhnlichen Dingen geredet , und das Gespräch ging bald zwischen einzelnen , bald zwischen mehreren Personen hin und wider . Ich sprach wenig , und fast ausschließlich nur , wenn ich angeredet und gefragt wurde . Ich sah auf die Versammlung vor mir oder auf manchen Einzelnen oder auf Natalien . Roland rückte einmal seinen Stuhl zu mir und knüpfte ein Gespräch über Dinge an , die uns beiden nahe lagen . Wahrscheinlich tat er es , weil er sich eben so vereinsamt unter den Menschen empfand wie ich . Nachdem man den Nachmittagstee , bei dem man eigentlich versammelt war , verzehrt und sich schon zum größten Teile erhoben hatte und in Gruppen zusammen getreten war , wurde der Vorschlag gemacht , sich in den Garten zu begeben und dort einen Spaziergang zu machen . Der Vorschlag fand Beifall . Mathilde erhob sich , und mit ihr die älteren Frauen . Die jüngeren waren ohnehin schon gestanden . Ein schöner alter Herr , wahrscheinlich der Gatte