steckte das heilige Blatt voll Ton- und Dichtkunst an einen Ort , den er für schicklicher als die Rocktasche ansah , nämlich an dessen Geburtsort ' d.h. unter die Weste ans Herz . Drunten am See-Teich ließ er an seinem langen Bückling die drei Danksagerinnen vorübergleiten und teilend losen , weil er nicht offenbaren konnte , wieviel er jeder vom Rückenbogen abschneide . Aber welche entwickelnde Lebenskraft war mit Vulten aufs Eis gefahren , und wie schwebte der Geist über dem Wasser , das gefroren war ! - Zuerst bald Winas Bart- , bald ihr Wandelstern , bald ihre gerade schießende Sternschnuppe zu sein , damit fing er an - sie Schachkönigin zu decken gegen jede Königin , es sei als Läufer , als Springer oder Turm - als Amors Pfeil zu fliegen , so oft sie Amors Bogen war - es nicht zu leiden , wenn sie kühner fliegen wollte als er , sondern sie so lange zu überbieten , bis er selber überboten wurde und dann leichter den Wettflug mit einem Doppelsiege schloß - dies war die Kunst , womit seine schöne , von der Welt erzogne Gestalt ihren Wert entwickelte in leichter Haltung und Wechslung . Walt war am Ufer als Strandläufer außer sich vor Lust und warf laut den schönen Tanz- und Schweb-Linien Kränze von Gewicht in so richtigen Kunstwörtern zu , daß man hätte schwören sollen , er tanze . Er sprach noch vernehmlich von drei Grazien ; - » welche noch dazu « , versetzte Vult , » wenn nicht um die Venus , doch um deren Mann tanzen ; und was fehlt denn uns , Herr Harnisch , zu drei Weisen als die Zahl ? « - Nur mußte Walt unter dem Bewundern beklagen , nämlich sich und sein Strandlaufen ; denn auf dem Eise wäre er nicht viel leichter zu drehen gewesen als ein Kriegsschiff . Vielleicht wird der Druck einer niedrigen Abstammung nie schmerzlicher empfunden als in den geselligen Festen , zu welchen die dürftige Erziehung nicht mit den Künsten der Freude ausrüstete , wie Tanz , Gesang , Reiten , Spiel , französisches Sprechen sind . Gegen Raphaela war Vult der artigste Mann , den es auf dem Teiche gab , sagte ihr Höflichkeiten über ihre für diesen Tanz gemachte Gestalt - welche ihm und ihr leicht zu glauben waren , weil sie wirklich einige Zolle über Wina hinaus maß - und schnitt oder fuhr sogar ihr Namens-R mit den Schuhen in die Eisrinde wie in eine Baumrinde ein . Sie nahm indes sein höfliches Übermaß ohne eignes auf ; vielleicht weil das seinige den Scherz nicht genug verbarg und weil sie als eifersüchtige Freundin Winas unwillig die Hand sah , die er so offen nach dieser ausstreckte . Er überhüpfte oder überfuhr es . Zu Engelberta sagt ' er : » Wir wollen Geliebtens spielen . « - » Auf dem Eise bin ich dabei « , erwiderte sie ; und so neckten beide sich leicht und rasch mit ihrem Rollen-Schein , er mit edel- und weltmännischer Keckheit , sie mit kaufmännischer weiblicher . » Wüßte man nur « , schien sie zu denken , » ob er mehr ein seltsamer Haberecht wäre als ein närrischer Habenichts : dann wäre mehr zu tun . « Fünfmal hatte schon Walt an sein Musikblatt gedacht , um es einzuhändigen , und es viermal vergessen , wenn Wina wie seine ganze Zukunft um sein Ufer flog oder gar ihn mit einem Blumenblicke bewarf , dem er zu lange nachträumte . Endlich sagte er der Eisfahrerin : » Zwei Ja sind neben Ihnen . « - » Ich verstand sie nicht ganz « , sagte sie lächelnd wiederkommend und entglitt . Er ging ihr am Ufer ein wenig entgegen aufs Eis : » Ihr Wunsch wurde auch der fremde « , sagte er . » Wie ists mit der Flötenmusik ? « fragte sie fliehend . » Ich trage Musik und Text bei mir , aber nicht bloß am Herzen « , antwortete er , als sie wieder herfuhr . » Wie herrlich ! « sagte sie umwendend und glänzte vor Freude . Vult flog wie eifersüchtig fragend her : » Hat sie das Blatt ? « - » Sehr hingedeutet hab ' ich dreimal « , versetzte Walt , » aber wie natürlich fährt sie nicht unweiblich vor mir aus und steht . « Jener zog seine Flöte öffentlich vor und sagte laut , daß der ganze Teich es hörte : » Hr . Harnisch , Sie haben vorhin mein Musikblatt eingesteckt ? Jetzt blas ' ich . « Dieser reichte es ( seinem Blicke mehr als seinem Worte ) zu . Wina kam herbei . » Können Sie « , sagte Vult laut zu ihr , es übergebend , » im Mondschein noch lesen , was ich abspiele ? « Das trauende Mädchen sah ihn lieblich an und ernsthaft ins Blatt hinein , da er zu flöten anhob . Am Härchen des Zufalls hing nun der ganze Neujahrs-Morgen herab , zwar kein Schwert , aber eine blumige Krone . Gleichwohl tobt und jauchzet der Mensch wechselnd über dasselbe Härchen , bloß weil es zur einen Zeit ein Schwert , zur andern ein Diadem über seinem Kopfe hält und auf diesen fallen läßt . Wina las lange auf dem Blatt Noten nach , die er gar nicht blies , bis sie endlich Vults End-Absichten merkte und erfüllte . Wie flog sie dann der Flöte nach , um mit Blicken zu danken - und Walts Stand-Ufer vorüber , um ihn anzuschauen - und freudig über die kalte Fläche , weil ihre freundschaftlichen Wünsche so schön begünstigt waren und dieser Nacht nichts mehr fehlte als die erste des künftigen Jahrs . Welche erfreuete Blicke warf sie auf ihre Freundin und zum Sternenhimmel ! Dazu ging nun die umherirrende Flöte , die wie mit einem Springstabe den Notar vom Eis der Erde ans Empyreums-Eis des Himmels aufhob . Alles war zwar selig , Vult besonders