, worauf der Kriegsrath das eine nach einigem Bedenken ergriffen und mit ihm angestoßen hatte . » Ueberdem ist sie auch noch zu jung , « setzte er hinzu , und das halb ausgetrunkene Glas auf den Tisch . Der Andere sagte : » Alter schützt vor Thorheit nicht , und zu jung ist keine nicht , um sich nicht zu verplempern . « Der Kriegsrath spielte etwas verlegen oder verletzt mit der silbernen Dose , einem Präsent seines Ministers : » Nun was das Verplempern anlangt , mein Herr van Asten , so dünkt mich - « » Mein Sohn hätte sich verplempert - meinen Sie vielleicht , « fiel der Kaufmann ihm ins Wort . » Wenn auf meinem Kornboden zwei Säcke geplatzt sind und der Roggen und Waizen liegen untereinander , da kümmert ' s mich wenig , welcher Sack zuerst platzte , sondern wie ich die Körner auseinander bringe , oder mitsammen verwerthe . Unsere Säcke sind Gott sei Dank noch nicht geplatzt , da halte ich nun fürs Beste , daß Jeder seinen an sich nimmt und sich nicht um den andern kümmert . Sehen Sie , aufrichtige Leute kommen bald zu Rande , und das , was sonst ist , soll uns nicht kümmern , und wir bleiben gute Freunde . Darum erlaube ich mir noch ein Mal an Ihr Glas anzustoßen . « Der Kriegsrath seufzte ; der Andere hätte es recht gern zur Gesellschaft gethan , nur um die Einigkeit vollkommen herzustellen , der alte van Asten konnte aber nicht seufzen . » Mein hochverehrtester Herr Kriegsrath , mit Ihrem Permiß , ich lese Ihre Gedanken . Daß die jungen Leute jetzt auch ihren Willen haben wollen , das gefällt Ihnen nicht . Sie seufzen : ehedem war ' s anders ! Habe ich gar nichts dagegen . Ehedem wog man ein Pfund Pfeffer mit Gold auf , jetzt kostet ' s ein paar Groschen . Ehedem bezahlte man mit Pfeffer seine Wechsel . Wenn mir jetzt Einer damit käme , würfe ich ihn die Treppe runter . Ist so mit Allem , mit der kindlichen Liebe , mit der Freiheit , der Erziehung ; der Marktpreis ist ihr Werth . Steht darum geschrieben , daß wir den Marktpreis nicht machen können ! Man muß nur geschickt operiren . Mein Herr Sohn will auf dem Kopf stehen , Ihre Mamsell Tochter auch . I nu , so lassen wir sie , bis sie müde werden . Daß sie ' s aber werden , dazu kann man schon was thun . Wenn ein Materialist einen Jungen in die Lehre nahm , ehedem kriegte er Schläge nach Noten , wenn er naschte . Es hat wohl nicht immer geholfen . Jetzt lässt sein Prinzipal ihn so viel Syrup nippen , und Rosinen und Mandeln naschen , als er Lust hat . Ein , zwei Mal den Magen verdorben , und er ist curirt auf sein Leben . Und so ist ' s mit dem eignen Willen auch , und mit der Freiheit und mit , was sonst ist . Sie kommen retour , sage ich Ihnen , wenn man ' s nur recht anfängt . Lassen Sie nun Ihre Demoiselle Tochter in meinen Herrn Sohn verliebt sein , ganz geruhig , bis sie sich übergeliebt haben . Glauben Sie mir , das kommt über kurz oder lang , denn satt macht die Liebe nicht , und zanken werden sie sich auch , und verknurren , wenn man sie nur lässt , und dann kommt die lange Weile , die rothen Augen machen auch nicht schöner . Aus Wochen werden Monate und aus Monaten Jahre . Sieht ein hübsches Mädchen erst eine Falte im Gesicht , die nicht fort will - ich will gar nicht sagen Runzel - da guckt wohl ein kleiner Gedanke raus : ja wenn ich den nicht zurückgewiesen hätte ! Oder den ! Dann wird der Liebste auch nicht grade sehr freundlich angesehen , wenn er zur Thür rein kommt , und auf einer seiner Runzeln steht : ich habe noch immer nichts ! Sieht er nu in ihrem Gesichte , was sie in seinem sieht , na - und so weiter , und am Ende - sie weinen , sie fühlen sie haben sich getäuscht , es wird geklatscht dazwischen , dafür braucht man gar nicht zu sorgen , und am letzten Ende nimmt die gehorsame Tochter den ersten besten , den der Papa ihr zuführt . Und überlässt man ' s dann den Muhmen und Gevattern die Sache zu arrangiren , so kommt ' s am letzten Ende raus : sie hat ihn von Kindheit an geliebt . « Dies war ungefähr das Gespräch , welches die beiden ältlichen Herren vor dem Eintritt der Offiziere geführt , und das durch das laute Vorlesen des Gedichtes unterbrochen war . Der Kriegsrath schüttelte den Kopf als er seinen Hut nahm . » Gefallen Ihnen die Sentiments nicht von Salomon und Titus ? « fragte der Kaufmann und griff nach einem Zeitungsblatt . » Sie sind sehr schön , « entgegnete der Kriegsrath , » nur begreife ich nicht , wie man so etwas zu drucken erlaubt . Dadurch wird ja der Bonaparte avertirt , was hier passirt ist . « » Sehr richtig bemerkt , « sagte van Asten , und sein schlaues Gesicht wollte gewiß noch etwas sagen , aber der Kriegsrath gab , als der vornehmere Mann , das Zeichen , daß er genug gehört , indem er sich mit einer leichten Verbeugung empfahl . Der Vornehmere muß das letzte Wort behalten . Aber als er durch die Offiziere den Weg nach der Thür suchte , waren offenbar diese die Vornehmeren . Sonst liebte er doch nicht die Offiziere , aber mit verbindlichen Verbeugungen schlängelte er sich durch ihre Füße , welche die Herren sich nicht besondere Mühe gaben aus dem Wege zu ziehen . » Das war der Vater von dem schönen Mädchen , « sagte ein Garde