die Herren im Staat und im Haus - kriechen sie zu Kreuz . Sie werden nur übermüthig durch unsere Schuld . Man muß sie fortwährend in dem Bewußtsein ihrer Stellung halten . Sie sind zu gut gegen den Menschen gewesen ; das ist Alles . Ich wunderte mich , offen gestanden , schon heute Mittag , mit welcher Nachsicht sich Fräulein Helene seine Zurechtweisung - ich weiß nicht mehr , um was es sich handelte - gefallen ließ . Nun , Helene ist sonst nicht gerade seine Freundin ; wie sie denn überhaupt eine wahrhaft aristokratische Antipathie gegen alles Plebejische hat . Nähren Sie diese Grundsätze ja ! ich glaube , Sie werden so den nächsten Weg zu ihrem Herzen finden . Nun , ich denke , dieser Weg wird ja wohl nicht so übermäßig schwer zu entdecken sein ; sagte Felix mit selbstgefälligem Lächeln : ich habe einige Erfahrung in diesem Capitel , ma chère tante ! Die Sie in diesem Falle brauchen werden , lieber Felix . Helene ist ein sehr eigenthümlicher , schwer zu berechnender Charakter . Ich gestehe , daß ich noch nicht gewagt habe , ihr unser Project offen darzulegen . Ich wollte erst die Wirkung abwarten , die Sie ohne Zweifel auf ihr Herz hervorbringen werden . Sie haben hier die beste Gelegenheit , sich ihr in dem liebenswürdigsten Lichte zu zeigen ; ja nicht einmal einen Nebenbuhler haben Sie zu fürchten . Wir leben sehr zurückgezogen , und ich werde mit Eifersucht darüber wachen , daß diese Zurückgezogenheit auch während Ihres Aufenthaltes so wenig wie möglich gestört wird . Verzeihen Sie , liebe Tante , wenn ich in diesem Punkte anderer Meinung bin , sagte Felix ; ich müßte mir wahrlich mein theures Lehrgeld wiedergeben lassen , wenn ich den Vergleich mit den jungen Standesgenossen hier auf dem Lande scheuen zu müssen glaubte . Im Gegentheil : Jeder , den ich aus dem Sattel hebe , ist ein Schritt näher zu meinem Ziele , wenn es denn wirklich so sehr weit gesteckt sein sollte . Nein ! bitten Sie so viel Gesellschaft wie möglich . Machen Sie meine und Helenens Anwesenheit zu einer Veranlassung , kleine Diners , Soupers , Thees zu geben ; und hernach fassen wir Alles in einen großen Ball zusammen , auf welchem dann unsere Verlobung der ganzen Gesellschaft mitgetheilt wird , die dann natürlich über ein Ereigniß , das sie seit Wochen erwartet hat , in ein obligates Staunen geräth . Sie sind kühn , lieber Felix , sagte die Baronin , der diese Methode , auch der Kopfspieligkeit wegen , nur halb gefiel . Wozu hätte ich denn sonst des Königs Rock so lange Jahre getragen ? erwiederte Felix , seiner Tante galant die Hand küssend . Während dessen von der Baronin und Felix so ruhig über Helene ' s Schicksal debattirt wurde , hatte zwischen dieser und ihrem Vater ein Gespräch stattgefunden , das die feingesponnenen Pläne der Baronin und den vermeintlich raschen Siegeslauf des jungen Ex-Lieutenants auf eine gar eigenthümlich naive Weise durchkreuzte . Der alte Baron liebte seine schöne Tochter mit aller Liebe , deren sein braves Herz fähig war , liebte sie um so mehr , als er über die Gerechtigkeit der Bestimmungen , welche das junge Mädchen von dem Majoratsvermögen ausschlossen , von jeher nicht geringe Zweifel gehabt hatte . Dazu kam , daß er die Zurücksetzung , welche die Tochter von Seiten der Mutter bis dahin erfahren hatte , sehr wohl empfand , wenn er auch zu schwach gewesen war , Maßregeln dagegen zu ergreifen , und vor allem der Hamburger Verbannung ein Ende zu machen . Auch dem Heirathsproject hatte er seine Zustimmung nur gegeben , weil ihm Anna-Maria eingeredet hatte , so könne die Ungleichmäßigkeit in dem Schicksal der beiden Kinder am besten ausgeglichen werden , da Helene , als die Gattin Felix ' , nach Malte ' s etwaigem Tode , dann gewissermaßen zur Erbschaft gelangte , wenigstens in den vollen Genuß des Vermögens käme . Aber auch hier hatte er Helenens vollkommen freie Zustimmung als unumgängliche Bedingung stipulirt , wogegen er sich wieder verpflichtet hatte , die Leitung der Angelegenheit den geschickten Händen seiner Gemahlin zu überlassen und vor allem sich vor einer vorzeitigen Enthüllung des Planes in Acht zu nehmen . Nun aber hatten die Eindrücke in der letzten Zeit an diesen Vorsätzen und Entschlüssen arg gerüttelt . Zuerst war ihm in Hamburg , als ihn ein plötzlicher Fieberanfall auf das Krankenlager warf , der Gedanke gekommen , er könne in nächster Zeit sterben und Helene dann ganz verlassen dastehen , ohne seinen Rath , ohne sein Veto , das er , im äußersten Falle , der Ausführung der Pläne Anna-Maria ' s entgegenzusetzen , fest entschlossen war . Er hatte seine Tochter immer geliebt , jetzt betete er sie an . Sie war so schön , so stolz , und gegen ihn , den alten Vater , so freundlich bescheiden , daß sein Herz , wenn er dachte , er könnte aus dem Leben gehen , ohne das Schicksal dieses seines Lieblings sicher gestellt zu haben , Angst und Trauer zugleich empfand . Wäre nun Felix der Mann gewesen , wie er sich den Gemahl seiner Tochter wünschte , so hätte noch Alles gehen mögen . Aber das war Felix keineswegs . Der alte Baron war seiner Zeit auch ein junger Baron und war , wie Felix , Offizier gewesen . Er wußte sehr wohl , welchen Versuchungen ein junger und reicher Edelmann in dieser Lage ausgesetzt ist ; er selbst war diesen Versuchungen nicht immer entgangen und hatte in seinem reiferen Alter , als sein von jeher ernst gestimmter Geist die naturgemäße Richtung erlangt hatte , mit bitterer Reue die Sünden seiner heißblütigen Jugend beklagt . Er hatte an seinem Vetter Harald das lebendige Beispiel gehabt , wohin die ungezügelten Leidenschaften zuletzt führen , und sein durch die Liebe zu seiner Tochter und durch die Erfahrung in diesem einen Falle doppelt scharfes Auge erkannte