eine peinliche Scene zu , die mit einem Eidschwur endete , den man von ihr über die Geheimnisse dieses Schlosses begehrte . Nach langem Weigern willfahrte sie endlich , da sie sich kaum denken konnte , daß , außer dem Fanatismus der Einzelnen , irgend ein böser Zweck diesen Dingen zum Grunde liege , und da sie wohl einsah , daß ihr keine Wahl bleiben würde , wenn sie nicht selbst jede Hoffnung zum Heraustreten aus diesem Hause damit zerstören wollte . Ihr Verhältniß zu der Lady des Hauses blieb gleich widrig und beklemmend für sie . War auch eine ähnliche Nacht-Scene nicht wieder vorgefallen , hatte diese doch ein so tief reichendes Ensetzen in ihr zurückgelassen , daß durch ungewöhnliche Töne , die oft Nachts an ihr Ohr drangen und durch eine Nachlässigkeit Margariths einst an die Thür ihres Schlafgemaches vorrückten , ihr hinreichend der grauenvolle Eindruck unterhalten ward , den jene furchtbare Frau ihr eingeflößt hatte . Fast räthselhaft schien jedoch bei solcher Geisteszerrüttung die körperliche Stärke sowol , als die Schärfe und Klarheit des Verstandes , die ihr nach solchem Paroxismus verblieb . Wie abschreckend und empörend die Richtung dieses Geistes auch war , setzte sie doch oft ihre gelehrten Umgebungen in Erstaunen , und führte mit ihrem schlagenden Verstande Geistes-Kämpfe , wobei ihre Gegner , wofern sie nicht meist zu der durch Weltklugheit berühmten Gesellschaft Jesu gehört hätten , ihrem durch weitreichende Erfahrungen entwickelten und überlegenen Scharfblick hätten weichen müssen . Maria war die Rolle , die sie früher in der Welt gespielt , verborgen , aber sie bekam ein treues Bild von den Qualen , dem ein durch Sünden zerstörtes Gewissen auch bei der größten Härte des Gemüths nicht entgeht . Sie gewahrte mit Erstaunen , wie diese stolze , jeden Augenblick Widerstand leistende Frau , wie ein Kind eingeschüchtert und bebend vor dem angedrohten Fluch der Kirche , sich den harten Worten des Geistlichen und seinem Willen unterwarf , den sie , wenn sie sich von dieser innern Qual mit allen Hülfsmitteln ihres sophistischen Verstandes wieder befreit hatte , ihrerseits zu unterdrücken , eifrig bemüht war . - Was jedoch unsere junge Heldin nicht erfuhr , sei uns erlaubt , für den Theil unserer Leser , denen das Leben der Franziska Howard nicht bekannt ist , mit einigen Worten hier einzuschalten . Nach dem Willen Jakobs des Ersten , die beiden Familien , denen er gleich verpflichtet war , an einander zu knüpfen , wurden Lord Essex und Lady Franziska , wie sie uns selbst schon angedeutet hat , schon als Kinder , und beschäftigt noch mit Puppe und hölzernem Schwert , mit einander vermählt , und der vierzehnjährige Gemahl mit seinem Gefolge nach Italien geschickt , um dort seine Erziehung zu vollenden . Lady Franziska erblühte indessen zu einer seltenen Schönheit , und als Hofdame der Königin führte sie der tägliche Umgang in die Arme eines königlichen Günstlings , der , aus dem niedrigsten Stande durch blühende Schönheit und Liebenswürdigkeit zu den höchsten Würden und Ehrenstellen von Jakobs lächerlicher Vorliebe emporgehoben , endlich zum Herzoge von Sommerset erklärt ward . Beide Liebende zweifelten nicht , daß Jakob eine Scheinehe , wie sie Lady Franziska fesselte , leicht den Wünschen seines Lieblings opfern würde , und waren daher sehr erstaunt , dem ungemessensten Zorne des Königs bei dieser Entdeckung zu begegnen . Durch die Gunst des Kanzlers Lord Overbury war Sommerset dem Könige bekannt geworden , und von dem ausgezeichneten Geiste und den großen Kenntnissen dieses Staatsmannes unterstützt , war es dem völlig unwissenden Jünglinge allein möglich gewesen , die Stelle eines Ministers auszufüllen , die Jakob ihm aufnöthigte . Er stand auch hier , in sein Vertrauen gezogen , großmüthig dem Verirrten zur Seite und belebte seine Hoffnung für die Zukunft . Jakob bestand indessen darauf , daß Lady Franziska ihre Verpflichtungen gegen Essex , der nun voll Liebe gegen seine junge Gattin zurückgekehrt war , erfüllen solle , und verbannte sie bei ihrer hartnäckigen Weigerung vom Hofe . Hier unterhielt Overbury den Briefwechsel der Getrennten und blieb ihr Schutz gegen Jakobs härtere Maaßregeln . Aber die zügellose Leidenschaft der durch Widerspruch Gereizten hinterging die vorsichtige Sorgfalt ihres edeln Freundes ; sie fanden Mittel , sich ohne seine Hülfe zu sehen , und vollzogen , gegen den Rath ihres Wohlthäters , ihre in jeder Beziehung unrechtmäßige Vermählung . Mit dem ganz edeln Zorn eines boshaft hintergangenen Freundes sagte sich Overbury nach dieser Entdeckung von den bisher Beschützten los , und ihrer eigenen Thorheit überlassen , ward ihr Geheimniß nur zu schnell dem Könige verrathen , und Beide wurden in den Tower gesetzt . So aus dem glänzenden Leben ausgestoßen , dem Beide ganz ergeben , entwickelten sich alle die gehässigen , schon bereit liegenden Laster Franziskas , und ihren Gemahl , dessen indolenter Karakter mehr gewährend , als mit handelnd war , gänzlich beherrschend , schwur sie ihrem Wohlthäter Overbury eine unversöhnliche Rache , da er ihr den Schutz verweigerte , den zu leisten sie selbst unmöglich gemacht hatte . Die Sammlung ihrer Briefe unter Overburys Adresse , die Summen , die er ihnen vorgestreckt , wurden die sorgfältig geordneten Dokumente , womit die Lady ihre eigene Mutter an den König absendete , ihren Wohlthäter zu stürzen . Der Erfolg ward von einem Gelddefekt unterstützt , den der unglückliche Mann nicht nachweisen konnte , und der ebenfalls durch die Agenten der Lady ihm gemacht war . Unläugbar hatte er den Zorn des Königs verdient , indem er den beiden Verliebten so ganz gegen den Willen seines Monarchen Vorschub geleistet . Vergeblich verschwor Overbury seine Theilnahme an der endlichen Vermählung ; Lady Franziska hatte durch nachgemachte Briefe auch dies völlig außer Zweifel gestellt , und Overbury betrat den Tower an dem Tage , an welchem Lord Sommerset mit seiner Gemahlin ihn verließ , welche , vom Könige begnadigt , ihren ehemaligen Platz bei Hofe wieder einzunehmen hofften . Hier entstand aber ein wüthender Kampf der Eifersucht zwischen dem indessen heimisch gewordenen Herzog von Buckingham