Einmal sei er in ihr Zimmer gestürzt und habe ihr einen Revolver vor die Stirn gehalten , da habe sie geschrien , daß das ganze Haus zusammengelaufen sei . Als Daniel sich bemühte , ihrer Verschwendungssucht zu steuern , erhob sie bei Philippine Klagen darüber . Philippine hetzte sie auf . » Laß dir ' s nicht gefallen , « sagte sie , » einen Geizkragen hätt ' st du mit deiner Visage nicht zu heiraten brauchen . « Auch als sie wieder mit Edmund Hahn verkehrte , berichtete sie es Philippine . » Den solltest du mal sehen , Philippine , « flüsterte sie geheimnisvoll , » das ist ein wahrer Don Juan , verdreht allen Weibern die Köpfe . « Seit zwei Jahren schon sei er närrisch in sie verschossen , jetzt habe er ihr zugesagt , in einem Spielklub für sie zu spielen , einem intimen Zirkel , wo nur ganz vornehme Leute verkehrten . » Wenn ich gewinn , Philippine , schenk ich dir was Hübsches , « versprach sie . Von da an wurden ihre Erzählungen ziemlich wirr . Sie war viel vom Hause weg , und wenn sie heimkehrte , war sie nicht selten in einem aufgelösten Zustand . Sie ließ sich von Philippine für die Nacht frisieren , und was sie sagte , war gelogen . Einmal aber gestand sie , daß sie nicht im Theater gewesen , wie Daniel annahm , sondern bei einer Frau Bäumler , einer Freundin Hahns , bei der auch gespielt wurde . Sie habe sechzig Mark gewonnen . Scheu blickte sie nach der Tür , zog ihre Börse heraus und zeigte Philippine drei Goldstücke . Philippine mußte schwören , daß sie Dorothea nicht verraten würde . Ein paar Tage danach wurde Dorothea wieder besorgt , und Philippine mußte den Schwur erneuern . Philippine schwor mit einer Leichtigkeit und Gefälligkeit , als wünsche sie gute Mahlzeit . Im Innern erteilte sie sich während des Eides Absolution für den Meineid . Einstweilen wollte sie sammeln , sich alles merken , dem Wild auf allen Fährten folgen ; zudem lag für sie eine Befriedigung finsterer Sinnentriebe darin , von Verhältnissen und Situationen zu erfahren , die ihr nie zum Erlebnis werden konnten . Immer tiefer verstrickte sich Dorothea . Ihre Augen waren wie Irrlichter , ihr Lachen klang flüchtig und krampfhaft . Sie hatte nie Zeit , nicht für ihren Mann , nicht für ihr Kind . Bisweilen wurden ihr durch Boten Briefe gebracht , die sie gierig las und schnell zerriß . Einmal trat Philippine unerwartet ins Zimmer , da versteckte sie erschrocken eine Photographie , die sie in der Hand gehalten hatte . Als Philippine über die Heimlichkeit entrüstet war , sagte Dorothea schnippisch : » Das verstehst du nicht , Philippine , davon kann ich mit niemand sprechen . « Aber Philippines Verdrossenheit setzte sie in Angst . Sie zeigte ihr die Photographie . Es war das Bild eines jungen Mannes , der kalt und mürrisch dreinblickte . Dorothea sagte , es sei ein Amerikaner , den sie bei der Bäumler kennen gelernt ; er sei steinreich und alle seien ganz weg von ihm . Jeden Abend wollte nun Philippine etwas vom Amerikaner wissen . » Erzähl vom Amerikaner , « drängte sie . Eines Abends , schon spät , kam Dorothea im Nachtkleid zu Philippine in die Stube . Agnes und der kleine Gottfried schliefen . » Morgen hat der Amerikaner eine Loge im Theater , wennst mich abholst , kannst ihn sehen , « raunte sie . » Ich halt ' s schon nicht mehr aus vor Neugier , « erwiderte Philippine . Eine Weile saß Dorothea stumm , dann rief sie aus : » Wenn ich Geld hätt , Philippinchen , wenn ich nur Geld hätt ! « » Hab gemeint , der Amerikaner hat so viel , « versetzte Philippine trocken . » Natürlich , der hat Geld wie Heu , « sagte Dorothea , und ihre Augen loderten , » aber - « » Was , aber ? « » Denkst du denn , die Männer tun umsonst was ? « » Ach so , « machte Philippine nachdenklich , » ach so . « Sie kauerte sich auf einen Schemel zu Füßen Dorotheas . » Wie hübsch du bist , wie niedlich , « schnarrte sie mit ihrer Baßstimme ; » was für zierliche Füßli du hast ! Und wie glatt das Fleisch ist , Marmorstein ist nix dagegen . « Mit einer grauenhaften Lüsternheit legte sie ihre Hand um Dorotheas Bein und streichelte die Haut bis zum Knie hinauf . Dorothea schauderte zusammen . Als sie zu der hockenden Philippine niederblickte , sah sie , daß an deren Jacke ein Knopf gerissen war ; durch die Öffnung gewahrte sie zwischen den schlaffen Brüsten etwas Braunes . » Was hast du denn da am Leibe ? « fragte Dorothea . Über Philippines Gesicht schoß eine jähe Röte . » Nix für dich , « antwortete sie rauh und hielt die Jacke mit der Hand zu . » So sag ' s doch , Philippinchen , sag ' s doch , « bettelte Dorothea , die es nicht ertrug , wenn man Geheimnisse vor ihr hatte ; » ist ' s vielleicht dein Brautschatz ? Hast dir deinen Busen als Sparkasse eingerichtet ? « Sie lachte belustigt . Philippine erhob sich . » Ja , es ist mein Geld , « bekannte sie mit Widerstreben und schaute Dorothea feindselig an . » Sicher ist ' s eine ganze Masse . Gib nur acht , daß dir ' s keiner stiehlt . Mußt dich auf den Bauch legen beim Schlafen . « Daniel kam von der Arbeitsstube herunter und hörte Dorotheas Lachen . Dunkler Kummer fraß an seinem Herzen , und er schritt eilig an der Tür vorüber . 11 Eines Abends trat Philippine von der Straße in den Flur , da kam ihr aus dem Schatten ein Mann entgegen , der sie