sein würde . Ich hatte dich jetzt schon zu lieb gewonnen , um die erstere Rolle oft zu spielen ; und wenn ich meine Hand freundlich ausstreckte , kam so viel Wonne und Licht und Farbe in deine jungen , traurigen Züge , daß ich mir oft Gewalt anthun mußte , um nicht die Arme auszubreiten und dich an mein volles Herz zu ziehen . « » Sprechen Sie nicht mehr von jenen Tagen , Sir , « unterbrach ich ihn , indem ich verstohlen einige Thränen von meinen Wimpern trocknete . Seine Worte waren Todesqualen für mich , denn ich wußte , was ich thun mußte – und bald thun – und all diese Erinnerungen , diese Reminiscenzen machten mir meine Aufgabe nur noch schwerer . » Nein , Jane , « erwiderte er , » wozu auch bei der Vergangenheit weilen , wenn die Gegenwart so viel Gewißheit bietet – wenn die Zukunft so hell und klar ist ? « Ein Schauder erfaßte mich , als ich diesen thörichten Ausspruch vernahm . » Du siehst jetzt , wie die Sache steht – nicht wahr ? « fuhr er fort . » Nachdem ich meine Jugend und meine Mannesjahre zur einen Hälfte in unsagbarem Elend , zur andern in trauriger Einsamkeit zugebracht , habe ich zum erstenmale gefunden , was ich wahrhaft lieben kann – habe ich dich gefunden . Du bist meine Sympathie – mein besseres Ich – mein guter Engel – ich hänge an dir mit einer starken Liebe . Ich glaube dich gut , begabt , klug , lieblich ; eine glühende , eine heilige Leidenschaft wohnt in meinem Herzen ; sie lehnt sich an dich , sie lenkt mein innerstes Sein , meinen Lebensquell zu dir , hüllt dich in mein ganzes Wesen ein – und indem sie in einer reinen , mächtigen Flamme auflodert , verschmilzt sie dich und mich in eins ! Weil ich dies fühlte und wußte , beschloß ich dich zu heiraten . Es ist leerer Hohn , mir zu entgegnen , daß ich bereits eine Gattin habe . Du weißt jetzt , daß ich nur einen widerwärtigen , grauenhaften Dämon habe . Es war ein furchtbares Unrecht , daß ich versuchte , dich zu täuschen , aber ich fürchtete den Eigensinn , der in deinem Charakter liegt . Ich fürchtete früh eingeimpfte Vorurteile ; ich wollte dich in Sicherheit bringen , bevor ich mich an jene vertraulichen Mitteilungen wagte . Dies war feige . Zuerst hätte ich an deine Großmut , deinen Edelsinn appellieren sollen , wie ich es jetzt thue – ich hätte mein ganzes Leben der Qual vor dir offenbaren sollen – dir meinen Hunger , meinen Durst nach einem höheren , würdigeren Dasein beschreiben müssen – dir gezeigt haben , nicht meinen Entschluß ( das ist ein schwaches Wort ) , sondern mein namenloses , unwiderstehliches Verlangen treu und innig zu lieben , wo ich treue und innige Gegenliebe finde . Dann erst hätte ich dich bitten dürfen , mein Gelübde der Treue anzunehmen und mir das deine zu geben , Jane – gieb es mir jetzt . « Eine Pause . » Weshalb schweigst du , Jane ? « Ich litt Todesqualen ; eine feurige Hand griff mir nach dem Sitz alles Lebens . Furchtbarer Augenblick , voll Kampf , Dunkelheit und Marter ! Kein lebendes Wesen konnte eine heißere Liebe begehren als wie sie mir wurde , und ich betete den an , der mich so liebte ! Dennoch mußte ich meinem Abgott , meiner Liebe entsagen ! Ein furchtbares Wort begriff meine entsetzliche Pflicht in sich : » Reise ab ! « » Jane , du verstehst doch , was ich von dir verlange ? Nur dies Versprechen – ich will die Ihrige sein , Mr. Rochester . « » Mr. Rochester , ich will nicht die Ihrige sein . « Wieder langes Schweigen . » Jane ! « begann er wieder mit einer Sanftmut und Zärtlichkeit , die mich fast erstarren machte , die mich mit ihrem bedeutungsvollen Schrecken beinahe zu Stein verwandelte – denn diese ruhige Stimme war das Keuchen des erwachenden Löwen . » Jane , gedenkst du etwa deinen eigenen Weg im Leben zu gehen , während ich einen anderen einschlage ? « » Ja ! « » Jane , « indem er sich zu mir neigte und mich umarmte , » bist du wirklich dazu entschlossen ? « » Ja , das bin ich . « » Und jetzt ? « indem er mir Stirn und Wangen küßte . » Noch immer – « indem ich mich vollständig und schnell aus seiner Umarmung frei machte . » O , Jane , dies ist bitter ! Dies ist – boshaft ! Es wäre keine Sünde , mich zu lieben . « » Es wäre aber Sünde , wenn ich Ihnen willfahrte . « Ein wilder Blick aus seinen Augen traf mich – einen Augenblick verzerrten sich seine Züge . Er erhob sich , aber er beherrschte sich noch . Ich griff nach einem Stuhl , um mich zu stützen ; ich bebte , ich fürchtete mich – aber ich blieb entschlossen . » Noch einen Augenblick , Jane . Wirf nur einen Blick auf mein furchtbares Leben , wie es sein würde , wenn du mich verlassen solltest . Mit dir würde all mein Glück wieder von mir gehen . Was bleibt mir denn übrig ? Als Gattin habe ich nur jene Tobsüchtige dort oben ; ebensogut könntest du mich an einen Leichnam da drüben auf dem Friedhof weisen . Was soll ich thun , Jane ? Wo eine Gefährtin suchen ? Wo Hoffnung finden ? « » Thun Sie , was ich thue . Vertrauen Sie auf Gott und sich selbst . Glauben Sie an den Himmel und an eine Vereinigung da oben . « » Du willst also nicht nachgeben ? « » Nein ! « » Du verdammst mich also dazu , unglücklich zu leben und mit