? « » Nein . Ich habe ihn noch nicht gehört . Aber ich habe jetzt unterwegs darüber nachgedacht und vermute , daß er hier mit dieser Mauer in Verbindung zu bringen sei . Der Name Teufelsstube harmoniert mit dem Aberglauben , daß der Teufel hier die von ihm geholten Seelen zerreiße . Sollte Ahriman Mirza mit diesem Utaq-y-Scheijtan den finstern Raum dort gemeint haben , durch den wir mußten , um hierher zu kommen ? « » Mir kommt dies fast wahrscheinlich vor . « » Mir ebenso ! Er will da die beiden Kaiserdokumente noch einmal prüfen Kaiserurkunden ! Also das Allerwichtigste , was man ihm entreißen könnte ! Aber entreißen ? Nein . Es müßte klüger angefangen werden . Bitte , sprecht jetzt nicht auf mich ! Es kommt mir ein Gedanke . Könnte er richtig ausgeführt werden , so wäre er unvergleichlich ! « Er schwieg hierauf , um nachzudenken . Darum waren wir auch still . Nach einiger Zeit sprang er plötzlich auf und sagte : » Was das nur ist ? Es läßt mir keine Ruhe . Komm mit , Effendi ! Ich muß vor an die Mauer . Es ist Etwas in mir , was mir sagt , daß Ahriman Mirza bald erscheinen wird . « Wir gingen mit einander nach vorn , bis zu der mit Büschen besetzten Tür . Wir schoben das Gesträuch mit den Händen zurück , um in den Raum zu treten . Da flüsterte der Ustad : » Da - da - - da , schau ! Wie recht die Stimme in mir hatte ! Siehst du ihn ? « Allerdings sah ich ihn . Er war soeben gekommen und stand draußen vor dem Eingange , im Sternenschein , um sich umzusehen . Die Reitpeitsche in der Hand , die schwarze Maske vor dem Gesicht , die Agraffe an der Mütze . In seinem Gürtel flimmerte der Griff seines Chandschar , welcher dem meinigen glich . Da war Alles sehr deutlich zu sehen . Da fragte mich der Ustad leise : » Kennst du die Sage vom Chodem des Menschen ? « » Ja , « antwortete ich ebenso leise . » Ich weiß , daß der Mirza an diese Sage glaubt , und werde ihn bei ihr fassen . Halte die Büsche zurück , wenn ich zu ihm hineinschlüpfe und auch dann , wenn ich wiederkomme ! « Er nahm die Maske aus dem Peitschengriffe und band sie sich vor das Gesicht . Dann holte er die Agraffe aus der Blechkapsel und steckte sie an die Mütze . Hierauf steckte er auch meinen Chandschar genau so , wie der Mirza den seinigen im Gürtel trug . Und nun wartete er . Ich wußte nicht eigentlich , was er beabsichtigte , obwohl ich die Bedeutung des Chodem kannte . Chodem ist das persische Wort für » ich selbst « . Die dortigen Metaphysiker aber bezeichnen mit diesem Worte etwas noch Anderes , ungefähr so eine Art dessen , was wir » Doppelgänger « nennen , aber in viel höherem , edlerem Sinne . Sie lehren , daß der Mensch zwar auch einen Geist besitze , den die Seele nach und nach aus den Stoffen des Körpers heraus- und emporzubilden habe , aber dieser rein menschliche Geist sei abhängig und werde geleitet von einem Geiste aus höheren Regionen , der Gott mit seinem eigenen Schicksale dafür verantwortlich sei , daß der ihm anvertraute Mensch seine Bestimmung erreiche . Dieser hohe Geist eigne sich sämtliche Aggregatszustände seines Menschen an und sei also imstande , ihm und auch Anderen persönlich zu erscheinen , und zwar ganz genau in derselben Gestalt und Kleidung wie der Betreffende selbst . Erscheine er Andern , so habe das nichts Schlimmes zu bedeuten ; lasse er sich aber vor seinem eigenen Menschen sehen , so sei das ein sicheres Zeichen , daß er ihn für immer verlassen werde , also entweder des nahenden Wahnsinns oder des zu erwartenden Todes . Denn ein Mensch , der von seinem höhern Geiste , von seinem Chodem aufgegeben wird , muß entweder sofort sterben oder in geistiger Nacht langsam versiechen . Das ist die Sage oder die Lehre , auf welche der Ustad sein jetziges Verhalten stützen wollte . Ahriman Mirza kam herein . Er brannte ein mitgebrachtes Licht an und ging an die Steinplatte , um es dort fest anzutropfen . Als dies geschehen war , zog er zwei zusammengefaltete , große Papierbogen aus der Tasche , schlug sie auseinander und beugte sich zum Lichte , um zu lesen . Da schob sich der Ustad leise , leise zwischen Gebüsch und Wand hinein , schlich unhörbaren Schrittes zu ihm hin , bis er hinter ihm stand , und berührte ihn mit der Reitpeitsche . Der Mirza zuckte zusammen , richtete sich schnell auf , drehte sich um und - - - stieß einen Schrei aus , wie ihn nur der größte Schreck oder gar das wirkliche Entsetzen aus der Lunge zu pressen vermag . Dann stand er starr wie Stein , vollständig bewegungslos . Mir selbst , der ich doch wußte , woran ich war , erschien die Szene beinahe grauenhaft . An der gespenstigen » Mauer der Vergeltung « - - in der » Teufelsstube « , wo der Satan die von ihm geholten Seelen zerreißt - - ein kleines Licht , nur zwei , drei Schritte weit schimmernd - - ein Menschen- und ein höherer Geist - - sich schwarz aus der Schwärze des ringsum herrschenden Dunkels herausgestaltend - - nicht nur einander ähnlich , sondern von unbedingt ganz gleicher Wesenheit - - der Eine ganz genau das Augenbild des Andern - - vom Kopf bis zu dem Fuß herab ein einziges » Ich « und doch in zwei Personen ! Wenn es mich dabei wie kalt überlief , wie mochte es da erst dem Mirza zu Mute sein ! Sonderbarer , aber psychologisch doch ganz richtiger Weise gab er seinem Entsetzen nach dem ersten Schrei nicht