eines Brunnens . Ein Ratszimmermeister wurde konsultiert und unterfing sich endlich , die Sache wagen zu wollen . Ein halbes Hundert Arbeiter ward angestellt , um ein trichterförmiges Loch zu wühlen , das eine Tiefe von 40 und oben eine Weite von 50 Fuß hatte . Jedoch umsonst : kein Wasser kam und der Ratszimmermeister erklärte schließlich , » daß sein Rat und seine Weisheit zu Ende seien . « Stafetten gingen nun nach Berlin , um von dort her » höhere Meister « herbeizuholen . Aber wie zu Zeiten einer Epidemie keine Ärzte zu haben sind , so waren in jenem beispiellos trockenen Sommer ( 1857 ) keine Brunnenmacher zu haben . Von allen Seiten her waren dieselben Notschreie gekommen und in der Hauptstadt selbst stand es kaum besser . So blieb denn Gentzrode auf seine eigenen oder doch auf benachbarte Kräfte angewiesen . Und sie fanden sich auch . Ungerufen stellte sich ein kleiner , unansehnlicher Mann ein , namens Franke , der aus Groß-Menz gebürtig und seines Zeichens ein Maurergeselle war . Er erbot sich , den Brunnen fertig zu bauen . Wie begreiflich , fand er zunächst wenig Glauben und Vertrauen . » Er sieht aus wie ein Maulwurf « , sagte der alte Gentz ; » aber was soll uns das ; Erde genug ist aufgeworfen . « Franke ließ sich jedoch weder durch scherzhafte noch durch ernst gemeinte Bemerkungen aus der Fassung bringen und zeigte jedem Bedenken gegenüber eine solche Sicherheit und Ruhe , daß endlich beschlossen ward , ihn gewähren zu lassen . Er wurde nun in eine Baracke einlogiert , erwies sich hier mit allem zufrieden und imponierte zunächst durch Anspruchslosigkeit . Aber schon nach einigen Tagen überraschte die Kunstfertigkeit , mit der er zu Werke ging . Er hatte die Methode des » Senkens « , die die Ruppiner noch nicht kannten , und die , wenn ich richtig verstanden habe , dem » mit dem Kasten vorgehen « der Mineure oder der Anwendung des » Wolfs « oder Eisenwagens entsprach , mit dessen Hilfe beispielsweise der Tunnel in London gebaut wurde . Vortreiben , ausgraben und wieder vortreiben . Die vorgetriebene Eisenwandung ( so wenigstens beim Tunnelbau ) bildet den jedesmaligen Schutz für den Grabenden , während das hinter ihm liegende Stück ausgemauert wurde . Gentzrode war in jenen Tagen , fast mehr noch als später , eine Sehenswürdigkeit und es machte wirklich einen spukhaften Eindruck , den kleinen Mann bei Grubenlicht wie einen Erdgeist in der Tiefe hantieren zu sehen . Einer rief hinunter : » Wenn dich der Teufel geholt hat , so decke den Brunnen zu . « Dieses letztere wurde aber nicht nötig , weil das erstere nicht geschah ; Franke erreichte vielmehr nach vier Wochen angestrengter Arbeit den Wasserspiegel . Er lag 56 Fuß tief . Und mit neuem Mute setzte der » Maulwurf « nunmehr seine Arbeit fort . * Lassen wir ihn zunächst in seiner Tiefe , daraus wir ihn erst , in einem neuen kritischen Momente , wieder werden emporsteigen sehen . Denn seltsam , eben diesem kleinen Manne war es auch vorbehalten , die zweite , größere Not , die Gentzrode zu bestehen hatte , zu beseitigen oder wenigstens , allen andern vorauf , an ihrer Beseitigung mitzuwirken . Er hatte das Wasser gefunden . Das zweite , was er tat , war : er hielt den Lauf des Feuers auf . Die Geschichte davon zwingt uns , auf eine Zeit vor dem erst in Sicht stehenden Abschluß der Brunnenarbeiten zurückzugehen . Ein großer Teil des Gentzroder Gutsareals , namentlich aber die der königlichen Forst zugelegenen Reviere , waren mit Heidekraut überdeckt . Erlaubnis war nachgesucht worden , dies Heidekraut abbrennen zu dürfen , die Regierung hatte die nötige Zustimmung gegeben , und das in Frage kommende Terrain war in zwei Hälften , in eine Hälfte links und in eine andre rechts der Wittstocker Straße geteilt worden . Mit der einen Hälfte hatte man begonnen und bereits Ende August war unter Innehaltung aller üblichen Vorsichtsmaßregeln der Heidekrautbrand gefahrlos und ohne jeden Zwischenfall ausgeführt worden . Dies war zur Linken . Vier Wochen später sollte mit der Rechtshälfte vorgegangen werden . Diese vier Wochen waren jetzt um , und wie herkömmlich in Blättern angezeigt wird : » Am heutigen Tage finden Schießübungen statt « oder » auf dem Glacis werden Sprengungen vorgenommen « , so stand auch im Ruppiner Anzeiger : » Am 27. September wird auf der Strecke rechts vom Wittstocker Wege das Gentzroder Heidekraut niedergebrannt . « Eine Warnung und eine Festankündigung zu gleicher Zeit , denn eine große Zahl von Personen fand sich ein , um dem Schauspiele beizuwohnen . Bei Beschreibung der nun folgenden Szene laß ich den Hauptbeteiligten ( Alexander Gentz , auf den ich weiterhin zurückkomme ) selber sprechen : » Es war neun Uhr früh am genannten Tage ( 27. ) , als ich , in Begleitung einiger Freunde , von Ruppin her in Gentzrode eintraf . Ein leiser Wind blies bei unbewölktem Himmel über die Kahlenberge hin . Alles gewährte einen heitern Anblick , jeder war an seinem Platze , die Zuschauer erwartungsvoll . Wir nahmen also die bereitgehaltenen Fackeln zu Hand , und ohne uns lange bei der Frage aufzuhalten , wo ' s wohl am geratensten sei , anzufangen , gingen wir umgekehrt davon aus : › die nächste Stelle , die beste . ‹ So denn die Fackeln hinein , und im Nu stand eine Heidestrecke von dreihundert Schritt in Brand . Noch fünf Minuten und das Feuer fing bereits an , uns Bedenken zu machen , denn der Wind war heftiger geworden . Jetzt erst kam mir der Gedanke , mich auch zu vergewissern , ob seitens meines Inspektors der vorschriftsmäßige Sicherheitsstreifen gezogen sei . Wir waren alle wie vom Teufel des Leichtsinns besessen gewesen . Die gesetzliche Vorschrift , die vier Wochen vorher aufs genaueste befolgt worden war , forderte mit Recht einen 20 Ruten breiten , tief umgegepflügten