aus dem Ellenbogen durch den Trichter herauslief . Anton fand sich durch diesen Wundermenschen so angezogen , daß er seiner Einladung gern folgte und ihn auf sein Zimmer begleitete . Hier empfing ihn Faust besonders zärtlich , er drückte ihm die Hände und fragte zu Antons großer Beschämung , wie er , der so ritterlich aussähe , zu einem Paar seidenen schwarzen Ratsherrnhosen komme . Anton meinte in der Verlegenheit , sie seien kühl und leicht für seine Wunde . Faust wünschte diese Wunde zu sehen und versprach ihm sichere Hülfe , da er seit frühen Jahren aus der Wundarzneikunde sein Hauptgeschäft gemacht habe . Anton zeigte keine Neigung dazu , da ihn die Wunde jetzt nicht schmerzte , vielmehr dachte er mit inniger Sehnsucht an seine Frau und an seine Kinder und fuhr heraus : » Doktor , Ihr könnt so viele Künste , könntet Ihr mir doch meine Frau zeigen , was sie und die Kinder eben tun und denken ! « Faust sah ihn ernsthaft an : » Könnt Ihr schweigen und mir danken , so soll es geschehen , es ist eine schwere Arbeit ; geht in das Nebengemach , ich werde hier meine Kunst treiben . « Anton trat nicht ohne zagen in ein Nebengemach , er hatte ein Buch erstanden , was ihm den Verstand verwirren konnte , er ahnete es , aber die Begierde ließ nicht davon ab . Schon war er im Begriff den Handel aufzusagen , und trat gegen die Tür , als er seine Frau , wie sie leibte und lebte , doch mager und mit verweinten Augen zu sehen glaubte , wie sie vor dem ältesten Sohne Oswald hingestreckt lag , der entseelt und blutig den kleinen Tisch vor ihr einnahm . - Der Jammer überwältigte in diesem Augenblicke allen Schrecken im Herzen Antons , er wollte die geliebte Frau erwecken und sich über sie hinstürzen ; indem er sich zu ihr bewegte , geschah ein heftiger Schlag , als flöge eine Mine auf , er sank nieder ; als er erwachte , stand Faust neben ihm , der ihm mancherlei Essenzen eingeflößt hatte . Anton fragte verstört : » So ist es doch alles wahr , was ich gesehen ? « » Ihr habt uns alle in große Gefahr gesetzt « , sagte Faust , » durch Euren gewaltsamen Eingriff ins Geisterreich ; wohl mag ich staunen , daß Ihr so unverletzt zurückgeschleudert seid . « Mehr brachte Anton erst weder mit Drohungen , noch mit Bitten aus ihm heraus , als er aber endlich , da es schon spät geworden , so dringend flehte , nur noch einmal die geliebte Frau zu sehen , da sagte ihm Faust , er könne es nur mit großen Kosten , durch die teuersten Kunstmittel erreichen , er solle ihm also bis zu einem gewissen Tage hundert Florien oder seine Seele versprechen . Anton bestimmte den Tag der Rückkehr Susannens und unterschrieb fast blindlings . Mit trauriger , doch gefaßter Seele wartete er jetzt im Nebengemache ; endlich fing die Wand an zurückzuwanken , Dämmerlicht blickte durch eine lange Grabeshalle , viele Särge standen in einer Reihe . An dem Sarge seines geliebten Bürgermeisters erkannte er das Grabgewölb der Waiblinger Bürgermeister , er sah es geöffnet , sah wie sich sein graues Haupt schmerzlich umgewendet hatte , sah den Schrank , worin seine Frau ihre erste Ausstattung immer sorgsam hegte zu seinen Füßen , und seine Frau ohnmächtig daneben ; doch stärkte ihn Susannens Anblick neben ihr , die mit helleuchtenden weißen Schwanenflügeln ihre Tränen wegzuwischen schien . Er sah wie sie Frau Annen erweckte , in dem Augenblicke schwand die Erscheinung . Erst jetzt , wo Faust mit einem Lichte eintrat , bemerkte er , wie er mit beiden Händen tief in den morschen Stuhl eingegriffen , worauf er sich festgesetzt hatte , um diese Erscheinung in keiner Art zu stören ; sein tiefstes Innere war erschüttert , er ahnete tausendfaches Unheil , was er sich nicht zu sagen und zu klagen wußte , vor allem ängstigte ihn das Wunderbare seines Geschicks . Er fragte jetzt auch Faust nach seinem Vater , nach dem Grafen von Stock ; jener aber wies ihn höhnisch ab , ob er ihn auch mit solchen alten Lügengeschichten äffen wolle ? - Ihn habe auch einmal dieser wahnsinnige Alte im Jagdschlosse am Walde für seinen Sohn erklärt , von Burgen erzählt , die nirgend anzutreffen , von Kronen , die nimmer wieder zu gewinnen ; » der Alte sitzt voll Schwindelei , sagt , ist Euch je recht wohl geworden bei ihm ? « Das konnte Anton nicht behaupten , er hatte immer eine Angst bei dem alten Rappolt empfunden , doch hätte er gern die Ehre des Alten verteidigt . Faust fuhr fort : » Ich sage Euch , ist der Alte kein Schelm , so ist er ein Narr ! « - Bei diesen Worten rief eine ferne Stimme : » Es ist nicht wahr ! « » Wenn du sprichst , muß ich wohl schweigen « , sagte Faust . Anton aber führte eine unsichtbare Hand des Schreckens aus dem Zimmer , vor welchem er den Wirt und die Wirtin in heftigem Streite antraf . » Was willst du hier « , sagte sie , » du hast mich hier belauschen wollen , nicht wahr , du Simpel ? « » Es ist nicht wahr , es ist nicht wahr « , rief er mit derselben Stimme , die Faust eben so mächtig zum Schweigen gebracht hatte . » Es ist nicht wahr « , hallte es in Antons Seele wider , » alles nicht wahr , die Stimme des Hohnes hat mich erschreckt und die Stimme des Zauberers belogen ; Rappolt ist mein Vater , Oswald lebt , meine Frau lebt , und statt aller Särge will ich von der ersten Freudennacht nach der Wiederkehr träumen . « Er versank bald in dem Pfühle , sah sich auf einer freundlichen alten