Er hat einmal gesagt , in jedem Menschen stecke ein Faustschicksal . Das sage ich nicht . In Menschen Ihres Schlags steckt es keineswegs . Aber in dem meines Bruders , da steckt es . Die Idee fließt aus Gott , zur Verwirklichung bietet Satanas die Hand . Meines Max Ideal ist : Freiheit für sich selbst und für alle anderen Gleichheit . Er fühlt den Widerspruch nicht einmal . Ohne Zweifel würde es ihm wie eine höchst sträfliche Beschränkung seines Freiheitsrechtes vorkommen , wenn die Tagelöhner von Bielitz und Werben , deren menschenunwürdiges Dasein ihn empört , eines Tages in seinen menschenwürdigen Salon rückten und sagten : Herr Bruder , nimm du einmal zur Ausgleichung unter unseren Schindeldächern fürlieb , und wir wollen uns zwischen deinen Götterbildern gütlich tun . Oder : Das Versemachen und Redenhalten wollen wir uns bis auf weiteres selbst besorgen ; greife du einmal freundlichst zu Hacke und Kelle und hilf uns , aus den Steinen dieses Schlosses , das wir niederzureißen beabsichtigen , die Häuserchen bauen , von welchen , zum Dank für deine guten Lehren , dir eines , nicht besser und nicht schlechter als die anderen , überlassen werden soll . Derlei praktische Konsequenzen zieht aber ein Schwärmer nicht ; oder , wenn Sie so wollen , er macht mit der Praxis den Anfang nach seiner Manier , indem er sein Geld zum Fenster hinauswirft . Immer noch besser , als wenn es in Papa Mehlborns Eisentruhe verrostete . Lassen wir also sein sacré feu auslodern ! Weisheit oder Torheit , jeder Mensch bedarf eines Glaubens , um dessentwillen ihm das Leben lebenswert und das Sterben sterbenswert erscheint . Die Zeit ist nicht fern , wo er nicht mehr an seine Artikel glauben und einsehen wird , daß jedes Philosophem , welches so flach ist , daß die große Menge es zu fassen vermag , dem Funken gleicht , den eine Katze aus der Herdasche auf den Heuboden trägt und daß - - . Aber Sie werden ungeduldig . Zur Sache denn . Held Martin , der mit seinem gezückten Pistol bis in meinen stillen Winkel gedrungen ist , ist ein Narr , wenn er Max zutraut , an den albernen Aufwieglungen dieser Gegend teilgenommen zu haben . Er betreibt das Geschäft en gros , hat aber nichts anderes gesagt und getan als hundert andere , auf welche zu fahnden zurzeit noch keiner Regierung eingefallen ist , lebt unangefochten in Wien , Berlin oder Frankfurt , wo der elektrische Strom sich just am anziehendsten entladet . Der Sinn steht ihm so hoch wie je ; er glaubt noch hartnäckig an den Aufschwung der Bewegung und ist blind dafür , daß sie mit Riesenschritten niederwärts steigt . Wie still wird es bald geworden sein nach dem wüsten Getös ! Wie still dann zeitweise auch in ihm ! Alle meine Hoffnung beruht darauf , daß nach der unnatürlichen Überreizung die natürlichen Reize in ihm zur Geltung kommen ; zu oberst das Idyll , das er so jählings abgebrochen hat . Sparen Sie ihm Ihre Rose bis zu diesem Wendepunkte auf . Mit ihrem rücksichtslosen Realismus , mit ihren wohlbewußt verführerischen Impulsen ist sie das Naturchen , das wie kein zweites für ihn paßt . Sie haben mir diese Taxierung schon wiederholentlich übelgenommen . Es hilft aber alles nichts : eine Frau , die nicht reizen will , reizt auch nicht , und Rose hat bisher jeden Mann gereizt , und außerdem - liebt sie Max ; ja , täuschen Sie sich nicht , sie liebt ihn heute noch . Die Frage ist nur , wo und wie Sie Ihren anvertrauten Schatz bis auf weiteres bergen sollen ? Wären Sie nicht ihr Bräutigam gewesen , oder wären Sie wenigstens nicht ein Landpastor , sagte ich einfach : leben Sie zu zweien weiter wie bisher zu dreien . Für den Idealisten wie für die Realistin steht ja doch ein heimlicher Sozius als Schutzwehr zwischeninne . Aber Sie sind nun einmal , leider Gottes ! dem Namen nach ihr Bräutigam gewesen , sind nun einmal , leider Gottes ! der Hirt einer Bauernherde geworden , und wer wirken will , muß-traurig , aber unerläßlich ! - sich der Borniertheit anbequemen . Keiner sähe in Rosen wieder wie einstmals Ihre Schwester ; sie würde unter Achselzucken und Naserümpfen bestenfalls zu Ihrer Haushälterin herabgezogen werden , und Sie selbst ständen auf einem verlorenen Posten . Nun sagte ich am liebsten : Schicken Sie das Kind zu mir . Es wäre mir ein Trost für Auge und Herz , das kluge , holde Geschöpf um mich zu haben , und an einem Nektar , welcher die kopfhängende Seelenblume auffrischt wie die Liebfrauenmilch mein altes Väterchen , sollte es ihr nicht fehlen . Ich bin zum Schwestersein geboren , und Musik und ein voller Beutel sind für eine Rose gar sympathetische Medien . Aber da ist nun wieder einmal der liebe Bruderstolz , richtiger ausgedrückt die moralische Ranküne . Das Haus der kleinen Sidi ist dem ehrenfesten Hirtensohn zur Höhle geworden , in welcher das Drachengift ausgebrütet worden ist . Und da weiß ich denn freilich keinen besseren Rat als : bringen Sie Rosen zu der von ihren Schwestern , die materiell am behaglichsten lebt . Lange aushalten wird sie es als Einschiebsel in dieser häuslichen Beschränkung nicht , dafür ist sie zu selbstherrlich gewöhnt und nicht zum geringsten verwöhnt durch den , welchen sie ihren alten Dezem nannte . Aber es handelt sich ja auch nur um ein Interim . Der eine oder der andere wird sie in die Freiheit locken , und von dem einen oder dem anderen wird sie sich locken lassen - wiederum zu einem selbstherrlichen Regiment . « Dezimus entfloh ohne Gegenwort . Sidonie hatte Öl in die Flammen gegossen , die sie beschwichtigen wollte . Was sie mit klaren Worten ausgesprochen , mit halben ihn hatte ahnen lassen , ihre Voraussetzungen und Voraussagungen , das Ziel , nach dem sie deutete , den Weg ,