Herzoge und seiner Gemahlin erwartet , weiß ich recht wohl . Waren wir doch schon in jenen früheren Tagen einander unverständlich ! Er ist mehr ein Begriff , als ein Mensch , und sie hat , ungeachtet aller Güte , etwas unendlich Peinliches in ihrem Wesen . Ich mochte tun , was ich wollte , für mich sein , oder in Gesellschaft , lesen oder frische Luft schöpfen , so hatte ich beziehungsvolle Reden über weibliche Genialität , Gelehrsamkeit und dergleichen anzuhören . Daneben glaubte sie denn , und glaubt es noch in ihrem Briefe , mich zu lieben , während sie doch immer nur mit dem ganzen Dünkel solcher wohlwollenden Quälgeister eine anmaßliche Vormundschaft über mich hat ausüben wollen . « » Und dennoch ? ... « » Und dennoch . - Ich sehe voraus , wie man mich beobachten , bemitleiden , und auf die beste Manier von der Welt nach und nach einzwängen wird , und dennoch wähle ich diesen Kerker . Soll uns das Bittre süß schmecken ? Ist eine Eigenschaft des Jochs nicht die Schwere ? Ich habe gefehlt , nicht wie meine Verwandten meinen , aber ich irrte , indem ich wähnte , uns Frauen der neueren Zeit sei die Begeistrung erlaubt , sei es erlaubt , auf den Schwingen der Begeistrung dem Manne entgegenzuschweben , der unsrer wert ist . Wir sind Geschöpfe der Familie , auf sie sind wir gepflanzt , und so ist es nur ein gerechter Gang meines Lebens , wenn ich nun dem mich demütig ergebe , was mir die Familie bedeutet , wenn ich alles geruhig erdulde , was auf diesem Boden drückend und feindlich für mich emporsteigt . « Da er sie fest bestimmt sah , so ließ er von weiterem Zureden ab und entwarf den Brief an die Herzogin . Johanna überlas ihn und strich daraus alles weg , was ein Lob ihrer Person enthielt . Nachdem die von ihr gebilligte Abfassung zustande gekommen war , wurde ein reitender Bote damit nach dem Schlosse des Herzogs gesendet , der die Antwort zurückbringen sollte . Diese wollte Johanna auf dem Landhause erwarten . In diesem wurde es nun sehr lebendig . Johanna hatte ausdrücklich befohlen , daß um ihretwillen kein Zwang eintreten solle , indem sie sich schon zurückzuziehen wissen werde , wenn das Getöse ihr beschwerlich falle . Es waren daher auch die jungen Leute in Freiheit gesetzt worden , die es nun an Lärmen und Unruhe nicht fehlen ließen . Von den Beschäftigungen , womit sie ihren Tag hinbrachten , führen wir nur beispielsweise an , daß einer derselben auf nichts bedacht war , als vom Morgen bis zum Abend seinen Backenbart in Ordnung zu halten , und daß ein andrer in einem mitgebrachten blechernen Reisekomfort fortwährend Beefsteaks briet , welche er dann zum Fenster hinauswarf . Hermann konnte daher Flämmchen eigentlich nicht unrecht geben , als sie auf seine wiederholte Ermahnung , sich dieser Umgebung zu entäußern , versetzte : » Warum schiltst du mich ? Andre halten sich zur Gesellschaft Hündchen und Äffchen , wogegen ich einen Widerwillen habe ; ich halte mir diese , die aus guter Familie und nicht so unreinlich sind , wie jene Geschöpfe . « Zu den possenhaften Bewohnern paßte die Örtlichkeit vollkommen . Die Villa war der treue Abdruck des Sinns , wodurch der Domherr sein Leben zersplittert hatte . Daß nichts an seiner Stelle stand , die Stühle fast überall in ungerader Zahl vorhanden waren , Schränke und Sofas häufig schief gerichtet mitten in den Zimmern angetroffen wurden , konnte auf Flämmchens Rechnung kommen , welche behauptete , das Geräte sei da , sich umherstoßen zu lassen . Allein so manches andre bezeichnete das Gehäuse , welches der verstorbne Besitzer selbst um sich geschaffen hatte . So war die Bibliothek , wenn man einen Haufen willkürlich zusammengeraffter Bücher mit diesem Namen belegen will , unmittelbar an der Küche , ja fast in derselben angebracht , weil der Domherr sich eine Zeitlang eingebildet hatte , der Dampf der Speise stärke , als eine Art leichter olympischer Nahrung den Geist beim Studieren . Rosenkreuzerische Symbole fanden sich neben schlüpfrigen Bade- und Toilettenszenen , ein astronomisches Kabinett wies bei näherer Untersuchung nur pappene Fernröhre und Quadranten auf . Der Verstorbne war nämlich , gerade als Maler und Schnitzler die entsprechende Verzierung des Raums vollendet hatten , seiner schnell entstandnen Liebhaberei zu den Sternen wieder überdrüssig geworden , und hatte sich nun begnügt , die Instrumente und Vorrichtungen selbst nur als theatralische Requisiten hinzuzufügen . Einmal besah Hermann , der hier viel müßige Stunden hatte , um die Zeit hinzubringen , die Naturalien , welche in einem kleinen Kämmerchen aufbewahrt wurden . Ausgestopfte Tiere , neuseeländische Waffen , Walfischrippen , Erze , Konchylien waren über- , unter- , nebeneinander gestopft ; man konnte sich zwischen dem Gerülle kaum durchwinden . Große chinesische Figuren standen in den Ecken , und wiegten wie Denker , bedächtig die Porzellanhäupter . Hermann öffnete eine Türe , und betrat ein angrenzendes dunkles Gemach , in dem seine Fußtritte widerhallten . Hier die eigentlichen Schätze vermutend , ließ er sich Licht bringen , und erstaunte nicht wenig , als er sich in einem ganz leeren , blau angestrichnen , großen , saalartigen Zimmer sah , in welches kein Tagesstrahl dringen konnte , weil demselben die Fenster fehlten . Er erkundigte sich bei dem Bedienten , wozu dieser leere Raum diene , und weshalb man nicht hier , wo Platz genug vorhanden sei , die Sammlung aufgestellt habe ? Der Bediente versetzte , daß die beiden Gemächer eine Allegorie darstellen sollten , das kleine mit seinem Inhalte bedeute die Mannigfaltigkeit der Natur , und das große , leere , blaue , die Ewigkeit , zu welcher die Natur hinführe ; so habe es der selige Herr erfunden und ausgedacht . Ein Vorhang an der Hinterwand reizte Hermanns Neugier . » Dahinter « , sagte der Bediente auf seine Frage , » sollte der liebe Gott angebracht werden